Performance Recruiting in der Altenpflege

Wie läuft das eigentlich mit Performance Recruiting in Bereichen, in denen der Fachkräftemangel bereits eklatant tobt und eigentlich nur noch ein Verteilungskampf stattfindet? Und wie geeignet sind für Zielgruppen wie beispielsweise Pflegekräfte performance-orientierte Recruitingansätze? – Ich hatte Gelegenheit, mit Lucien Stein von der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal zu sprechen. Auf geht’s: 

SAATKORN: Herr Stein, bitte stellen Sie sich den SAATKORN LeserInnen doch kurz vor.

Lucien Stein von der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal
Lucien Stein von der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal

Mein Name ist Lucian Stein und ich verantworte das Personalmarketing und Recruiting bei der Diakonische Altenhilfe Wuppertal. Ursprünglich komme ich aus der Pflege, ich habe die Ausbildung zur Pflegekraft gemacht und lange Jahre in der Pflege gearbeitet, kenne die Zielgruppe also bestens. Im Anschluss habe ich einige Jahre im Zuge eines Trainee-Programms in der Pflegedienstleitung gearbeitet, bevor ich ins Recruiting gewechselt bin.

SAATKORN: Was ist die Ausgangssituation im Recruiting in der Pflegebranche aus Ihrer ganz persönlichen Sicht?
Post & Pray ist ja mit Sicherheit noch weit verbreitet… Die Pflegebranche ist ganz allgemein eher vorsichtig, was neue Wege in der Personalgewinnung angeht, da ist die Printanzeige häufig noch das Mittel der Wahl. Mir war schnell klar, dass es das nicht ist: Post-and-Pray – ein paar Tausend Euro raushauen und hoffen, dass sich Bewerber drauf melden. Das ist Irrglaube.

SAATKORN: Wie haben Sie sich der Recruiting-Aufgabe in der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal gestellt?
Ich würde behaupten, um gutes Recruiting zu machen, muss man auch gutes Personalmarketing machen. Mein erstes Projekt war es daher ein Karriereportal zu schaffen, um unseren Bewerbern eine eigene Plattform zu bieten. Ich habe dabei mit echten Mitarbeitervideos gearbeitet. Ziel war es zudem, eine niedrigschwelligen Kontaktaufnahme zu ermöglichen, unter anderem durch eine Chatfunktion. Wir haben gesagt, dass wir kein Anschreiben mehr brauchen, uns reicht erst einmal die Telefonnummer und der Name, sodass wir den Kandidaten zurückrufen können. Zusätzlich hat uns dann eine ehemalige Kollegin bei der Diakonie Deutschland, die immer mal wieder neue Recruiting-Tools ausprobiert, HeyJobs vorgeschlagen.

SAATKORN: Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Performance Recruiting Ansatz von HeyJobs gemacht?
Tatsächlich sehr gute. Bei jedem Jobslot, den wir bislang mit HeyJobs geschaltet haben, haben wir immer mindestens eine Einstellung generieren können. Das ist ein Riesenerfolg. Was gibt es Besseres, als zu sagen: Wir schalten und stellen dadurch ein? Auch die von HeyJobs angebotene Bewerbung mit Auswahlfragen, aber ohne Lebenslauf funktioniert bei uns sehr gut. Viele sagen: Eine gute Bewerbung enthält ein Anschreiben, ein nettes Foto, ein Lebenslauf – sehr klassisch also. Das war für mich auch interne Überzeugungsarbeit: Wir haben hier jemanden, der interessant ist, wir haben aber noch gar keine Unterlagen, macht trotzdem ein Interview, die Unterlagen bringt er dann mit. Das war ein langer Kampf, aber ein besseres Argument als geeignete Kandidaten zu servieren, gibt es ja eigentlich nicht. HeyJobs ist ein zeitgemäßes Recruiting-Tool. Das beschreibt es sehr treffend.

Unterschiedliche Kanäle für unterschiedliche Zielgruppen beim Performance Recruiting
Unterschiedliche Kanäle für unterschiedliche Zielgruppen beim Performance Recruiting

SAATKORN: Nutzen Sie darüber hinaus noch andere Kanäle?
Also für unser eigenes Personalmarketing nutzen wir Social Media und unsere eigene Kanäle.

SAATKORN: Gibt es konkrete Zahlen, die den Erfolg Ihrer Performance Recruiting Bemühungen belegen?
Mit HeyJobs erhalten wir bei einer Stellenausschreibung, die monatlich läuft, ungefähr 24 qualifizierte Kandidaten bei einem CPA von 37€. Das ist schon sehr gut. Auch bei der Anzahl unserer Auszubildenden sehen wir Erfolge: Wir sind bislang immer mit zwei Ausbildungs-Kursen gestartet, jetzt bieten wir die Ausbildung tatsächlich schon drei Mal im Jahr an. Wir hatten etwa 20-25 Kursteilnehmer und konnten immer kurz vor Ausbildungsstart meist noch Azubis einstellen. Jetzt allerdings ist der Kurs drei Monate vor Beginn voll und wir müssen den Bewerbern sagen, dass es erst zu einem späteren Datum wieder möglich ist.

SAATKORN: Wie wird sich Ihrer Meinung nach mittelfristig die Situation in der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal entwickeln?
Da bin ich recht positiv gestimmt. Der Pflegeberuf ist vielseitig, weil er so viele Bereiche des Lebens betrifft. Die Bewohner sind Menschen und kein Produkt. Es ist unheimlich spannend, sich auf die Menschen einzulassen. Das ist gerade für die jüngere Generation eine sehr sinnstiftende Arbeit. Die Generation Z sagt ja, dass sie einen Sinn in ihrem Job sehen will, nicht einfach nur Geld verdienen möchte. Das kann man vom Pflegeberuf – egal, ob Altenoder Krankenpflege – gut sagen. Außerdem gibt es seit dem 01.01.20 die generalistische Pflegeausbildung. Das heißt, die drei zuvor getrennten Ausbildungsberufe, nämlich Altenpflegefachkraft, Krankenpfleger und Kinderkrankenpfleger, wurden in einen einzigen zusammengepackt. Die Gesundheits-Ausbildung ist EU-weit anerkannt, das war bis dato nicht so. Und weil das Neue immer spannend ist, steigert das nochmal die Attraktivität des Berufs in der Öffentlichkeit.

Wir starten in unserer Akademie erstmalig zum 01.04.20 und der Kurs ist seit Wochen komplett voll, das heißt, wir haben 28 Azubis, die dann ihre Ausbildung starten. Wenn die ersten Azubis abschließen, bleibt natürlich die Frage: Wie viele von den Kursteilnehmern bleiben in der Altenpflege und wie viele gehen z.B. ins Krankenhaus? Das kann man aktuell nicht absehen und stellt uns vor die Herausforderung, die Azubis auch langfristig an uns zu binden, zum Beispiel, indem ich ihnen schon ein Jahr vor Ausbildungsende einen Vorvertrag gebe.

SAATKORN: Herr Stein, vielen Dank für das Interview!

An dieser Stelle noch 3 Tipps:

  1. Ihr könnt Marius Luther am 5. März in Köln auf dem #RC Lab DIGITAL RECRUITING live erleben. Alle Infos zur Veranstaltung gibt es HIER.
  2. Wissen auf die Ohren rund um Perfomance Recruiting gibt es auch in meinem Podcast-Interview mit HeyJobs Co-Founder & CEO Marius Luther
  3. Auf dem Recruiting Community Festival 2020 – #RC20 – gibt es erstmals einen DEEP DIVE GESUNDHEIT mit vielen spannenden Cases zum Employer Branding, Personalmarketing & Recruiting im Bereich Gesundheit. Und ein Spezialticket gibt es dafür auch. Zum Preis von 750 € (anstelle von aktuell 1.495 € und ab April 1.995 € kannst Du, sofern Du aus der Gesundheitsbranche kommst, ein entsprechendes Ticket kaufen. Gib dafür einfach im Ticketshop bei der Bestellung den Promo-Code Gesundheit ein. Wichtig: Dieses Angebot gilt nur für Teilnehmer, die in einem Unternehmen der Gesundheitsbranche arbeiten.
#RC Lab Digital Recruiting
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Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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