Webentwicklung in der Zukunft – worauf kommt es an?

Die Zeiten haben sich verändert – und damit auch das Thema Webentwicklung. Wir schauen keine Nachrichten mehr, sondern verfolgen aktuelle Ereignisse in Posts mit 140 Zeichen. Lange Artikel werden zu den Fotos und Videos übersprungen, es wird immer mehr Content in immer kürzerer Zeit konsumiert. Apps wie Blinkist, bei denen ganze Bücher auf einzelne Kernaussagen reduziert werden, boomen wie nie zuvor.

Die User wollen schnell auf Inhalte zugreifen können, diese schnell konsumieren können. Es kommt daher bei der Entwicklung von neuer Software, Apps und Portalen – eben der Webentwicklung allgemein – immer weniger darauf an, sich am Wettbewerb zu orientieren, sondern die große Frage ist: Was erwartet der Nutzer und wie lässt sich das als USP verwenden? Lutz Leichsenring berichtete im saatkorn. Interview aus April 2012 bereits davon, wie sich sein Unternehmen als „Pionier des erlebnisorientierten Recruitings“ bezeichnet. Diese Denkweise spiegelt die Betrachtung der Kundenwünsche bereits beim Recruiting genau wieder und wirft ihren Schatten branchenübergreifend auf die Anforderungen an die Softwareentwicklung der Zukunft.

Faktor Zeit
Heute arbeitet nahezu jede Entwicklungsfirma mit ständig neuen Updates und Umsetzungen, um als erstes ein neues Feature einzubauen, bevor es der Wettbewerb tut. Das Alleinstellungmerkmal in der Webentwicklung basiert hier darauf, der Erste zu sein, der ein neues Feature, eine neue Schnittstelle, eine neue Innovation implementiert. Es geht also um Zeit. Dabei wird jedoch häufig zu wenig Wert darauf gelegt, was der Nutzer erwartet. Der Kunde will Zeit sparen und schneller einen Überblick erhalten können, um das, was er sucht noch schneller konsumieren können. Nicht die Quantität der Funktionen ist entscheidend, sondern die Qualität der Nutzererfahrung. 

Die Erwartung des Kunden an die Seite ist von Branche zu Branche und Thema zu Thema verschieden. Daher ist es von wesentlicher Bedeutung, sich mit den wichtigsten Kriterien der jeweiligen Branche zu befassen, damit der enorme Innovationsdruck von Softwareentwicklern so umgelagert werden kann, dass sich eine Win-Win-Situation für Nutzer und Entwickler ergibt. Es zählt eben auch in der Webentwicklung nicht nur die Zeit, sondern die Fokussierung auf das jeweilige Thema und den jeweiligen User.

Webentwicklung im Einzelhandel
Wer sich reine Online-Shoppingportale wie Zalando.de oder die Modeplattform ASOS anschaut, muss kein Experte sein, um die hohe Komplexität und Tiefe einer solchen Handelsseite zu erkennen. Softwareentwicklung im Bereich Online-Stores basiert noch immer viel zu häufig auf der Umsetzung von neuen Features oder der Implementation von besseren Betrachtungsmöglichkeiten von detaillierten Produktfotos und viel zu selten auf der Optimierung der Nutzererfahrung. Ein gutes Beispiel für die Quintessenz dessen, worum es geht, ist ein Blick auf die mitunter katastrophal angeordneten Produktkategorien.

Zalando Seite
Zalando Seite

Gute mobile Seitenumsetzungen durch gutes responsive Design zeigen, das es möglich ist, sich auf den Kern zu konzentrieren, die Navigation und damit das Erlebnis des Endkunden deutlich zu verbessern. Mobile Entwickler sind hier den Desktop-Webentwicklern zum Großteil zwei Schritte voraus, weshalb es hier vermehrt darauf ankommen wird, mobile Webentwicklungstechniken auf Desktop-Versionen zu transferieren, denn beide Bereiche werden zukünftig noch weiter verschmelzen und ebenso wie die Bedeutung mobiler Webseiten, werden auch das Design und die Bedienbarkeit der Desktop-Webseiten eine immer größere Bedeutung erlangen.

Webentwicklung für Webseiten mit zahlender Kundschaft
Erst kürzlich hat das Auftreten des WannaCry Virus weltweit für Aufsehen gesorgt und uns wieder vor Augen geführt, wie anfällig vor allem veraltete digitale Systeme gegen Übernahmen von außen sind. 98% der erfolgreichen WannaCry-Übernahmen fanden auf Windows 7 Rechnern statt. Ein extrem hoher Sicherheitsstandard ist daher insbesondere für alle Portale von großer Bedeutung, bei denen Kunden Zahlungen vornehmen. Noch wichtiger ist das Thema Sicherheit für Webseiten wie Betway, bei denen virtuelle Gelder auf Konten verbucht sind, die sich abheben oder weiterverwenden lassen. So setzt Betway auf stets aktuelle Verschlüsslungstechnologien, arbeitet natürlich mit https-Authentifizierung und verschlüsselt zudem die Userdaten auf den Servern. Dies ist vorbildlich, aber längst nicht alle Betreiber arbeiten so. Neuerdings straft google daher Webseiten ab, die Daten abfragen aber nicht verschlüsseln. Aber nicht nur dort, wo Transaktionen stattfinden, wird der Sicherheitsfaktor zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Webentwicklung bei Informationsplattformen
Die weltweit größte Nachrichtenagentur Reuters demonstriert auf ihrer Videoseite auf eindrucksvolle Weise, wohin die Reise bei Informations- und Newsportalen gehen wird. Videonachrichten werden auf eine Weise präsentiert, die der Kunde von traditionellen Nachrichten-Anbietern nicht gewohnt ist.

Reuters Video News Seite
Reuters Video News Seite

Denn während der Endkunde auf Portalen von CNN, N-TV oder dem Handelsblatt auf eine Vielzahl von Artikeln stößt, die sich durchstöbern lassen, geht Reuters einen völlig anderen Weg. Selbst auf der Desktop-Seite ist der Endnutzer unmittelbar und sofort im Geschehen durch perfekt umgesetzte Streaming- und Videoeinbindung auf der Seite. Die Bedeutung von fortschrittlichen Video- und visuellen Einbettungen wird branchenübergreifend deutlich zunehmen.

Webentwicklung bei Karriere-Websites
All die oben genannten Entwicklungen finden sich definitiv auch für das Thema Karriere-Website wieder. Ein user-centric approach, das Kennen der eigenen Zielgruppen, ist dafür unerlässlich. Ich frage mich schon, warum im Jahr 2017 immer noch eine klassische Navigation und die Aufteilung in klare Zielgruppen wie Schüler, Studenten, Absolventen, Professionals der übliche Weg ist. Denn rein technologisch könnten wir schon ganz woanders stehen. Warum nicht die Person, welche auf die Website kommt, direkt fragen, was von Interesse ist und über einen Content Hub sämtliche Inhalte der Karriere-Seite individualisiert und passgenau ausspielen? – Man könnte ja sogar noch viel weiter gehen. Nehmen wir an, ein Student ist Mitglied des Karrierenetzwerkes careerloft. In dem Fall kennen wir viele Informationen (Studienfach, Studienort, Zeitpunkt des Studienabschlusses, Hobbies etc). Es wäre also rein technisch möglich, einem Besucher der Karriere-Website unter diesen Umständen direkt die Informationen anzuzeigen, die basierend auf den genannten Informationskriterien vorhanden sind. Quasi eine automatisierte und individualisierte Karriere-Website. Zu klären wären hier Fragen des Datenschutzes. Die Ausspiel-Logik auf careerloft übrigens berücksichtigt bei eingeloggten Mitgliedern bereits die Content-Ausspielung basierend auf individuellen Kriterien.

Individualisierte Ausspiel-Logik bei careerloft
Individualisierte Ausspiel-Logik bei careerloft

Zukunftsorientierte Webentwicklung geht nur mit den richtigen Entwicklern
Um als Unternehmen zukunftsfähig zu bleiben, wird die Optimierung der Entwickler-Rekrutierung eine entscheidende Rolle spielen. Wie die Leiterin des Bereichs Rekrutierungslösungen bei Linkedln, Barbera Wittmann, auf saatkorn. bereits feststellte, hat sich die Liste der beliebtesten Arbeitgeber in den USA bereits insofern verschoben, als dass die Topp-Unternehmen aus dem Silicon Valley ganz weit vorne in der Liste zu finden sind. Eines haben all diese Unternehmen gemeinsam: Rekrutierung mit Fokussierung auf die Endnutzer-Erfahrung wird großgeschrieben.

Branchenübergreifend spielt die mobile Optimierung eine herausragende Rolle. Auch hier hat google längst damit begonnen, Seiten im Ranking herabzusetzen, die nicht für die mobile Betrachtung optimiert sind. Dies ist auch nachvollziehbar, denn was die mobile Webentwicklung an vielen Stellen richtig macht, fehlt häufig bei der traditionellen Betrachtungsweise.

Der Vorreiter in Sachen mobile Recrouting mobileJob.com zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie wichtig der Markt der mobilen Webseiten mittlerweile geworden ist und konnte sich mit seiner mobilen Rekrutierungsplattform hinsichtlich Bedienbarkeit und Nutzerfreundlichkeit auf diese Weise deutlich von der Konkurrenz abgrenzen – auch hier gibt es bereits einen entsprechenden saatkorn. Artikel. Nicht ohne Grund konnte das Unternehmen innerhalb kürzester Zeit 700 Arbeitgebern für sich gewinnen und über 40 Mitarbeiter beschäftigen.

 

 

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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