saatkorn. Bloggogramm # 3: Thema Berufsorientierung

 

saatkorn. Bloggogramm # 3: Thema Berufsorientierung

 

Und schon sind wir beim dritten Teil des saatkorn.-Bloggogramms. Ich wollte eine Antwort auf folgende Frage: „Das Thema Berufsorientierung wird aus meiner Sicht immer relevanter, sowohl für Arbeitsuchende als auch für Unternehmen. Was ist Deine persönliche Sicht aufs Thema?“ – Und ab dafür:

Lutz Altmann:
Bei Berufsorientierung denke ich immer noch mit Schrecken an die 1980er Jahre und meinen damaligen Berufstest sowie die Gespräche mit einem Vertreter des Arbeitsamtes (so hieß es ja früher) zu meinen Berufsmöglichkeiten im sozialen und gesundheitlichen Bereich zurück. Mehr als die Hälfte der Jungs aus meiner Klasse sollten damals Krankenpfleger werden. Zum Glück für unser Gesundheitswesen ist aus dem kühnen Plan des Arbeitsamtes nichts geworden. Dies ist lange her und es hat sich einiges getan, sollte man zumindest glauben. Doch den richtigen Durchbruch bei der Berufsorientierung ist uns bei weitem noch nicht gelungen. Zu viele Schüler oder Absolventen wissen noch viel zu wenig von der Arbeitswelt und seinen spannenden Herausforderungen um sich beruflich orientieren zu können. Daher begrüße ich jegliche Initiativen und Ansätze zur Optimierung der Berufsorientierung. Es wird wirklich Zeit. Aktuell unterstütze ich bspw. das Team von Talents Connect bei der Optimierung und Vermarktung ihrer Empfehlungsplattform für das verbesserte Matching von Kandidaten und Jobs. Mit einer gezielten Ausbildungskampagne wird speziell das Thema Berufsorientierung auch mit einigen Unternehmen gezielt angegangen.

Wolfgang Brickwedde:
Für beide Seiten, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, ist eine bessere Passung bei der Berufswahl und -Ausübung sehr sinnvoll. Das was man gut kann und gerne macht, macht man besser!

Jörg Buckmann:
Enorm wichtig, und nicht nur für die ganz Jungen. Die stringente Karriere vom Schulabschluss bis zur Rente ist immer mehr ein Auslaufmodell. Gerade die berufliche Neuorientierung von Menschen mitten in ihrem Berufsleben finde ich spannend. Darum gefällt mir auch der WHATCHADO-Ansatz so gut. Ausserdem bin ich als Vater zweier erwachsener Töchter aktuell mit dem Thema konfrontiert. Die Jüngere wird im Sommer ihre Ausbildung beenden – und überlegt sich schon eine erste berufliche Neuorientierung. Die Schweiz sehe ich übrigens in diesem Thema ziemlich gut aufgestellt.

 Jo Diercks:
Das ist für mich DAS Thema des Jahres oder DER nächsten Jahre schlechthin. Hier liegt so viel Brach und wenn wir nicht aufpassen entsteht aufgrund der Vielfalt an unstrukturierter Information jeden Tag mehr Verwirrung.

Wenn wir die hier schlummernden Potentiale – sowohl aus der volkswirtschaftlichen Makrosicht als auch für jedes bedauernswerte Individuum, das versucht sich einen Weg durch den Dschungel zu bahnen – erschließen wollen, dann brauchen wir hier systematisch bessere Angebote! Aber, ich bin frohen Mutes. Da sind gute Sachen im Aufbau.

Dominik A. Hahn:
Oftmals heißt es, dass besonders Schulabgänger oder Berufseinsteiger nach Orientierung vor dem Berufseinstieg suchen. Das ist sicher richtig. Ich bin mir jedoch sicher, dass dies heutzutage, und in Zukunft noch mehr, auch für Bewerber mit Berufserfahrung gilt. Es ist ja nicht so, dass es in einem Unternehmen wie der Allianz Gruppe zehn Arbeitsgebiete mit 25 fix definierten Berufsbezeichnungen gäbe. Allein in unserem Online-Bewerbungstool geben mir 31 verschiedene Arbeitsbereiche an. In jedem dieser Felder dürften sicherlich mehr als zehn Job-Titel existieren. Das macht die ganze Sache erklärungsbedürftig. Wir sind hier sozusagen als Gate Keeper gefragt und müssen jedem Bewerber Orientierungshilfen – falls gewünscht – an die Hand geben. Ob das als klassisches Job-Matcher-Spiel oder Videos oder via Text geschieht, ist dann eine Sache der Herangehensweise, und natürlich eine Frage der Ressourcen.

Jan Kirchner:
Im Rahmen meiner ehrenamtlichen Arbeit bei den Wirtschaftsjunioren hier in Hamburg, halte ich seit drei Jahren Vorträge zum Thema Berufsorientierung und Ausbildungssuche im Web. Meine Hauptzielgruppe sind Schülern zwischen 14 und 18 Jahren. Dabei stelle ich jedes Jahr wieder fest, dass sich im Bereich der Berufsorientierung seit meiner eigenen Schulzeit nur sehr wenig getan hat. Die Schüler werden im Wesentlichen noch immer nur ins BIZ geschleppt bzw. das Online-Equivalent Planet Beruf. Nicht das gegen diese beiden etwas einzuwenden wäre. ABER: die Möglichkeiten, die das Internet bei der Berufsorientierung bietet, z.B. in Form der großartigen Berufsorientierungs-Videos der Ausbildungsplattform Azubot (www.azubot.de) oder der verschiedenen Ausbildungsseiten, sind den Lehrern und Schülern weitestgehend unbekannt. Das ist insofern tragisch, als die Infos im BIZ für die Schüler nur schwer verdaulich sind. In der Folge können die meisten maximal 10 Ausbildungsberufe benennen, was im Hinblick auf die knapp 350 IHK-Berufe ein trauriger Witz ist. Hier wünsche ich mir mehr Engagement seitens der Schulen und Unternehmen und eine bessere Ausbildung der Lehrer, die meiner Erfahrung nach sehr aufgeschlossen für das Thema sind. Meine Vortragsfolien stelle ich allen Interessierten übrigens gerne zur Verfügung.

Henner Knabenreich:
Gero, da bin ich voll bei dir! Und das belegt ja auch eine neue McKinsey-Studie. Das Thema sollte also unbedingt auf der Agenda für 2014 stehen. Für alle Beteiligten: Bildungspartner, Unternehmen und Bewerber. Da ist noch ganz viel Luft nach oben. Vieles ist leider einer absolut fragwürdigen Bildungspolitik geschuldet, aber auch die Unternehmen müssen sich an die eigene Nase fassen. Denn auch sie können dazu beitragen, den Nachwuchs besser zu informieren und ihn bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen. Schaut man sich bspw. auf den Karriere-Websites deutscher Unternehmen um, so schaffen es die wenigsten, die Informationen wirklich so aufzubereiten, dass ein potenzieller Bewerber hier die für eine Entscheidungsfindung notwendigen Informationen findet. Auch liegen meines Erachtens noch viele Potenziale brach, wenn es um den direkten Austausch zwischen Unternehmen und Schulen geht. Insofern unterstütze ich Jos Idee voll und ganz und bin auch gespannt auf den neuesten Wurf aus der embrace-Schmiede!

Marcus K. Reif:
Eine stets sehr wichtige. Die Medien sind voll von Jammereien rund um Fachkräftemangel. Ein Teil davon ist allerdings hausgemacht. Ich wünsche mir, dass die Interessensverbände mit der Politik zu einem nachfrage- und bedarfsorientierten Bildungsangebot kommen. Der Mangel ist in vielen Bereichen heute schon massiv, manche Berufsbilder leiden, obwohl im Grunde der Talentpool recht ordentlich ist. Wir sollten die Berufsorientierung vom Bedarf her denken. Habe meinen Beitrag zur Blog-Parade „Berufsorientierung“ geleistet: schaffen Sie Ihren Karrieremehrwert! Studium sehr zu empfehlen, Bildung entscheidet über Einkommen! Und die Gefahr des Asset-Meltdowns.

Robindro Ullah:
Das Thema hat mir der Artikel von Jo Diercks erst so richtig wieder ins Gedächtnis gerufen. Die Zahlen sind beeindruckend, die er dort recherchiert hat. Selten wurde Intransparenz so gut in Zahlen ausgedrückt. Wir haben, denke ich, hier die Herausforderung, der ich auch als Unternehmen gegenüberstehe. Was es alles an Möglichkeiten bei Voith gibt, ist Bewerbern ebenso unklar, wie dem Nachwuchs offensichtlich der Dschungel an Berufs- und Studienmöglichkeiten. Und darüber hinaus haben wir zusätzlich noch eine Matching-/ Berufsimage-Herausforderung. Denn nur weil man ggf. eine gewisse Transparenz geschaffen hat, hat man nicht automatisch auch eine geringere Abbrecherquote. Ich denke, Jo Diercks hat mit dem Thema einen wunden Punkt an die Oberfläche befördert – und das zurecht.

saatkorn.:
Zu diesem Thema wird man bei saatkorn. in den nächsten Wochen noch Einiges lesen können. Und aus persönlicher Perspektive habe ich ja kürzlich erst dazu geschrieben. Gerade in letzter Zeit gab es mit dem Karrierematcher der Deutschen Telekom und meinen persönlichen Gedanken zum Thema ja 2 saatkorn.-Stories dazu. Am Spannendsten für mich wird der Launch unserer eigenen Lösung zu diesem Thema in Q2, zusammen mit Partnern wie Cyquest und IntraWorlds.

 

 

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Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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