Employer Branding by adidas

 

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Architektur und Employer Branding: kürzlich hatte ich das Vergnügen, auf dem adidas Campus in Herzogenaurach gewesen zu sein. Klasse, wie es der adidas Group gelingt, an einem Ort im Nirgendwo (ganz ehrlich: gegen Herzogenaurach ist Gütersloh ja schon fast eine Metropole ;-)) international-cooles Campus-Flair zu verbreiten. Zu den Hintergründen, Zielen und zukünftigen Entwicklungen hat Christian Dzieia, Senior Director Property Development bei der adidas Group, Rede und Antwort gestanden. Auf geht’s:

saatkorn.: Was ist die Idee hinter der Architektur auf dem adidas Campus in Herzogenaurach (oder Herzo-Base)? Welche Ziele verfolgt die adidas Group mit dem Campus?
Christian Dzieia
Bei der adidas Group bestimmt unsere Liebe für den Sport wer wir sind und was wir tun. Adi Dassler hat in einem seiner Standards formuliert: „Wenn ich gute Arbeit verlange, muss ich auch die Voraussetzungen dafür schaffen“. Diesen Satz nehmen wir uns auch heute noch, gerade bei unseren Bauprojekten, zu Herzen.

Die Gebäude müssen ins Gesamtgefüge des Campus passen und gleichzeitig zukunftsweisend, originell, nachhaltig und funktional sein. Sie müssen die Einzigartigkeit unserer Marken und unsere Leidenschaft für den sportlichen Lifestyle transportieren. Vor allem müssen sie unserem Champions League Standard genügen – so lautet der Maßstab, den wir bei all unseren Vorhaben ansetzen.

Wir suchen individuelle architektonische Lösungen, die dem Selbstverständnis und den Werten der adidas Group entsprechen und über ein hohes Maß an Funktionalität, vor allem aber auch an Flexibilität, verfügen. Ein besonderes Augenmerk liegt zudem auf der Wirtschaftlichkeit, sowohl in der Errichtung der Gebäude, vor allem aber auch im Gebäudebetrieb. Die angemessene Umsetzung der Markenwerte und deren Wahrnehmung von außen nimmt bei allen Neubauten eine wichtige Rolle ein. Auch wenn alle Gebäude über eine individuelle Architektur verfügen und verschiedene Funktionen abbilden, muss die World of Sports insgesamt die Markenwerte der adidas Group vermitteln und mit ihnen im Einklang stehen.

Wir wollen die World of Sport nicht einfach nur vergrößern, sondern ein neues Maß an Qualität in zahlreichen Aspekten erreichen. Sie soll zu einem konkurrenzlosen, innovativen und inspirierenden Ort mit zahlreichen individuellen Arbeitsmöglichkeiten werden. In Zukunft möchte die adidas Group ihren Mitarbeitern Flächen anbieten, die ihnen ein Maximum an Flexibilität, Kreativität und Zusammenarbeit ermöglichen – nicht weniger als den besten Arbeitsplatz der Welt!

saatkorn.: Wie steht es um die Erreichung dieser Ziele? – Gibt es Kennzahlen, Preise oder weiteres „Beweismaterial“, die zeigen, dass die Ziele auch erreicht werden?
Das LACES wurde mit einer Vielzahl an Preisen für die Gesamtgestaltung bis hin zur Innenarchitektur ausgezeichnet und z.B. auch unter die 15 spektakulärsten Firmengebäude gewählt. Vor allem aber zählt für uns die Zustimmung und Zufriedenheit unserer Mitarbeiter und die Leidenschaft die wir gemeinsam entfachen wollen. Die spektakuläre Architektur ist nur ein Teilaspekt des Gesamtbildes für den Mitarbeiter und der persönliche Arbeitsplatz muss ebenfalls diesen hohen Ansprüchen genügen.

Laces_2Foto: adidas LACES von außen

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Foto: adidas LACES von innen

Hier merken wir einen starken Zuspruch der Mitarbeiter und eine hohe Identifikation mit dem Arbeitgeber. Eine positive Entwicklung die wir durch weitere Maßnahmen fördern wollen. Für die geplanten Neubauten werden wir diesen Aspekt noch deutlich stärker angehen und planen mit einem neuen Bürokonzept einen der Besten Arbeitsplätze der Welt zu schaffen. Hierbei legen wir z.B. großen Fokus auf Serendipität: das Fördern von zufälligen Begegnungen und dem Ermöglichen von spontanem Austausch der Mitarbeiter, um die Kommunikation und Zusammenarbeit zu fördern. Begegnungsräume sind ein zentraler Bestandteil der Architektur in den neuen Gebäuden.

saatkorn.: Es gibt ja viele Unternehmen, die Ihren Hauptstandort nicht gerade in Metropolen haben. Gab es bei der adidas Group mal Überlegungen, die Zentrale beispielsweise in Berlin oder München anzusiedeln? Warum hat man sich dagegen entschieden?
Die Konzernzentrale der adidas Group befindet sich seit der Unternehmensgründung in Herzogenaurach, nahe den Städten Erlangen und Nürnberg. Der Standort ist nicht zufällig gewählt: hier in der fränkischen Kleinstadt wurde Adi Dassler geboren, hier begann die Geschichte von adidas. In den 90er Jahren wurde intensiv über mögliche Alternative Standorte wie z.B. Paris diskutiert.
Die adidas Gruppe hat sich dann aber Mitte der 90er Jahre bewusst für Herzogenaurach als Sitz der Konzernzentrale entschieden. Herzogenaurach verkörpert ein klares Bekenntnis zu unseren Wurzeln und zum Ursprung unserer Marke. Auf ca. 39 ha entsteht seit 1999 auf dem nördlichen Areal der ehemals durch die US-Armee genutzten Herzo-Base (ca. 114 ha) die „World of Sports“. Die World of Sports, das neue globale Headquarter der adidas Gruppe, ist als campusähnliche Anlage gestaltet und bietet den fast 4.000 Mitarbeiter aus fast 80 Nationen nicht nur ein modernes Arbeitsumfeld, sondern auch jede Menge Sportmöglichkeiten.

Exos class with Clayton ReevesFoto: Sport im adidas Fitnessstudio für Mitarbeiter

Bereits in den vergangenen Jahren hat die adidas Gruppe intensiv in den Standort investiert. Das 2011 fertiggestellte Mitarbeitergebäude „Laces“, dessen Struktur der Schnürung eines Sportschuhsnachempfunden ist, wurde 2013 unter die weltweit 15 spektakulärsten Firmensitze gewählt. Die betriebseigene Kindertagesstätte „World of Kids“ wurde im September 2013 eingeweiht, gefolgt von der Eröffnung des Firmenparkhauses „Nordost“ Anfang dieses Jahres. Im April 2014 eröffnete ein Fitnessstudio für Mitarbeiter, das verschiedene Trainingsangebote und Räume für Sportkurse bietet. Der Campus bietet fast unbegrenzte Wachstumsmöglichkeiten. Mit seinen Erweiterungen im Süden und Nordwesten wird die World of Sports zukünftig insgesamt 59 ha umfassen. Diese Investitionen sind ein klares Bekenntnis zum Standort und unterstreichen das Bestreben der adidas Gruppe, ihren Mitarbeitern ein attraktives und zukunftsweisendes Arbeitsumfeld zu bieten.

saatkorn.: Nun ist Architektur auf einem Campus ja durchaus „lebendig“. Veränderung und Erweiterung ist ja Teil des Konzepts. Was wird mittelfristig auf dem adidas Group Campus noch passieren?
Für den Campus wurde bereits 1999 ein Masterplan für die zukünftige Entwicklung erstellt welcher bis heute Bestand hat. Aufbauend auf dieser langfristig angelegten Struktur sind wir in der Lage auf die kurzfristigen Veränderungen zu reagieren und dennoch ein durchgängiges Gesamtbild sicherzustellen.

Durch das kontinuierliche Wachstum des Unternehmens wird in den nächsten Jahren das heutige Flächenangebot nicht mehr ausreichen. Um einen Teil des zukünftigen Bedarfs an adäquaten Arbeitsplätzen zu decken, sollen innerhalb der World of Sports zwei neue Bürogebäude mit über 80.000 m² BGF entstehen. In den nächsten Jahren ist zudem geplant, ein Mitarbeiterrestaurant mit ca. 11.000 m² BGF zu errichten. Schließlich soll auch der Campus selber umgestaltet werden und als verbindendes Element zwischen den Gebäuden weiter optimiert werden.

Die World of Sports soll ein neues Maß an Qualität in zahlreichen Aspekten erreichen. Sie soll zu einem konkurrenzlosen, innovativen und inspirierenden Ort mit zahlreichen individuellen Arbeitsmöglichkeiten werden. In Zukunft möchte die adidas Group ihren Mitarbeitern Flächen anbieten, die ihnen ein Maximum an Flexibilität, Kreativität und Zusammenarbeit ermöglichen – nicht weniger als den besten Arbeitsplatz der Welt.

saatkorn.: Die Philosophie hinter der Architektur, nämlich „Work Life Integration“ ist sehr modern – aber nicht ganz unkritisch. Es gibt ja durchaus Leute, die gern eine Trennung von Arbeits- und Berufsleben haben und leben. Wie geht die adidas Group damit um?
Die adidas Gruppe hat es sich zum Ziel gesetzt eine Arbeitsumgebung für alle Mitarbeiter zu schaffen, die die Vereinbarkeit von Beruf – und Privatleben in den unterschiedlichen Lebenszyklen unterstützt. Zu den Rahmenbedingungen gehören die Flexibilität von Arbeitszeit und Arbeitsort. Unsere Work-Life-Integration Strategie ist, für die verschiedenen Zielgruppen verschiedene Konzepte und Lösungen anzubieten, so dass sich jeder das für ihn richtige auswählen kann. Themen wie z.B. Homeoffice sehen wir als Teil eines ganzheitlichen Workplace Konzeptes und bieten diese Möglichkeiten unseren Mitarbeitern aktiv an. Gleichzeitig möchten wir ein Umfeld schaffen, das die Mitarbeiter motiviert und begeistert nach Herzogenaurach zu kommen.

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saatkorn.: Es fällt auch auf, dass die adidas Group mit einem Mitarbeiterdurchschnittsalter von 30 Jahren extrem jung ist. Bei aller sonst direkt auf dem Campus spür- und erlebbaren Diversität: sind auch ältere, berufserfahrene Menschen bei adidas gesucht und willkommen?
(lacht) Wie Sie richtig beobachtet haben, ist Diversität in unserem Unternehmen direkt sichtbar. Vor allem die Internationalität. Der junge Altersdurchschnitt kommt tatsächlich daher, dass mehr als 50% unserer 53.000 Mitarbeiter im Einzelhandel arbeiten. In Deutschland und hier in Herzogenaurach liegt er bei 37 Jahren. Das ist zwar immer noch sehr jung im Vergleich zu anderen DAX Unternehmen aber für ein Sportartikelunternehmen auch nicht ungewöhnlich. Die adidas Gruppe ist ein dynamisches, stark wachsendes Unternehmen. Allein in Deutschland haben wir in den letzten 10 Jahren fast 3.000 neue Mitarbeiter eingestellt. Wir geben gerne jungen Nachwuchskräften eine Chance und investieren in unsere eigenen Talente mit speziell auf die adidas Gruppe zugeschnittenen Entwicklungsprogrammen. Die Zusammenarbeit mehrerer Generationen gewinnt an Bedeutung. So denken wir aktuell darüber nach, wie wir das Wissen unserer älterer Mitarbeiter an die jüngeren übertragen können oder wie wir die Stärken jeder Generation in der Zusammenarbeit besser nutzen können.

saatkorn.: Zu guter Letzt: Sie selbst arbeiten ja nun schon viele Jahre auf dem Campus in Herzogenaurach. Gibt es etwas, was Sie persönlich ändern würden, wenn Sie es könnten?
Aufgrund der Größe des Campus haben wir zum Teil lange Wege. Da wären Scooter oder irgendein anderes Fortbewegungsmittel manchmal nicht schlecht. Aber mit der Planung der neuen Gebäude wird es auch ein eigenes Mobilitätskonzept geben.

saatkorn.: Das lässt ja einiges erwarten. Dann freue ich mich auf den nächsten Besuch bei Ihnen – auf Scootern. 😉 – Herr Dzieia, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Spaß und Erfolg bei adidas!

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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