New Work Beispiel: flexibles Arbeiten bei Pippa&Jean

New Work ist ein vielschichtiger Begriff. Anlässlich der vor einigen Wochen verliehenen New Work Awards von XING habe ich mit Annette Albrecht-Wetzel, Geschäftsführerin von Pippa&Jean sprechen können. Pippa&Jean lebt Flexibilität in ganz besonderer Weise – quasi ist das Geschäftsmodell ohne virtuelles Arbeiten und dementsprechende Flexibiltät kaum denkbar. Was das alles im Kontext New Work konkret bedeutet, erläutert Annette im Interview. Auf geht’s:

saatkorn.: Annette, bitte stelle Dich und Pippa&Jean den saatkorn. LeserInnen doch kurz vor.
Ich bin Annette Albrecht-Wetzel, Geschäftsführerin und Creative Director von Pippa&Jean, einer Social Selling Community, die ich 2011 gemeinsam mit Gerald Heydenreich gegründet habe.  Unser Hauptansinnen ist es, Perspektiven für Frauen zu entwickeln. Wir wollen eine aktuelle, zukunftsweisende Möglichkeit schaffen, in denen sie sich ihre eigene, selbstbestimmte Existenz aufbauen können, mit voller Flexibilität, die gerade Mütter brauchen. Eine Herausforderung, die ich selber gut kenne: Meine eigene, internationale Karriere in einem globalen Konzern konnte ich nach der Geburt meiner beiden Töchter nicht fortsetzen. Unsere Vision: 100.000 Frauen in die erfolgreiche Selbstständigkeit zu begleiten.

saatkorn.: Kürzlich seid Ihr von Pippa&Jean mit dem XING New Work Award ausgezeichnet worden. Was bedeutet Euch diese Auszeichnung?
Wahnsinnig viel! Was wir wollen und woran wir arbeiten, sind Jobs, die sich nach dem eigenen Leben richten – und nicht umgekehrt. Die Auszeichnung bestätigt uns in unserem Tun. Auf der anderen Seite ist sie auch eine ganz starke Motivation, noch viel mehr im Bereich New Work zu erreichen. Aus der New Work Experience, in deren Rahmen der XING New Work Award verliehen wurde, haben sich für uns zusätzlich noch mal neue Inspirationen entwickelt. Denn Preisträger hin oder her: Es gibt noch viel zu lernen!

saatkorn.: Und wie lebt Ihr bei Pippa&Jean New Work? – Ich als Jurymitglied war insbesondere davon beeindruckt, dass Ihr sehr virtuell miteinander arbeitet…
Richtig, das virtuelle Arbeiten spielt eine sehr große Rolle, bei der festen Belegschaft ebenso wie bei unseren rund 4.000 Vertriebspartnerinnen, die in vier Ländern unterwegs sind. Da trifft man sich dann eben per Skype oder GoToMeeting und nutzt Cloud Computing, Webinare, alles, womit wir möglichst viele Menschen an unterschiedlichen Orten unter einen Hut bringen können. Für uns als Geschäftsführer ist das ohnehin unabdingbar, denn wir leiten das Unternehmen aus der Ferne. Der Hauptsitz ist in Frankfurt am Main. Ich lebe mit meiner Familie in Hamburg, hier ist mein Lebensmittelpunkt. Gerald ist mit seiner Familie kürzlich nach Barcelona gezogen und hat sich damit einen Traum erfüllt. Wir beide sind maximal fünf Tage im Monat in der Zentrale.

Deshalb ist es besonders wichtig, dass unsere Arbeitsweise sich ganz eng an unseren Werten orientiert: Qualität, Initiative und Do Good. Sie sind im Team fest verankert und werden gelebt, so dass jeder Verantwortung für sein Tun übernimmt und seinen eigenen Beitrag leistet.

Übrigens: Die Virtualität betrifft nicht nur unser daily business. Wir haben vor kurzem angefangen, unser Home Party-Konzept ebenfalls ortsunabhängig zu machen. Schmuckpartys im Internet – klappt großartig!

saatkorn.: Welche Voraussetzungen müssen für so ein Arbeiten gegeben sein und welche Vorteile bringt so ein flexibles Arbeiten für Euch mit sich?
Klingt jetzt spießig, aber: Disziplin und Transparenz. Wir haben feste Meetingtermine, wir arbeiten konsequent mit der Projektmanagementanwendung asana, und für alle Dokumente gibt es einen „Serverzwang“ auf unserer Dropbox. Darüber hinaus arbeiten wir seit einem Jahr mit der Managementmethode Objectives Key Results (OKR). Alle Vorgänge sind für jeden jederzeit klar nachvollziehbar. Weiterhin ganz wichtig ist Vertrauen. Wir verlassen uns darauf, dass im Office alles seine Ordnung hat, auch wenn wir kein Auge darauf haben. Bereut haben wir das noch nie! Ganz im Gegenteil, wir erleben ein riesiges Maß an Eigenverantwortung bei unseren Mitarbeitern.

Für uns Geschäftsführer liegen die Vorteile klar auf der Hand. Dauerhaftes Pendeln ist für uns beide, insbesondere wegen unserer Familie, keine Option. Also kommt nur remote work in Frage. Und bei unseren Vertriebspartnerinnen ist das flexible Arbeiten in der Regel der Grund, warum sie sich uns überhaupt angeschlossen haben. Das freie und selbstbestimmte Arbeiten, die eigene Entscheidung, wann und wie viel sie arbeiten wollen und was sie verdienen wollen, ist bei uns selbstverständlich.

saatkorn.: Seht Ihr auch Nachteile?
Zugegeben: Der berühmte „Flurfunk“ bleibt leider auf der Strecke. Kurztalks in der Kaffeeküche, spontanes gemeinsames Mittagessen, aber auch besondere Stimmungen – davon bekommen wir nichts mit. Das ist sehr schade, denn auch das macht eine Unternehmenskultur aus. Wir versuchen, so viel wie möglich aufzusaugen, wenn wir mal da sind, aber im Alltag geht uns im Zwischenmenschlichen sicherlich bisweilen verloren. Um dem entgegenzusteuern, habe ich jetzt „Sprechstunden“ eingerichtet, feste Zeiten, in denen ich mir nichts anderes vornehme und 1:1 für die Themen zur Verfügung stehe, die in den Meetings nicht anstehen.

saatkorn.: Welche Tipps könnt Ihr anderen Unternehmen geben? – Gibt es beispielsweise Fehler, die man gut vermeiden kann und aus denen Ihr gelernt habt?
Glaubt an Eure Idee. Lasst Euch von anderen nicht abbringen. Selbst unsere Familien und Freunde hielten uns für verrückt, als wir das Konzept von Pippa&Jean entwickelt haben. Das hörte erst auf, als sich die ersten großen Erfolge einstellten.

Und: Baut Euch Euer eigenes Expertennetzwerk auf. Macht das, was Ihr wirklich gut könnt und gern macht – und gebt alles andere an die ab, die darin besser sind. Orientiert Euch an Menschen, von denen Ihr lernen könnt, sprecht und verbindet Euch mit ihnen. Ein Beispiel aus unserer Praxis: Wir haben zu einem sehr frühen Zeitpunkt Holtzbrinck Ventures und Vorwerk Ventures angesprochen. Beide haben sich unmittelbar nach unserem Livegang an uns beteiligt und sind für uns bis heute keine reinen Geld- sondern vor allem auch Ratgeber!

saatkorn.: Herzlichen Dank für das Interview – und weiterhin viel Spaß und Erfolg mit Euren New Work Ansätzen bei Pippa&Jean!

 

 

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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