Die besten Ausbilder Deutschlands – Teil 3

Die besten Ausbilder Deutschlands – die große Ausbildungs-Studie von CAPITAL und Ausbildung.de geht in die dritte Runde. Ich hatte Gelegenheit, dazu mit CAPITAL Chefredakteur Horst von Buttlar und Ausbildung.de Chef Felix von Zittwitz zu sprechen. Auf geht’s:

saatkorn.: Ein Ergebnis von Deutschlands beste Ausbilder ist: 70% der Ausbilder nehmen eine abnehmende Qualität der Bewerber wahr, 52% bemängeln die sinkende Bewerberanzahl. Das klingt ja nicht gerade rosig. Felix, als Chef von Ausbildung.de musst du es wissen – steht es wirklich so schlecht um die Ausbildung in Deutschland?

Felix von Zittwitz, Executive Director Talent Platforms bei TERRITORY EMBRACE

Felix von Zittwitz: Die Trends nehmen wir schon länger so wahr. In Teilen merken wir natürlich, dass der demografische Wandel mehr und mehr zu spüren ist – die Zahl potenzieller Bewerber sinkt schlicht und ergreifend. Das ist auch der ein Grund für uns gewesen, in der diesjährigen Studie einen Schwerpunkt auf das Azubimarketing zu setzen. Denn wenn eine kleiner werdende Zielgruppe und die zunehmende Digitalisierung zusammen kommen, dann hat ein Personalmarketing-Mix aus den fetten Jahren des letzten Jahrhunderts schlicht und einfach ausgedient.

saatkorn.: Was ist denn bei den Fragen zum Thema Ausbildungsmarketing rausgekommen? Nutzen die Unternehmen mehr als die Standards Karriereseite und Messestände?
Felix von Zittwitz: Zum Glück ja. Viele Unternehmen übernehmen schon im Kontext Berufsorientierung Verantwortung und bieten Schülerpraktika, Tage der offenen Tür oder ähnliches an – mit dem positiven Nebenaspekt, dass sie dadurch sehr gut und authentisch an die Zielgruppe herankommen. Auch Social Media, Präsenz auf Ausbildungsplattformen wie Ausbildung.de oder Events wie Speed-Dating nehmen an Bedeutung zu. Zusammengefasst kann man sagen: Der persönliche Kontakt ist das Wichtigste Instrument, um einzelne Kandidaten zu überzeugen, aber ohne digitale Kanäle wird man nur schwer die Reichweite erzielen die es braucht, um den sinkenden Bewerberzahlen zu begegnen.

saatkorn.: Horst, für den Capital-Bericht sind eure Reporter wieder ausgeschwärmt und haben ausgezeichnete Unternehmen aus ganz Deutschland besucht und porträtiert. Ist die Sorge um unbesetzte Stellen dort auch so präsent, wie die Zahlen es vermuten lassen?
Horst von Buttlar: Der Bewerbermangel ist tatsächlich überall das dominante Thema. Die meisten Personalverantwortlichen klagen darüber, dass es immer anstrengender wird, passende Auszubildende zu finden. Bei allen ist die Sorge groß, dass sich dieser Trend noch verschärfen wird. Davon berichten sogar Ausbilder bei großen internationalen Konzernen wie Beiersdorf, die mit ihren bekannten Marken zu den begehrten Arbeitgebern gehören und nach wie vor auch noch alle Stellen besetzen könnenDoch trotz dieser komfortablen Ausgangslage und eines nachweislich erstklassigen Ausbildungsangebots muss sich selbst der Hamburger Konsumgüterkonzern immer wieder neue Rekruitingmaßnahmen einfallen lassen. Beiersdorf versucht etwa seit einiger Zeit, gezielt Studienabbrecher anzusprechen. Offenbar haben die damit gute Erfahrungen gemacht: Ein Viertel der Ausbildungsstellen hat Beiersdorf in diesem Jahr so besetzen können. 

Hier klicken und Du kommst auf die Gesamtliste von Deutschlands beste Ausbilder 2019
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Capital Chefredakteur Horst von Buttlar
Capital Chefredakteur Horst von Buttlar

saatkorn.: Manchmal wird die betriebliche Ausbildung als unmodern wahrgenommen. Süßwarentechnologe, Verkäufer oder Industriemechaniker klingen nicht so hip wie Bachelor in Food Management, Sales Management oder Systems Engineering. Wie habt ihr das erlebt? Ist das Thema in den Betrieben angestaubt?
Horst von Buttlar: Noch schlimmer ist das Amtsdeutsch: Beim Verfassungsschutz heißt die Ausbildung Vorbereitungsdienst für den mittleren Dienst. Mit Sicherheit wissen viele junge Leute nicht, dass da die Agenten des Geheimdienstes rekrutiert werden. Selbst diese zur Verschwiegenheit verpflichtete Behörde öffnet sich deshalb langsam und arbeitet an ihrem Image. Deshalb durften wir auch erstmals in die Zentrale in Köln-Chorweiler, um mit einer Auszubildenden, ihren Vorgesetzten und Ausbildern ausführlich über das Ausbildungskonzept zu sprechen. Bei solchen Gesprächen erfahren wir auch, dass unsere Auszeichnung „Deutschlands beste Ausbilder“ für große Organisationen und Konzerne, genauso wichtig ist wie für Mittelständler in der Provinz oder kleinere Handwerksbetriebe. Denn damit können sie eine exzellente Ausbildung auch nach außen sichtbar machen. Das hilft den Unternehmen, überhaupt erst mal die Aufmerksamkeit der jungen Zielgruppe zu bekommen. Und im nächsten Schritt können sie dann auch die spannenden Inhalte, Vorzüge und Perspektiven der Ausbildungsberufe kommunizieren. Die angehende Verfassungsschützerin, die Süßwarentechnologin und die Industriekauffrau, die wir getroffen haben, berichten mit großer Leidenschaft und Überzeugung von ihren Jobs und stören sich überhaupt nicht an spröden Berufsbezeichnungen. 

saatkorn.: Zum Schluss noch ein Blick in die Kristallkugel: Was glaubt ihr, wird es in 50 Jahren noch die betriebliche Ausbildung geben? Und wenn ja, sieht sie so aus wie heute?
Horst von Buttlar: Der Stellenwert der betrieblichen Ausbildung wird sogar immens an Bedeutung gewinnen. Natürlich werden sich die Tätigkeiten und Berufe durch weitere technische Entwicklung schneller und fundamentaler verändern. Aber um so wichtiger wird es sein, das bisherige Wissen der erfahrenen Belegschaft an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben und mit ihnen gemeinsam die Produkte, Dienstleistungen und anderen Aufgaben der Unternehmen und Organisationen weiterzuentwickeln. Die praktische Ausbildung und der direkte Austausch von Mensch zu Mensch ist dabei mindestens so wichtig wie die theoretische. Die wird künftig ohnehin jederzeit für jedermann digital verfügbar sein.
Felix von Zittwitz: Ich hoffe doch nicht! Ohne jetzt zu viel Kaffeesatzleserei zu betreiben ist es ziemlich wahrscheinlich, dass sich die Art der Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule massiv verändern werden. 50 Jahre sind ja nicht erst in Zeiten der Digitalisierung eine unfassbar lange Zeit… Aber falls es dann noch Bedarf für Jobs geben wird, in denen Menschen mit hoher Expertise an konkreten Problemen arbeiten, dann sehe ich nur wenige Gründe, warum ein Erfolgsmodell wie die duale Ausbildung verschwinden sollte.

saatkorn.: Herzlichen Dank Euch Beiden für das Interview! – Mehr Infos zu Deutschlands beste Ausbilder HIER.

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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