Stepstone Gehaltsreport 2016: Sicherheit wichtiger als Geld

Vor ein paar Tagen hatte ich über Nina Bruuns Jobreise – mit dem Wohnmobil auf der Suche nach dem perfekten Job – geschrieben. Hier stand die Sinnsuche ganz klar im Vordergrund. Und so scheint es auch in den meisten Studien zu sein: der Sinn der Arbeit schlägt langfristig das Geld. ABER: Geld ist natürlich ein ganz grundlegender Faktor. Auf der Maslowschen Bedürfnispyramide dürfte das Gehalt -auf unsere Thematik übertragen – ganz unten als grundlegender Hygienefaktor gelistet sein. Mithin: nicht wirklich differenzierend, aber absolut notwendiger Faktor bei der Arbeitgeberwahl. Soeben ist der Stepstone Gehaltsreport 2016 erschienen. Und interessanterweise bestätigt er im Großen und Ganzen diese Sichtweise. Dennoch lassen sich aus dem Report einige spannende Ableitungen, gewissermaßen Handlungsempfehlungen ableiten. Wer im Jahr 2016 Kohle machen will, sollte im Bereich Medizintechnik arbeiten und mindestens 2 Mal seinen Arbeitgeber wechseln  😉

Im ernst: ich habe mal bei Stepstone Geschäftsführer Dr. Sebastian Dettmers nachgefragt:

Stepstone Gehaltsreport 2016: Jobsicherheit wichtiger als Geld

saatkorn.: Bitte stellen Sie sich den saatkorn LeserInnen doch kurz vor.

Dr. Sebastian Dettmers von Stepstone.
Dr. Sebastian Dettmers von Stepstone.

Seit Juli 2011 bin ich Geschäftsführer bei StepStone. Davor habe ich unter anderem bei Axel Springer gearbeitet und dort mitgeholfen, das Digitalportfolio aufzubauen.

saatkorn.: Ganz aktuell ist der Stepstone Gehaltsreport 2016 erschienen. Was war das Setting der Studie?
Wir veröffentlichen den StepStone Gehaltsreport jetzt zum fünften Mal in Folge. Wie in den letzten Jahren haben wir für die Studie die Gehaltsdaten von rund 50.000 Fach- und Führungskräften ausgewertet. Mit dem Gehaltsreport geben wir Arbeitnehmern und Arbeitgebern einen umfassenden Überblick über aktuelle Durchschnittsgehälter in der Bundesrepublik – aufgeschlüsselt nach Berufsfeld, Branche, Berufserfahrung, Unternehmensgröße, Region usw.

Gerade in Deutschland, wo Gehalt immer noch ein Tabuthema ist, ist eine solche Standortbestimmung für Fachkräfte sehr hilfreich. Mithilfe des Gehaltsreports kann jeder seinen persönlichen Marktwert bestimmen und somit gut informiert in die nächste Gehaltsverhandlung gehen. Nicht zuletzt hilft der Stepstone Gehaltsreport 2016 auch Arbeitgebern dabei, ihr Gehaltsangebot im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter einzuordnen.

saatkorn.: Was sind die Haupterkenntnisse des Reports, gibt es Bereiche, in denen sich gravierende Änderungen gegenüber dem Gehaltsreport 2015 ergeben?
Haupterkenntnis ist, dass die Gehälter in Branchen, die ohnehin überdurchschnittlich gut zahlen, noch weiter zulegen. Am stärksten sind die Gehälter für Fachkräfte in den Bereichen Medizintechnik, Chemie sowie bei Banken und Pharmaunternehmen gestiegen, nämlich um rund 3 Prozent. Auf der anderen Seite sinkt das Gehalt in unterdurchschnittlich zahlenden Branchen wie z.B. bei Werbeagenturen.

Stepstone Gehaltsreport 2016: Top und Flop Branchen.
Stepstone Gehaltsreport 2016: Top und Flop Branchen.

Diese Entwicklung spiegelt Angebot und Nachfrage auf dem Fachkräftemarkt wieder: So steigt u.a. die Nachfrage nach Mitarbeitern aus dem MINT- und Finanzbereich, während das Angebot an Marketingfachleuten groß ist und sie vergleichsweise leicht zu rekrutieren sind. Über alle Berufsgruppen und Branchen hinweg bleibt das Durchschnittsgehalt von Fach- und Führungskräften in Deutschland aber unverändert – bei rund 52.000 Euro brutto.

Stepstone Gehaltsreport 2016: Gehälter nach Bundesländern.
Stepstone Gehaltsreport 2016: Gehälter nach Bundesländern.

saatkorn.: Welche Empfehlungen leiten Sie aus dem Gehaltsreport 2016 für Arbeitnehmer ab?
Zunächst: Den meisten Kandidaten sind Arbeitsinhalte und andere vermeintlich weiche Faktoren wichtiger als ein hohes Gehalt. Das Gehalt allein ist also selten Motivation für einen Wechsel. Wer allerdings nach einer neuen Perspektive sucht oder einen spürbaren Gehaltssprung machen will, für den ist eine neue Stelle oft der richtige Weg. Die Ergebnisse unserer Gehaltsstudie zeigen, dass das Gehalt nach dem ersten Wechsel im Schnitt um 11 Prozent steigt – beim zweiten und dritten immerhin noch um je 5 Prozent.

saatkorn.: Und welche Handlungsmaßnahmen empfehlen Sie den Arbeitgebern? – Man kann ja nicht unbegrenzt an der Gehaltsspirale drehen…
Wie gesagt, spielt das Gehalt zwar eine wichtige Rolle, ist aber nur ein Faktor von vielen. Unsere Marktforschung zeigt, dass Fachkräfte durchaus bereit sind, beim Gehalt Kompromisse einzugehen – vorausgesetzt, die anderen Faktoren stimmen. Wichtiger als das Gehalt ist den meisten Mitarbeitern neben interessanten Arbeitsinhalten z.B. die Jobsicherheit. Entscheidend sind außerdem das Arbeitsklima, hier vor allem ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen, sowie Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Viele der genannten Faktoren lassen sich von Arbeitgebern aktiv beeinflussen. Ganz wesentlich ist auch, diese Faktoren beim Recruiting hervorzuheben, von der Stellenanzeige bis zum Vorstellungsgespräch.

Zum Weiterlesen: Der umfangreiche Report mit allen Ergebnissen und Gehaltstabellen steht als kostenloser Download HIER bereit.

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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