Ergebnisse Praxis Check für IT Studiengänge

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Der Bachelor Praxis Check ist eine aus meiner Sicht sehr sinnvolle Initiative. Vor dem Hintergrund der Bologna-Reform haben Uni-Rankings einen anderen Stellenwert bekommen, ist doch die Hochschul-Landschaft mit vielen neuen Schulen und Studiengängen erheblich unübersichtlicher geworden, sowohl für Personaler als auch angehende Studenten.

Die Employer Branding Initiative Queb und CHE, das Zentrum für Hochschulentwicklung, haben soeben nun den Praxis Check IT 2012 veröffentlicht.

Dieser Praxis Check geht der Frage nach, wie gut die neuen Informatikstudiengänge die Beschäftigungsbefähigung ihrer Absolventen fördern. Untersucht werden dabei die Praxisorientierung der Studiengänge, die Förderung methodischer Kompetenzen sowie die Vermittlung sozialer Kompetenzen. Dabei weist vor allem Letztere von allen drei Teilbereich die größten Defizite auf.

Der Bachelor/ Master Praxis Check wurde gemeinsam von Queb e.V. und dem CHE konzipiert. Das Rating wurde erstmals im Jahr 2006 erhoben und ist seit 2011 in das CHE-Hochschulranking integriert. Die Aktualisierung der Daten erfolgt im Turnus alle drei Jahre für ausgewählte Studiengänge.

Ich hatte Gelegenheit, mit Jela Götting, Vorstandssprecherin von QUEB (hauptamtlich bei Adidas) und Christian Schutz, Experte bei QUEB für den Praxis Check (und ansonsten bei Siemens), zu sprechen. Los geht’s:

saatkorn.: Seit wann gibt es den Praxis-Check und was ist die Zielsetzung von QUEB mit dieser Kooperation?
Jela Götting von AdidasJela Götting: Die ursprüngliche Idee resultiert aus dem Bologna-Prozess und der damit verbundenen Umstellung der Studienabschlüsse auf Bachelor und Master. Denn: mit der Umsetzung dieses europäischen Abkommens wurde das deutsche Hochschulsystem komplett reformiert. Eines der Hauptziele war dabei  die Beschäftigungsbefähigung. So soll der Bachelor als erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss für den Arbeitsmarkt qualifizieren. Eben hier setzte unsere Idee an: es gab zwar schon einige gute Hochschulrankings – wie bspw. das des CHE – aber noch kein Rating, das sich explizit mit der Employability beschäftigte. Und wer, wenn nicht Queb mit seinen zurzeit 45 DAX- und MDAX-Mitgliedsunternehmen, sollte hierfür Kriterien aufstellen können. Für die Umsetzung – also die Erhebung und methodisch gesicherte Auswertung – suchten wir schließlich einen Profi: das CHE. Im CHE haben wir tatsächlich den Kompetenzträger hinsichtlich der Erhebung von Hochschulrankings- und ratings als Kooperationspartner gefunden. 2006 konnten wir schließlich die Ergebnisse unseres ersten „Bachelorrating / Employabilityrating“ vorweisen. Seit 2011 ist der „Praxis-Check“ nun als ein Teilaspekt in das CHE-Hochschulrankings integriert.

saatkorn.: Nach welchen Kriterien wird bewertet?
Jela Götting: Der Praxis-Check konzentriert sich auf eine Bewertung der Vermittlung bestimmter überfachlicher beschäftigungsrelevanter Kompetenzen wie sie in den Curricula verankert sind. Dabei werden drei Teilaspekte von Beschäftigungsbefähigung bewertet: die Vermittlung methodischer Kompetenzen, die Vermittlung sozialer Kompetenzen sowie die Praxisorientierung der Studiengänge. Für jeden dieser Teilbereiche wurden operationale Bewertungskriterien festgelegt. So wurde bspw. auf die für ein Kriterium vorgesehenen Credits als Vergleichswährung Bezug genommen (bspw. die Erbringung von Leistungsnachweisen in Gruppenarbeit)  oder es konnten auch direkt quantitative Faktoren berücksichtigt werden (bspw. prozentualer Anteil der Lehre, die von Praktikern erbracht wird.) Diese Ergebnisse dieser drei Teilbereiche aggregiert ergeben das Gesamtergebnis.

saatkorn.: Gibt es generell im diesjährigen Praxis-Check einen Unterschied zwischen Universitäten und Fachhochschulen?
Christian Schutz: Ja, es wird beim Praxis-Check zum einen nach der Abschlussart (Bachelor oder Mater) und zum anderen nach dem Hochschultyp (Fachhochschule oder Universität) unterschieden. So zeigen sich beim diesjährigen Praxis-Check IT – in Übereinstimmung mit den traditionellen Profilunterschieden der beiden Hochschultypen – starke Unterschiede zwischen Universität und Fachhochschule. Lediglich 3 von 22 mit drei Sternen bewerteten Studiengänge wurden von Universitäten angeboten.  Und bei den Bachelor-Studiengängen lag der Anteil der mit *** bewerteten Studiengänge mit 11 % deutlich höher als bei den Masterstudiengängen, von denen nur 2 % die Höchstwertung erhielten.

saatkorn.: Was sind die top 3 Universitäten bzw Fachhochschulen?
Christian Schutz: Das ist die falsch gestellte Frage! Es gibt keine top 3 Unis oder FHs. Es gibt top gerankte Studiengänge. Das ist der entscheidende Unterschied. Beim Praxis-Check kann es rein theoretisch sogar passieren, dass eine Uni oder FH mit einem Studiengang dieses Jahr top abschneidet und mit dem anderen Studiengang im nächsten jahr sehr schlecht geratet wird. Und: es handelt sich um kein Ranking, sondern um ein Rating. Wir haben also keine Top 1- 3 Plätze, sondern eben nur mit ***bewertete Studiengänge oder eben welche, die nur mit einem * bewertet wurden.

saatkorn.: Bringt der Praxis-Check Bewegung in die Bildungsinstitutionen? – Wie ist die Reaktion auf deren Seite?
Christian Schutz von SiemensChristian Schutz: Natürlich gibt es Bewegung und Reaktionen: während die einen sich freuen und es „ausschlachten“ ganz oben im Rating zu stehen, fragen die anderen, warum sie da (noch) nicht stehen bzw. wie sie dahin kommen. Und natürlich kommt auch immer wieder die grundsätzliche Kritik am Bologna-Prozess auf: nämlich dass es ausschließlich um Arbeitsmarktqualifikation ginge und somit ökonomische Interessen im Vordergrund stünden an Stelle einer umfassenden Bildung und freien Lehre im Sinne des Humboldtschen Bildungsideals. Nach unserem Verständnis ist das aber eine allgemeine Kritik am Bologna-Prozess und nicht an unserem Praxis-Check. Wir verstehen den Praxis-Check vielmehr als Teilaufnahme der Bewertung der Employability eines Studiengangs. Nicht mehr und nicht weniger. Die Bewertung der Vermittlung von Fachkompetenzen liegt uns fern – das ist Aufgabe der Akkreditierungsstellen. Der Praxis-Check mit seinen Ergebnissen ist also im Kontext zu sehen – als ein Bewertungsaspekt unter vielen. Eben deswegen ergab es auch Sinn, ihn in das CHE-Hochschulranking zu integrieren.

saatkorn.: Jela, Chris – herzlichen Dank für das Interview. Und weiterhin viel Erfolg mit und bei QUEB!

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse von 2012 kannst Du Dir hier downloaden. 

 

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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