Virtual Reality im Personalmarketing: Beispiel Deutsche Bahn

Virtual Reality im Personalmarketing: in letzter Zeit hatte ich ja immer mal wieder über das Thema Virtual Reality berichtet – Links dazu unter diesem Interview. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass das Thema auch im Personalmarketing Relevanz gewinnen wird. So sind wir als Agentur gleich mit mehreren Unternehmen zu diesem Thema im Gespräch. Aber es gibt auch bereits erste Praxisbeispiele. Einmal die EnBW, die im Rahmen der Ausbildung erste Experimente mit dem Thema gemacht hat, dann wir selbst mit careerloft. Und kürzlich hat die Deutsche Bahn ihr erstes Event mit Virtual Reality Inhalten gemacht. Was da genau passiert ist, erläutert im Interview Florian Wurzer, Head of Talent Acquisition Region Süd. Auf geht’s:

Virtual Reality im Personalmarketing: Beispiel Deutsche Bahn

saatkorn.: Florian, bitte stelle Dich den saatkorn. LeserInnen doch kurz vor.

Florian Wurzer von der Deutschen Bahn.
Florian Wurzer von der Deutschen Bahn.

Mein Name ist Florian Wurzer, ich leite bei der Deutschen Bahn die Personalgewinnung für Bayern. Wir suchen in unserer Region jedes Jahr rund 1.300 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein wesentlicher Grund ist der demografische Wandel. Zu meinem Aufgabengebiet vor allem die Ansprache und Rekrutierung von Schulabgängern und von nicht-akademischen Fachkräften. Im Bereich „Talent Acquisition“ arbeite ich seit zehn Jahren mit Leib und Seele, und ich kann sagen, es ist kein Job wie jeder andere. Mit großer Freude und einem großartigen Team gehen wir jeden Tag mit Leidenschaft und Engagement klassische und auch vermehrt innovative Wege, um die besten Talente für die DB zu finden.

saatkorn.: Virtual Reality im Personalmarketing: wie bist Du darauf gekommen – es gibt ja bislang erst ganz wenige Beispiele dafür…
Ich beschäftige mich privat und beruflich mit dem Thema und mit den Möglichkeiten, die es technisch bereits gibt. Ich bin immer begeistert, wenn ich sehe, was die Kolleginnen und Kollegen aus dem Produktmarketing für großartige Ideen haben. Das schaue ich mir an und überlege dann wie wir beispielsweise Virtual Reality auch in der Personalgewinnung einsetzen können. In diesem Falle war das ähnlich, ich habe einen VR-Film auf YouTube gesehen und mehrere Vorträge gehört. Das war für mich der Auslöser und hat in mir sofort eine Idee geweckt. Innerhalb einer Woche war ein erstes Konzept da. Auf dessen Grundlage haben dann mein Team und ich sechs Monate an dem Pilotprojekt gearbeitet.

saatkorn.: Und warum glaubst Du, dass Virtual Reality im Personalmarketing ein sinnvolles Instrument sein kann?
Virtual Reality nutzen wir, um die Berufswelt der DB vorzustellen. Es ist ein Einblick etwa in ein ICE-Werk – anytime and anywhere. Es gibt einerseits den klassischen Weg der Inhouse Events, hier laden wir Interessentinnen und Interessenten beispielsweise in Werkstätten der DB ein oder zeigen anhand von Bauprojekten die vielfältigen Möglichkeiten und Tätigkeitsfelder. Diese Formate machen Spaß, sie sind allerdings auch sehr zeit- und kostenintensiv. Mit Virtual Reality können wir das Fenster zur Berufswelt der DB bei jeder passenden Gelegenheit aufstoßen; der technische Aufwand ist überschaubar, deshalb können wir VR eigentlich bei fast jeder Veranstaltung, jedem Bewerbertag, oder bei einem Assessment Center nutzen. Im nächsten Schritt gehen wir sogar noch weiter: Wir wollen unsere VR-Anwendungen auch zu Hause „auf der Couch“ ermöglichen, ohne dass sich jeder User ein teures VR-Equipment kaufen muss. Dazu werden wir Karton-Cardboards mit DB Branding anfertigen und auf Veranstaltungen ausgeben.

saatkorn.: Nun habt Ihr bei der Deutschen Bahn ja kürzlich eine erste Veranstaltung gehabt, bei dem Virtual Reality auch zum Einsatz kam. Was habt Ihr da genau gemacht?
Für uns war wichtig, dass wir VR auf der Basis eines soliden Konzepts und bei den wichtigsten Engpassberufsgruppen bei der DB vorstellen. Hier sind unter anderem der Elektroniker, der Fahrdienstleiter und auch der Gleisbauer zu nennen. Somit waren die Berufe schon mal gefunden, und nun wollten wir einen authentischen Einblick in diese Arbeitswelten erschaffen. Entsprechend haben wir mehrere 360-Grad Filme an den relevanten Arbeitsplätzen gedreht – im ICE-Werk, in einer Betriebszentrale und auf einer Gleisbau-Baustelle –und das Material für VR aufbereitet.

Getragen von unserer eigenen Begeisterung wollten wir das Ganze möglichst schnell mit den Zielgruppen ausprobieren. Am 17. Oktober war es dann soweit: Auf unserem DB Karrieretag in München haben wir unsere „Berufe-Brille“ dann erstmals öffentlich vorgestellt. Dazu haben wir gemeinsam mit unserem Partner Innoactive einen klassischen Karrierestand aufgebaut und die Geräte testen lassen. Um das Publikum einzubinden, haben wir für die umherstehenden Gäste noch einen Monitor und Lautsprecher aufgebaut, damit alle sehen und hören können, was der User gerade sieht und hört, der die Berufe-Brille aufhat.

Blick durch die Virtual Reality Brille: muss man selbst erlebt haben!
Blick durch die Virtual Reality Brille: muss man selbst erlebt haben!

saatkorn.: Und wie war das Fazit der VeranstaltungsteilnehmerInnen?
Das Fazit der Gäste war großartig und für uns vielversprechend. Wir hatten sogar einen Bewerber aus Österreich, der extra für unseren Karrieretag angereist ist und nach der Virtual Reality Experience sagte, dass er sich sofort bewerben möchte. Generell war das Feedback sehr gut und es hilft uns bei der DB natürlich, mit solch einer innovativen Technologie Bewerber zu überraschen – da wir kein IT- oder High Tech Brand sind – und als Personalgewinnung auch unseren Teil zum Konzernziel der DB „Digitalisierung“ beizutragen. Aber natürlich haben wir auch noch einige kleine „Bugs“ gefunden, an denen wir nun arbeiten müssen und es weiter optimieren werden. Unabhängig davon: Die Seh- und Sinneseindrücke über die Brille sind sehr beeindruckend, da waren sich alle Tester einig.

saatkorn.: Was ist Dein persönliches Fazit dazu? Wird es zukünftig noch mehr Virtual Reality im Personalmarketing der Deutschen Bahn geben?
Wenn ich ehrlich bin, zuallererst Erleichterung. Es ist immer das Eine, selbst von einer Idee, einer potentiell disruptiven Innovation überzeugt zu sein, aber es ist etwas ganz anderes wie es dann die eigentliche Zielgruppe beurteilen und nutzen wird. Alles ist glücklicherweise positiv verlaufen, nun planen wir den Rollout. Damit wollen wir auch nicht zu lange warten, denn aktuell sind wir noch eines der ersten deutschen Unternehmen, das VR zur Rekrutierung nutzt. Ich persönlich sehe hier ein großes Potential. Möglicherweise ist die Technik nicht für jedes Unternehmen und jede Tätigkeit notwendig, aber für die meisten Unternehmen mit einer hohen Jobvielfalt – wie bei der DB – ist es ein spannendes Instrument. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Einstiegskosten nicht mehr allzu hoch sind. Aktuell freuen wir uns auf den Austausch mit anderen Unternehmen, um weiter voneinander zu lernen.

saatkorn.: Florian – herzlichen Dank für das Interview – und weiterhin viel Erfolg mit Virtual Reality im Personalmarketing!

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Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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