Joblift: Umfrage zum Thema FÜHRUNGSKULTUR

Führungskultur – in Zeiten einer auch in DACH drohenden „Great Resignation“ eines der wichtigsten Themen überhaupt. Joblift haben dazu gerade eine Umfrage durchgeführt. Die interessanten Ergebnisse erläutert Joblift Co-Founder und CEO Lukas Erlebach im SAATKORN Interview. Auf geht’s: 

SAATKORN: Lukas, bitte stelle Dich den SAATKORN Leser:innen doch kurz vor.

Lukas Erlebach: Hi zusammen. Ich bin Lukas, einer der Gründer und CEO von Joblift. Wir haben Joblift vor 6 Jahren gegründet, um eine Jobplattform für die Zielgruppe des Blue-und Grey-Collar Segments zu schaffen. Das ist uns erfolgreich gelungen und über die letzten Jahre konnten wir Unmengen an Daten sammeln. Daher verstehen wir die Anforderungen an die Fachkräfte auf der einen Seite und an die Arbeitgeber auf der anderen Seite sehr gut. Mit diesem Know-how finden wir passgenaue Lösungen für beide Parteien, stets mit dem Ziel den Recruitingprozess für Bewerber:innen und Arbeitgeber einfacher, schneller und transparenter zu gestalten.

SAATKORN: Ich habe Joblift ja gerade in meiner HR Startup Serie vorgestellt und jetzt seid Ihr schon mit einer brandaktuellen Umfrage zum Thema Leadership nochmal am Start. Wen habt Ihr wann genau befragt?

Lukas Erlebach: Ja, das ist richtig. Wir haben uns vorgenommen, vor allem die Zielgruppe der Beschäftigten im Blue- und Grey-Collar Segment genauer unter die Lupe zu nehmen – natürlich immer auch im Vergleich zur akademischen Kandidatengruppe. Aus unserer Sicht sind die Unterschiede zwischen beiden in der HR-Forschung der Vergangenheit viel zu selten herausgearbeitet worden. Diese Lücke werden wir in den nächsten Jahren schließen.

Den Anfang machen wir, wie Du in Deiner Frage ja schon angedeutet hast, mit einer Studie zum Thema Führungsverhalten. Dafür haben wir gemeinsam mit einem Marktforschungsunternehmen 1.058 Beschäftigte dazu befragt, wie sich die Führungskultur in ihrem Unternehmen in den vergangenen 12 Monaten verändert hat und woran sie das festmachen. Zudem wollten wir wissen, welche Rolle das Führungsverhalten für ihre Arbeitgebersuche und damit eben auch für die Recruitingstrategie der Arbeitgeber spielt. Der Befragungszeitraum lag im November diesen Jahres. Etwas mehr als 80% der Befragten waren zum Zeitpunkt der Befragung in Vollzeit tätig, der Rest in Teilzeit. Und last but not least kamen drei Viertel der Befragten aus dem Blue- und Grey-Collar, also dem nichtakademischen Umfeld, sowie ein Viertel aus dem akademischen. In dieser Hinsicht bildet die Studie die Gesamtheit der Beschäftigten in Deutschland ab, auf dem die prozentuale Verteilung ja ähnlich ist.

SAATKORN: Was sind die wesentlichen Ergebnisse der Joblift-Umfrage?

Lukas Erlebach: Zunächst hat die Führungskultur in deutschen Arbeitsstätten gelitten. Gemäß den Ergebnissen der Erhebung beklagt aktuell jede:r Vierte, dass das Führungsverhalten seines oder seiner Vorgesetzten im gerade ablaufenden Jahr schlechter geworden sei. Interessant: Bei den Nichtakademiker:innen liegt der Anteil mit 28% höher als bei Akademiker:innen, die zu 21% sagen, dass sich die Führungsarbeit in ihrem Unternehmen verändert hat. Zudem: Vor allem berufsunerfahrene und junge Beschäftigte nehmen eine Verschlechterung in dieser Hinsicht wahr. Von ihnen geben 34% an, ihre Führungskraft habe sich in ihrer Führungsarbeit verschlechtert. Branchen, in denen die Mitarbeiter:innen das überdurchschnittlich intensiv registrieren sind der Öffentliche Dienst (32%), die Automobil- (33%) sowie die Energiebranche (38%). Leicht verbessert hat sich laut Mitarbeitervotum dagegen das Führungsverhalten in der IT-Branche.

Führungskultur-Umfrage von Joblift SAATKORN
Führungskultur-Umfrage von Joblift

 

SAATKORN: Hat Dich etwas daran besonders überrascht?

Lukas Erlebach: Ich würde nicht sagen, dass mich das überrascht hätte. Vielmehr finde ich zwei Ergebnisse alarmierend für die Arbeitgeber. Denn der Trend zur Unzufriedenheit mit der Führungsarbeit führt gemäß unserer Studie zu zwei Risiken für diese: Erstens steigt die Wechselbereitschaft in der Belegschaft in erheblichem Ausmaß. Das trifft nämlich auf 71% der von uns Befragten zu, bei Nichtakademiker:innen liegt der Anteil sogar bei 77%. 60% aller Teilnehmenden gehen sogar noch einen Schritt weiter und schauen sich aktiv nach einem neuen Job um. Bei jungen Beschäftigten liegt der Anteil der dann aktiven Jobsucher:innen sogar bei 72%. Neben unzufriedenen Mitarbeiter:innen droht den Arbeitgebern zudem bei nachlassendem Führungsverhalten auch eine niedrigere Leistungsfähigkeit. 30% der Arbeitnehmer:innen verlieren eigenen Aussagen zufolge die Hälfte und mehr ihrer Produktivität, wenn sie mit einer aus ihrer Sicht schlechten Führungskraft zusammenarbeiten müssen. Bei jungen Beschäftigten liegt dieser Anteil sogar bei 45%.

SAATKORN: Was sind Deine Handlungsempfehlungen Richtung HR Teams, basierend auf den Umfrage-Ergebnissen zum Thema Führungskultur?

Lukas Erlebach: Die genannten Prozentwerte sind natürlich im Licht der sich verändernden Arbeitswelt zu verstehen. Die Arbeitsmärkte sind seit mittlerweile gut zwei Jahren geprägt von der Corona-Pandemie. Das Verhältnis von Management und Mitarbeiter:innen findet je nach Lage und Beruf mal remote, mal in Präsenz und immer unter Abstandsregeln statt. Das hat natürlich Einfluss auf das persönliche Führungsverhältnis, wie wir es einmal kannten. Das heißt: Unternehmen müssen schnell neue Formate entwickeln, in denen Führung unter diesen neuen Umständen gelingen kann. Und wenn diese Konzepte geschaffen sind, gehören sie in Stellenanzeigen und auf Karrierewebsites. Denn auch das ist ein Ergebnis unserer Studie: Die aktuellen Infos die Kandidat:innen dazu auf diesen Kanälen finden, halten 48% von ihnen für unglaubwürdig. Das ist eine absolute Baustelle für Rercrutingverantwortliche.

SAATKORN: Was sind die Ziele von Joblift in 2022?

Lukas Erlebach: Ich sage mal ganz selbstbewusst: wir haben nächstes Jahr sehr viel vor. Wir haben die letzten beiden Pandemiejahre intensiv dazu genutzt um unser Produkt und unsere Positionierung auf dem Markt zu schärfen und uns personell zu verstärken. Wir fokussieren uns zu 100% auf den nichtakademischen Arbeitsmarkt , der wie gesagt gut drei Viertel aller Beschäftigten in Deutschland ausmacht – angefangen bei Pflegekräften über das Handwerk und industrielle Jobs bis hin zu jedem anderen denkbaren Job für den ein Studium nicht zwingende Voraussetzung ist.

In diesem Segment wollen wir DIE führende Job-Plattform zuerst in Deutschland und dann europaweit werden. Im kommenden Jahr werden wir den ersten großen Schritt in diese Richtung gehen. Den Anfang machen wir schon im Januar mit dem Launch unseres JobCoach, der das Potenzial hat die Jobsucherfahrung für unsere Zielgruppe zu revolutionieren. Wir werden Jobsuchenden noch passgenauere Jobempfehlungen liefern sowie die Möglichkeit schaffen, sich jederzeit und von überall, ohne Aufwand und komplett transparent mit nur einem Klick für einen Job zu bewerben. Auch für Arbeitgeber haben wir vieles an Innovation in der Pipeline aber dazu vielleicht schon Anfang des kommenden Jahres in einem weiteren Interview mehr. Das würde mich jedenfalls freuen.

SAATKORN: Lukas, herzlichen Dank für das Gespräch zum Thema Führungskultur. Und weiterhin viel Spaß und Erfolg mit Joblift!

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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