Virtual Reality und Employer Branding

 

Virtual Reality und Employer Branding – echt jetzt?!

Aber ja: wie bereits bei Blogger-Kollege Jo Diercks Ende letzter Woche angeteasert, gibt es mit der EnBW und Oliver Erb das erste zarte Virtual Reality Pflänzchen im Kontext Arbeitgeberattraktivität. – Ganz ehrlich: bis vor etwa 3 Monaten habe ich das Thema Virtual Reality (VR) komplett in der „Gamer-Ecke“ verortet und sah keinerlei Relevanz für Employer Branding und Personalmarketing. Wie aber so oft bei digitalen Themen verändert das eigene Ausprobieren oft massiv die eigene Perspektive. Und ich muß sagen, dass ich persönlich das letzte Mal einen so großen Wow-Effekt bei der Vorstellung des iphone 2007 hatte wie kürzlich, als mein Medienfabrik Kollege Michael Kölling mir eine Oculus Rift auf den Kopf gesetzt hat und ein paar Demos hat ablaufen lassen. Seitdem bin ich felsenfest davon überzeugt, dass das Thema VR auch im Kontext Arbeitgeberattraktivität innerhalb der nächsten 2 Jahre massiv werden wird. Die Vorstellung, Arbeitswelten, Produktionsprozesse oder neue Kollegen virtuell vor dem Jobeinstieg kennenzulernen ist wirklich faszinierend. Und die ersten Reaktionen auf einen Vortrag, den ich u.a. zu dem Thema gehalten habe, zeigen, dass ich mit der Begeisterung für das Thema nicht alleine da stehe. Kleiner Vorgeschmack aus einem ganz anderen Kontext:

Um das Thema auf saatkorn. einzuführen, habe ich einfach mal intensiver bei unserem VR Experten Michael Kölling nachgefragt. Auf geht’s:

saatkorn.: Michael, bitte stell Dich den Saatkorn LeserInnen doch kurz vor!
Ich arbeite als Senior Consultant mit Schwerpunkt neue Technologien und Multichannelsysteme in der Medienfabrik. Angefangen habe ich in reinen Onlineagenturen, seit 5 Jahren arbeite ich bei dem Multichannelspezialisten Medienfabrik und analysiere dort u.a. innovative Technologien und Lösungen. Seit einem Jahr beschäftige ich mich insbesondere mit dem Thema Virtual Reality.

saatkorn.: In den letzten 10 Jahren gab es ja immer wieder technologische Entwicklungen, die zu weitreichenden Trends auch in der Arbeitgeberkommunikation, geführt haben. Ich denke beispielsweise an Karriere-Websites, dann die Arbeitgeberkommunikation über Social Media, bis zum aktuellen Mobile-Trend. Wie ist Deine Einschätzung, wird Virtual Reality „das nächste große Ding“?
Auf jeden Fall, diese Technologie wird sich ähnlich schnell verbreiten und die Kommunikationswelt verändern wie die Smartphones.

saatkorn.: Wie lässt sich das begründen?
Natürlich gibt es die nackten Fakten und Zahlen. Hier bescheinigen die Marktforschungsinstitute ein enormes Wachstum in den nächsten Jahren. Gartner sieht die VR Technologie kurz vor dem Durchbruch. Bitkom geht von bis zu 10 Mio. Nutzern in Deutschland aus. Zudem investieren die großen Onlinekonzerne massiv in die Entwicklung der VR Produkte und Plattformen. Aber der wichtigste Punkt ist einfach die ‚Experience‘, wenn man das erste Mal selber eine VR Brille auf hat. Ähnlich wie damals, als ich das erste iPhone benutzen durfte, ist das Erlebnis einer VR Brille unbeschreiblich und man erkennt sofort den Einfluss auf alle Kommunikationsbereiche. Inzwischen habe ich schon mehr als 100 Personen eine VR Brille demonstriert. Egal welches Alter oder welche Branche: Das Feedback war reine Begeisterung.

saatkorn.: Welche Konzerne stecken konkret hinter VR?
Vor allen Dingen ist hier facebook zu nennen, die u.a. den Spezialisten Oculus VR aufgekauft haben und die weitere Entwicklung mit hohem Aufwand betreiben. Neben der Entwicklung der VR-Brillen wird die facebook Plattform an sich für VR vorbereitet. Google Cardboard verwendet die Technik eines vorhandenen Standard Android Smartphones (Display, Bewegungs/ Neigungssensoren etc.) und bietet zusätzlich eine sehr günstige Einstiegsbrille (ca. 15€) an. Davon sind bereits  > 1 Mio Einheiten im Umlauf. Passend dazu erweitert Google seine Plattform Youtube, um 360° Videos abzuspielen und mit Hilfe einer VR Brille zu steuern. Samsung hat mit Gear VR bereits ebenfalls eine Brille als Erweiterung zu den Top-Smartphones Notes4 und S6 auf dem Markt.

Weitere konkrete Ankündigungen für die nächsten 12 Monate gibt es von Sony für die Playstation und HTC RE Vive. Hier sind sehr umfangreiche Interaktionsmöglichkeiten gegeben. Bei der Lösung von HTC/ Valve kann man sich frei in der virtuellen Umgebung bewegen und interagieren. Microsoft hat mit der Hololens sehr interessante Konzepte vorgestellt, hier gibt es jedoch noch keine konkreten Ankündigungen. Dennoch ist folgendes Video bestimmt auch aus HR Perspektive spannend und lässt bei etwas Fantasie mögliche Anwedungsgebiete deutlich werden:

Apple hat ein VR-Team aufgebaut, wie immer bei Apple wird über neue Produkte jedoch vorab nichts kommuniziert.

Daneben gibt es sehr viele kleinere Hersteller, die sich mit VR Brillen, Handerkennung, Controllern etc. beschäftigen. Zudem schließen die großen Film- und Entertainmentkonzerne Partnerschaften mit den Herstellern und entwickeln erste Inhalte.

saatkorn.: Bis vor kurzem habe ich gedacht, dass VR in erster Linie im Gaming-Kontext Impact haben wird. Wo siehst Du andere Anwendungsgelder?
(lacht) Da mehr als 80% der 14-29-jährigen Videospiele spielen, würde mir das als Zielgruppe bereits reichen. – Im Ernst: Es gibt natürlich einige Themen, die prädestiniert für VR sind und diese Technologie schnell adaptieren werden, dazu gehört der komplette Bildungsbereich, Travel – Reisebüros werden bereits mit VR Brillen ausgestattet – und alle komplexen Produkte und Themen, die über VR wesentlich besser erfahrbar sind.

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Im Gespräch: Michael Kölling (rechts) mit Virtual Reality Test-Proband 🙂

Wichtiger ist jedoch, dass alles was jetzt schon über Smartphones genutzt wird wie beispielsweise Information, Entertainment, E-Commerce, Inhalte und Informationen tauschen, Social Networks etc. noch besser mit VR-Unterstützung funktioniert. Die führenden Plattformen Youtube und Facebook sind bereits dafür vorbereitet. Andere große (Social-) Plattformen und Dienste wie Skype werden folgen.

saatkorn.: Und inwiefern kann VR Deiner Meinung nach auch für HR Relevanz bekommen?
Für den Bereich Personalmarketing kann hier kurzfristig und in den nächsten Monaten auf Messen und Events sehr viel Aufmerksamkeit erzeugt werden. Dies zeigen die reichlichen Beispiele aus dem Produktmarketing. Hier können über 360° Videos oder kleine interaktive Anwendungen die eigene Arbeitgebermarke und ggf. spezielle Angebote vorgestellt werden.

Ab nächsten Jahr wird generell der Druck zunehmen, die neuen VR-Kanäle zu bedienen, in denen die Zielgruppen dann zunehmend aktiv sind. Die Zielgruppen werden auch von Arbeitgebern erwarten, ihre Unternehmen und Angebote entsprechend zu präsentieren. Hier können bereits vorhandene Youtube- / Social-Media-Kanäle um VR-Content erweitert werden. Für spezielle Themen können vorhandenen Apps um VR erweitert oder neu entwickelt werden. Gerade für ein Thema wie beispielsweise careerloft ist Virtual Reality geradezu prädestiniert…

Generell ist es natürlich immer erfolgreich, das Thema Innovation auch über innovative Technologien zu transportieren. Für innovative Unternehmen empfehle ich schon in den nächsten Monaten auch VR zu nutzen, um das Feld zu besetzen und sich vom Wettbewerb zu differenzieren.

saatkorn.: Mit welchen Kosten und Aufwänden muss man minimal rechnen, wenn man VR als Arbeitgeber nutzen möchte?
Was kostet eine APP? Für VR gilt: Die Spanne ist ähnlich groß, wie bei der APP Entwicklung. Einfache APPs die nur Informationen darstellen, sind schon günstig zu bekommen. Je mehr Funktionalität und Interaktion enthalten sein soll, vervielfachen sich die Preise. Als Einstieg in VR empfehle ich 360° Grad Videos, die in bestehenden Plattformen (z.B. Youtube) integriert werden können. Diese starten bei 15k €. Aufwändige interaktive Apps können jedoch auch schnell ein sechsstelliges Budget erfordern. Zudem empfehle ich natürlich immer, auch den neuen VR-Kanal sinnvoll in eine Gesamtstrategie zu integrieren und nicht losgelöst zu betrachten.

saatkorn.: Michael, vielen Dank für das Interview – und weiterhin viel Spaß und Erfolg mit Virtual Reality.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, kann sich nun bei der HR EDGE anmelden. Die Veranstaltung steigt am 10. September in Hamburg. Vor Ort wird man Virtual Reality selbst erleben können und Michael Kölling ist auch mit vor Ort. Hier gehts zur Anmeldung.

 

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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