Aus Employour wird embrace – exklusives Interview mit Prof. Dr. Beck

Prof. Dr. Beck
Prof. Dr. Beck

Heute mal saatkorn. in eigener Sache: In den letzten Monaten haben wir bei embrace an der Akquise des Start-ups Employour und an dem Bertelsmann-internen Wechsel zu Gruner + Jahr, Europas größtem Druck- und Verlagshaus gearbeitet. Gestern gab es nun die Pressemitteilung und heute alle Hintergrundinfos auf saatkorn.  

Da es seltsam wäre, sich selbst zu interviewen, habe ich Professor Dr. Christoph Beck gebeten, heute Gast-Interviewer auf saatkorn. zu sein. Als ausgewiesener Employer Branding Experte und Autor von Standardwerken wie Personalmarketing 2.0 und Ausbildungsmarketing 2.0 der ideale Gesprächspartner. Klar, dass er auch die richtigen Fragen (in blau) gestellt hat. Also: auf geht’s: 

Aus Employour wird embrace – exklusives Interview mit Prof. Dr. Beck

Prof. Dr. Beck: Bitte stellt Euch den saatkorn.-LeserInnen doch kurz vor.
Gero Hesse: Ich bin hauptberuflich Geschäftsführer der Medienfabrik, einer dem Bertelsmann-Konzern zugehörigen Marketing- und Kommunikationsagentur. Hier verantworte ich das Geschäftsfeld embrace, welches für Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting steht. Außerdem bin ich eigentlich saatkorn. Aber heute macht es Sinn, dass Du, Christoph, diese Rolle übernimmst. Vielen Dank dafür! 😉

Stefan Peukert: Vor fünf Jahren habe ich mit Daniel zusammen Employour gegründet und bin seitdem dort als Geschäftsführer tätig. Unser Grundsatz war damals die Idee, Nachwuchskräften Praktika und Stellen zu vermitteln, wo sie „nie wieder Kaffee kochen müssen“. Die Idee ist geblieben, aber wir sind mit inzwischen vier Netzwerken, die jeden Monat 10 Millionen Seitenaufrufe verzeichnet, stark gewachsen.

Daniel Schütt: Als zweiter Gründer und Geschäftsführer von Employour habe ich die letzten fünf Jahre vor allem die Digitalisierung im Personalmarketing vorangetrieben. Da wir selbst ein Start-up groß gezogen haben, interessiere ich mich zudem sehr stark für die digitale Start-up-Szene und betreue den Employour-Blog.

Christian Hansmann: Ich bin seit 2012 bei embrace und war bisher dort als Bereichsleiter für den Aufbau und die Entwicklung der Netzwerke careerloft und blicksta zuständig. Ab sofort werde ich die beiden Gründer von Employour als dritter Geschäftsführer unterstützen. Ich werde also sowohl in Gütersloh als auch in Bochum arbeiten.

Aus Employour wird embrace.
Aus Employour wird embrace. Von links nach rechts: Christian Hansmann, Gero Hesse, Stefan Peukert, Daniel Schütt.


Prof. Dr. Beck: Gero, zunächst stelle ich fest: Ab sofort gehört Employour zu embrace. Dieser Zusammenschluss führt zu einem neuen großen Kompetenz-Zentrum für Schüler- und Studierendenmarketing – dem Größten in Deutschland. Warum dieser Schritt?
Gero Hesse:
Seit unserer Gründung 2011 glauben wir von embrace daran, dass jeder Mensch den bestmöglich passenden Job und Arbeitgeber verdient. Daran arbeiten wir mit großer Leidenschaft – sowohl auf der Agenturseite, wo wir viele DAX-Kunden strategisch beraten und operativ Personalmarketingmaßnahmen umsetzen als auch mit unseren innovativen, mehrfach ausgezeichneten Talent-Relationship-Management-Plattformen blicksta für Schüler und careerloft für Studenten.

Für uns ist Employour aus mehreren Gründen eine ideale Ergänzung, denn wir können unseren Kunden ab sofort alles aus einer Hand anbieten: von der Entwicklung einer Employer Brand über das Personalmarketing und Recruiting sowie den Talent Relationship Management Plattformen blicksta und careerloft bis hin zu reichweitenstarken Jobboards mit Ausbildung.de, meinpraktikum.de, trainee.de und karista.de. Wir haben bereits damit angefangen, integrative Angebote zu entwickeln und werden bis Ende des ersten Quartals mit unseren Bestandskunden individuell passende Lösungen entwickeln.

Das Schöne ist: Wir ergänzen uns perfekt und verfügen in dieser Kombination auch mit großem Abstand über die größte Reichweite in Deutschland in den für uns relevanten Zielgruppen. Natürlich ist das auch für diese, nämlich Schüler, Studenten und Absolventen, spannend. Hier gilt: „Size does matter“. Denn über unsere Plattformen bieten wir nun auch die meisten Jobs an. Schüler, Studenten und Absolventen können sich bei uns erst orientieren und dann über unsere Matching-Mechanismen die bestmöglich passenden Jobs finden.

Wir kennen die Gründer von Employour schon lange – bislang war unser Verhältnis von gegenseitigem Respekt, aber auch von Konkurrenz geprägt. Aber nun können wir gemeinsame Sache machen und als Marktführer in Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting für unsere Kunden ganzheitliche Lösungsansätze entwickeln. Man sieht unsere gemeinsame Vision auch schön in unserem Video:

Prof. Dr. Beck: Darüber hinaus gehört die Medienfabrik und damit embrace nicht mehr zu arvato, sondern ist innerhalb des Bertelsmann-Konzerns zu Gruner + Jahr gewechselt. Warum das, welche Vorteile entstehen daraus für Eure Kunden?
Gero Hesse:
Der Wechsel der Medienfabrik zu Gruner + Jahr hat strategische Gründe, denn zusammen mit Corporate Editors von Gruner + Jahr und den drei Medienfabrik Geschäftsfeldern empower (Corporate Communication), engage (Sales Communication) und embrace (HR Communication mit Fokus auf Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting) entsteht der deutsche Marktführer für Content Communication.

Für embrace bedeutet das: Wir können auf das gesamte Netzwerk und Produktportfolio von Europas größtem Verlagshaus, nämlich Gruner + Jahr, zurückgreifen. Damit werden mittelfristig ganz andere Employer Branding-Ansätze auch in der Anzeigenvermarktung oder mit Zeitschriften- und Online-Specials möglich sein. In den nächsten Monaten werden wir daran arbeiten, auch hier für unsere Kunden optimale Pakete zu entwickeln.

Prof. Dr. Beck: Herr Peukert, Herr Schütt – wie ist es dazu gekommen, dass Sie Ihr bislang sehr erfolgreiches Start-up Employour an den Bertelsmann Konzern verkauft haben? Was erhoffen Sie sich von diesem Schritt – und werden Sie beide im neuen Unternehmen bleiben, was passiert mit dem Standort Bochum?
Stefan Peukert:
Seit fünf Jahren überlegen Daniel und ich Tag für Tag, wie wir Employour weiterentwickeln können – wie bleiben wir ganz vorne im Bereich Employer Branding? Wie schaffen wir Sicherheit und ein produktives Arbeitsumfeld für unsere Mitarbeiter? Anfang dieses Jahres sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir mit einem großen Partner an der Seite die besten Chancen haben, Employour auf die nächste Stufe zu heben. Wir haben viele Angebote gegeneinander abgewogen: Dass es mit Bertelsmann nun Europas führender Medienkonzern geworden ist und wir eine neue Heimat bei Gruner + Jahr und embrace finden, entspricht unserer Idealvorstellung. Und das Gruner + Jahr mit einem zweistelligen Millionenbetrag in das Themenfeld Employer Branding einsteigt, zeigt unserer Meinung nach den strategischen Willen, etwas wirklich Großes zu bauen.

Daniel Schütt: Eine Voraussetzung für den Zusammenschluss war für uns, dass der Standort Bochum mit allen Mitarbeitern, die Employour in den letzten Jahren so erfolgreich gemacht haben, erhalten bleibt. Das bedeutet natürlich auch, dass wir beide mit an Bord bleiben und als Geschäftsführer den Plattformbereich von embrace gemeinsam mit Christian und Gero weiter ausbauen werden.

Es besteht bereits ein voller Entwicklungsplan, den wir in der neuen Konstellation bestens umsetzen können. Talent Relationship Management ist ein Thema, das wir für unsere Portale bereits auf der Agenda hatten. Da embrace bereits mit blicksta und careerloft über TRM-Lösungen verfügt, können wir nun gemeinsam auf Vorhandenem aufbauen, neue Ideen entwickeln und gewohnt zügig umsetzen.

Prof. Dr. Beck: Herr Hansmann, Sie waren bislang bei embrace für die TRM Plattformen blicksta und careerloft verantwortlich. Nun übernehmen Sie als dritter Geschäftsführer neben Daniel Schütt und Stefan Peukert Verantwortung für Ausbildung.de, meinpraktikum.de, trainee.de und karista.de. Gibt es eigentlich einen logischen Zusammenhang der verschiedenen Plattformen? Was bedeutet das für die Kunden?
Christian Hansmann:
Gero hat es ja eben schon angedeutet: unsere Lösungen stehen nicht einfach so nebeneinander, sondern bauen logisch aufeinander auf. Wenn man an den Recruiting Funnel aus Kandidatensicht denkt, geht es zunächst um das Thema Orientierung. Bewerber – ob Schüler, Studenten, Absolventen oder auch Professionals – benötigen zunächst Informationen über mögliche Arbeitgeber. Angesichts der demografischen Entwicklung und der rasanten Digitalisierung gewinnt das Thema Talent Relationship Management hier massiv an Bedeutung.

Die Bildung von Bewerberpools und die Kommunikation mit möglichen Kandidaten im Sinne eines matching-basierten Content Marketings ist Kernkompetenz unserer TRM Plattformen blicksta und careerloft. Gepaart mit den reichweitenstarken Employour Plattformen ergibt sich ein logisches Ganzes:
Schüler können sich auf blicksta orientieren, Arbeitgeber können Employer Branding und Active Sourcing betreiben. Die konkrete Bewerbung kann dann z.B. im Falle eines Schülers über Ausbildung.de stattfinden.

Für Studenten und Absolventen findet das Thema TRM auf careerloft statt und konkrete Jobangebote finden sich dann auf meinpraktikum.de, trainee.de und karista.de.

Insgesamt arbeiten wir auf einen ganzheitlichen Lösungsansatz hin, der neben TRM und Jobboards auch das Agenturgeschäft von embrace integriert: das eben kurz angesprochene embrace „Ökosystem“.

Prof. Dr. Beck: Was bedeutet das für Medienfabrik embrace in Summe? Wie drückt sich das in Zahlen aus – auch gegenüber der Konkurrenz?
Christian Hansmann: Bei allen inhaltlichen Gründen hat aus embrace-Perspektive natürlich auch die sehr gute Reichweitenentwicklung für Employour gesprochen. Gemeinschaftlich verfügen wir jetzt schon über

  • 10 Millionen Seitenaufrufe pro Monat
  • 3 Millionen Besucher pro Monat
  • 70.000 Stellen auf allen Plattformen
  • 200.000 registrierte Mitglieder. Wir wachsen jetzt bereits sehr rasant, ohne dass wir die volle Power der Verknüpfung der bestehenden Plattformen auch nur ansatzweise bereits ausgeschöpft haben.
  • 115.000 Facebook Fans
  • 250 Karriere-Events pro Jahr
  • 820 Kunden, davon 26 der 30 DAX Konzerne
  • 210 Mitarbeiter an den Standorten Bochum, Gütersloh und Berlin
Alles aus einer Hand: das neue embrace Talent Eco System.
Alles aus einer Hand: das neue embrace Talent Eco System.

Gero Hesse: Es gilt nun, diesen Vorsprung für unsere Kunden weiter auszubauen. Aus diesem Grund bauen wir embrace auch regional aus: Neben den Standorten Berlin, Bochum und Gütersloh wollen wir 2016 unser neues Vertriebsbüro in Frankfurt am Main eröffnen. Zugleich eröffnet sich dadurch die Möglichkeit, weiterhin die besten Experten für embrace gewinnen zu können. Mit nun über 200 Mitarbeitern ist embrace vermutlich auch von der Mitarbeiteranzahl der größte Anbieter für Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting in Deutschland.

Prof. Dr. Beck: Herr Peukert, gibt es bereits weitere Pläne für neue Plattformen – nun aus dem Hause embrace?
Stefan Peukert:
Ja, wir arbeiten bereits mit Hochdruck an einem neuen innovativen Produkt, welches wir voraussichtlich im ersten Quartal 2016 launchen werden.
Gero Hesse: Die strategische Stoßrichtung von embrace ist klar:
Kurzfristig liegt unser Fokus in der ganzheitlichen Aufstellung des embrace-Ökosystems. Hier werden wir in wenigen Monaten einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht haben und Anfang des Jahres mit unseren Bestandskunden – die nunmehr nicht nur bei den Großunternehmen, sondern auch im Mittelstand zu finden sind – individuelle Lösungsansätze entwickelt haben.
Mittelfristig werden wir unseren Ansatz um die Zielgruppe Fachkräfte erweitern.
Langfristig werden wir das Thema Internationalisierung angehen. Erste Ideen und kleine Ansätze gibt es bereits jetzt. Die letzten 5 Jahre waren ein guter Start sowohl für Employour, aber auch für embrace. Mit der Integration von Employour und unserer neuen Heimat Gruner + Jahr geht unsere Reise jetzt erst richtig los. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Kunden, die uns bis hierhin gebracht haben, bedanken! Wir freuen uns auf inspirierende Gespräche in den nächsten Monaten.

Wenn selbst Bundesministerinnen wie Ursula von der Leyen und Prof. Dr. Johanna Wanka sich auf den Plattformen zitieren lassen zeigt dies, dass das Thema eine politische und gesellschaftliche Relevanz besitzt. Wenn junge Unternehmen –wie in diesem Fall- sich zu einem Großen zusammenschließen zeigt dies, dass sie die Relevanz ernst nehmen und daran glauben -wie auf den Plattformen beschrieben-, Auszubildende, Praktikanten, Absolventen, Trainees und Unternehmen glücklich zu machen. Und wenn es nicht nur plattformübergreifend, sondern auch Medien und Touchpoint übergreifend gelingt jungen Menschen Orientierung zu geben, und zwar durch geeignete Informations-, Kommunikations- und Interaktionsangebote, dann ist man auf dem Weg zu einem wirklich ganzheitlichen und integrativen Personalmarketing & Recruiting.

 

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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