Fachkräfte mit Berufsausbildung: mobile Erreichbarkeit zählt

Fachkräfte mit Berufsausbildung erreicht man heute fast nur noch mobil

Nicht nur der Mittelstand klagt über einen massiven Fachkräftemangel. Auch viele größere Unternehmen scheinen zunehmend Probleme zu haben, freie Stellen zügig zu besetzen. meinestadt.de kümmert sich seit über 10 Jahren um Fachkräfte mit Berufsausbildung und weiß, weshalb Unternehmen und Arbeitnehmer nicht mehr zusammenfinden. Ein Gespräch mit meinestadt.de Geschäftsführer Georg Konjovic.

saatkorn.: Georg, bitte stell dich den saatkorn. LeserInnen kurz vor.

Georg Konjovic von meinestadt.de
Georg Konjovic von meinestadt.de

Mein Name ist Georg Konjovic und ich bin inzwischen seit fast 20 Jahren im Online Business tätig. Bevor ich 2012 zu meinestadt.de gewechselt bin, habe ich unter anderem bei Axel Springer den Paid Content verantwortet und war Geschäftsführer von hamburg.de. Davor habe ich meine Heimat muenchen.de digitalisiert. Die Digitalisierung bedeutet den größten gesellschaftlichen Umbruch für die nächsten Jahrzehnte und ich genieße jeden Moment mittendrin – mein kompletter CV ist digital. Bei meinestadt.de bin ich nun seit fast fünf Jahren als CEO an Bord. Wir bieten seit über 10 Jahren den größten Stellenmarkt für Fachkräfte mit Berufsausbildung und haben bereits früh erkannt, wie wichtig gut ausgebildete Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt sind. Mittlerweile werden die Klagen über den akuten Fachkräftemangel von Unternehmensseite ja auch immer lauter.

saatkorn.: Welche Bereiche kämpfen denn am meisten um Fachkräfte mit Berufsausbildung?
Vor allem der Mittelstand sucht händeringend Fachkräfte, doch auch größere Unternehmen tun sich zunehmend schwer, ihre Positionen zu besetzen. Es gibt laut Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung aktuell so viele offene Stellen wie nie zu vor. Für zwei Drittel der Vakanzen werden Fachkräfte mit Berufsausbildung gesucht. Es sind also nicht vornehmlich Akademiker, die händeringend gesucht werden. Es fehlt an Mechatronikern, Klempnern, Pflegekräften oder Erziehern. Wir müssen uns wieder um die Ausbildungsberufe kümmern.

saatkorn.: Was läuft schief, wieso finden Unternehmen und Fachkräfte mit Berufsausbildung nicht mehr zusammen?
Dafür gibt es mehrere Gründe. Teilweise haben Arbeitgeber überzogene Ansprüche an die Bewerber. Auch die Bewerbungsprozesse sind häufig rückständig, viele Unternehmen setzen auf falsche Rekruitingkanäle. Das Smartphone ist für Fachkräfte mit Berufsausbildung laut Umfragen in kürzester Zeit zum wichtigsten digitalen Gerät im Alltag geworden. Damit wird natürlich auch das Verhalten in Bezug auf die Jobsuche nachhaltig beeinflusst. Der Großteil der Fachkräfte sucht nur noch online und mobil nach Stellenanzeigen. Unternehmen müssen ihre Angebote mobil optimieren, damit sie überhaupt von potenziellen Kandidaten gefunden werden.

saatkorn.: Die mobile Ansprache der Kandidaten ist eurer Meinung nach also der Hebel, um Fachkräfte mit Berufsausbildung zu erreichen?
Ja, aber wir gehen noch einen Schritt weiter. Wir sehen sehr großes Potenzial, Unternehmen und qualifizierte Bewerber durch zeitgemäße Bewerbungsprozesse, wie zum Beispiel unsere Direktbewerbung, effizienter miteinander zu vernetzen. Im ersten Schritt reichen bei Fachkräften häufig wenige Informationen, um für beide Seiten zu schauen, ob man zusammenpasst. Es ist wichtig, die Hemmschwellen für die Kontaktaufnahme zu senken. Für uns ging es aber bei der Entwicklung der Direktbewerbung weit über das Thema Mobile Recruiting hinaus. Modernes Recruiting kann nicht nur darin bestehen, klassische Anzeigendesigns für mobile Endgeräte zu optimieren. Arbeitgeber müssen ihre Stellenangebote auf das Informationsbedürfnis des Bewerbers in verschiedenen Nutzungssituationen ausrichten – ob zuhause oder unterwegs. Auf der Couch sucht es sich anders als an der Bushaltestelle. Für Arbeitgeber kommt es deshalb darauf an, Bewerber in jeder Situation und auf jedem Gerät mit dem passenden digitalen Angebot zu überzeugen.

saatkorn.: Warum lohnt es sich auch aus Sicht der Unternehmen, wieder verstärkt auf Fachkräfte mit Berufsausbildung zu setzen?
Ich würde hier sogar noch viel früher ansetzen – deutsche Unternehmen sollten verstärkt auf gute Ausbildungsprogramme setzen. Fehlen jetzt Azubis, mangelt es langfristig an Fachpersonal. Gerade bei technischen Berufen, Pflegeberufen oder in der Sanitärbranche, in denen der Mangel jetzt schon spürbare Folgen hinterlässt, müssen sich Unternehmen ihrer Verantwortung als Ausbilder wieder bewusst werden. Mittlerweile bildet nur noch jeder fünfte Betrieb mindestens einen Lehrling aus. Das ist viel zu wenig. Um auch bei Jugendlichen das Image der Berufsausbildung wieder zu stärken, müssen Unternehmen Anreize schaffen. Denn wer es als Arbeitgeber schafft, junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern, gewinnt langfristig nicht nur kompetente, sondern auch loyale Mitarbeiter. Wir haben zu diesem Thema mehr als 5.000 Arbeitnehmer befragt, mit dem eindeutigen Ergebnis, dass es Fachkräfte mit Ausbildung am längsten am gleichen Arbeitsplatz hält. Über 37 Prozent bleiben bis zu sieben Jahre und sogar länger. Wer also langfristig plant und in die Ausbildung seiner Mitarbeiter investiert, spart später Kosten für Rekrutierung und Einarbeitung.

saatkorn.: Die anderen großen Jobbörsen kümmern sich ja hauptsächlich um Akademiker. Was ist denn Nicht-Akademikern wichtig bei der Arbeitgeberauswahl?
Eine Krankenschwester begeistert man sicher nicht, wenn man ihr etwas über Karriere erzählt. Unternehmen, die Fachkräfte mit Berufsausbildung suchen, sollten sich in ihre Zielgruppe hineinversetzen und überlegen, welche Argumente für sie überzeugend sind. Hier können Arbeitgeber ansetzen und sich für zukünftige Bewerber interessant machen. 85 Prozent der Fachkräfte mit Berufsausbildung suchen zudem in ihrer direkten Umgebung nach einem Job. Man darf nicht vergessen, dass beim Mittelstand mangelnde Visibility im Netz immer noch ein Problem darstellt. Aber Fachkräfte können sich ja nun mal nur bei Firmen bewerben, die sie bei der Jobsuche finden. Über unseren Stellenmarkt können sich Unternehmer sichtbar machen und auf allen Kanälen passende Fachkräfte mit Berufsausbildung erreichen.

saatkorn.: Vielen Dank für das Interview Georg – und weiterhin viel Erfolg mit meinestadt.de!

Bildquelle oben: industrieblick / fotolia

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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