Die Arbeitgeberbewertungsplattform kununu wird 7 Jahre alt: exklusives Interview mit Gründer und CEO Martin Poreda

Die Arbeitgeberbewertungsplattform kununu wird 7 Jahre alt: exklusives Interview mit Gründer und CEO Martin Poreda

Der Marktführer unter den deutschsprachigen Arbeitgeberbewertungsplattformen – kununu – wird 7 Jahre alt. Grund genug, einmal dem Gründer und CEO Martin Poreda auf den Zahn zu fühlen. Auf geht’s:

saatkorn.: Zunächst mal herzlichen Glückwunsch zu 7 kununu Jahren! – Hand aufs Herz: was hätten Sie vor 7 Jahren gesagt, wenn man Sie gefragt hätte, was in 7 Jahren aus dem Thema Arbeitgeberbewertung wird?
Vielen Dank für die Glückwünsche. Im „verflixten“ 7. Jahr fühlt sich kununu immer noch gut und frisch an 😉
Ehrliche Antwort: Scheitern war für mich keine Option und ich verschwendete auch keinen Gedanken daran. Ich wollte nicht mehr zurück zu meinen alten Jobs und daher investierte ich Herz, Schweiß und Tränen. Nicht nur, weil mir das Thema Arbeitgeber-Bewertung am Herzen liegt sondern auch ganz banal aus Eigennutz. Jetzt nach 7 Jahren, freue ich mich, dass das Thema Arbeitgeber-Bewertung und kununu als Marktführer „gesetzt“ sind, das Fortbestehen von Bewertungen nicht mehr hinterfragt oder als temporäres Phänomen abgetan wird und ich auch nicht mehr fürchten muss, in meinen alten Job zurückkehren zu müssen.

saatkorn.: Haben Sie Ihre persönlichen Ziele für kununu bislang erreicht? Ich persönlich habe vor einigen Jahren ja an deutlich mehr „Bewertungspower“ geglaubt. Das Thema hat sich zwar sehr gut entwickelt, ich hätte allerdings gedacht, dass es viel beherrschender sein würde – und nicht „nur“ ein Bestandteil im Personalmarketingmix. Auch die Bekanntheit in der Zielgruppe der Studenten hätte ich mir höher vorgestellt… – Was denken Sie dazu?
Da mein Bruder und ich kununu ziemlich ziellos gestartet haben, können wir sehr zufrieden mit der Entwicklung des Unternehmens sein. Unsere „Erwartungen“ wurden vielmehr übertroffen. Wir haben seit dem ersten Tag an die Rolle von Bewertungen im Job-Findungsprozess nie überbewertet, ich bin überzeugt, dass etwaige Artikel im saatkorn-Archiv das bestätigen. Bewertungen sind lediglich ein Teil des Puzzle-Bildes, das man sich über seinen zukünftigen Job, Arbeitgeber und Kollegen machen möchte – wenn auch ein sehr gewichtiges, weil diese das berühmte „Bauchgefühl“ entscheidend beeinflussen. Und wie wir alle wissen, soll man immer auf sein „Bauchgefühl“ hören

saatkorn.: Anfang 2014 gab es ja einige Irritationen rund um das Focus Arbeitgeberranking in Zusammenarbeit mit kununu und XING. Wie denken Sie inzwischen darüber? Wären diese Irritationen vermeidbar gewesen, inwiefern zahlt die kununu Bewertung in das Ranking mit ein?
Die Irritationen waren von kurzer Dauer und konnten zum größten Teil entkräftet bzw. beruhigt werden. Diese entstanden durch das erstmalige Zusammenspiel eines Konzerns, eines großen Internetunternehmens und einem vergleichsweise „kleinen“ Start-up. Verbesserungspotential gab es vor allem an der Kommunikation, einer einfach zu behebenden Schwäche. Die beteiligten Parteien nehmen die Irritationen sehr ernst und werden die Learnings in den Wettbewerb 2015 einfließen lassen.

saatkorn.: Ich glaube ja, dass zukünftig die Bedeutung der Unternehmenskultur und von möglichst kongruenten Wertesystemen zwischen Zielgruppe und Arbeitgeber zunehmen wird. Unsere aktuelle Studie „Karriere trifft Sinn“ spricht da eine deutliche Sprache. Inwiefern macht aus Ihrer Sicht ein Abgleich von Wertesystemen Sinn – das könnte man sich ja auch als Bestandteil von kununu vorstellen…
Ein Abgleich des Wertesystems findet in den kununu „Azubi-Profilen“ schon im Ansatz statt, zumindest definieren die Unternehmen dort ihre Werte. Eine Erweiterung des Matching-Algorithmus um die Persönlichkeit des Job-Suchenden mit den Wertesystemen von Unternehmen abzugleichen, finde ich eine sehr gute Idee. Das wäre ohne große Probleme auf kununu umsetzbar und würde einen guten Fit zu kununu darstellen. Für den Erfolg eines solchen Features, müssten die Unternehmen jedoch diszipliniert die Funktion mittragen, sonst werden die Suchergebnisse für kununu-Besucher eher frustrierend.

saatkorn.: Was werden Ihrer Meinung nach in den nächsten 3-5 Jahren die wichtigsten Trends und Entwicklungen im Kontext Arbeitgeberattraktivität und Social Media sein? – In den letzten 18 Monaten hatte ich den Eindruck, dass es vielfach gar nicht mehr um innovative Ideen sondern vielmehr um die Entwicklung einer Arbeitgebermarke und dann die Umsetzung von Personalmarketingmaßnahmen in Unternehmen geht.
In vielen Unternehmen ist das Bewusstsein um die eigene Arbeitgebermarke noch unzureichend ausgeprägt. Bei großen Unternehmen mit professionellem HR-Management findet tendenziell eine Auseinandersetzung bereits statt, bei 99,9% der Unternehmen jedoch noch nicht. Ich glaube, das Thema Social Media ist „gegessen“. Irgendwann wird jedes Unternehmen ein Social Media-Tool im Einsatz haben und dieses wird Bestandteil des Außenauftritts sein bzw. dem Kommunikationsmix angehören, ähnlich einem Internetauftritt. Hier ist noch ein langer Weg zu gehen und die Mühlen im HR malen meiner Meinung nach langsam. Es braucht nicht unbedingt neue Innovationen, vielmehr sollten die etablierten Instrumente wie XING, kununu & Co professionell und mit Liebe eingesetzt werden.

saatkorn.: Was sind die nächsten Ideen aus dem Hause kununu?
Wir lieben unsere User und haben kununu für unsere User entwickelt. Deshalb werden wir noch weitere Tools und Informationsquellen bauen und einbinden, die unseren Usern bei der zweitwichtigsten Entscheidung ihres Lebens helfen: bei der Jobwahl. Wir haben noch einige Pfeile im Köcher und schnitzen schon weitere.

Zusätzlich haben wir für unsere Unternehmenskunden kürzlich die Branchenpatenschaft gelauncht, die es ermöglicht einer ganzen Branche mit dem eigenen Unternehmensstempel zu versehen und so noch mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Und aktuell stehen wir mit unserem Startseitenbranding als neues Super-Premium-Produkt in den Startlöchern: Damit erlauben wir Unternehmen, die Startseite von kununu mit ihrer Bilderwelt zu branden und ihr Selbstbild prominent mit dem Fremdbild unserer User gegenüberzustellen. So entsteht ein einzigartiger, individueller Arbeitgeber-Auftritt. Für die weiteren 7 Jahre haben wir also noch viel vor 😉

saatkorn.: Vielen Dank für das Interview – und viel Spaß und Erfolg für die nächsten 7 Jahre!

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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