SAAL ZWEI: Interview mit Gründerin Nicole Mai

SAAL ZWEI: Interview mit Gründerin Nicole Mai

Interessante Plattform: SAAL ZWEI ist ein Online-Business-Magazin für Frauen. Für mich vor allem deshalb interessant, weil die Themen rund um Vereinbarkeit von Beruf und Karriere, Arbeitgeberattraktivität und Personalmarketing dort auch gespielt werden – in der Regel aus weiblicher Perspektive. Betrieben wird SAAL ZWEI von Nicole Mai und Stefanie Bilen und inzwischen einer ganzen Reihe weiterer Autorinnen.

Bild: SAAL ZWEI Gründerinnen Stefanie Bilen und Nicole Mai

Ich hatte Gelegenheit, Frau Mai einige Fragen zu stellen – herausgekommen ist ein spannendes Interview. Viel Spaß beim Lesen – auf geht’s: 

saatkorn.: Wofür steht SAAL ZWEI, was wollen Sie mit Ihrer Content Plattform erreichen?
Mit SAAL ZWEI haben wir 2011 das erste Online-Business-Magazin für Frauen in Deutschland gestartet, das das Selbstverständnis  und das Lebensgefühl der sogenannten Entscheiderinnen widerspiegelt und ihnen ein mediales Zuhause gibt: Es richtet sich an Unternehmerinnen, Kreative, Managerinnen und an Frauen auf dem Weg dorthin. Sie alle verfügen über ein knappes Zeitbudget, schätzen aber den Blick über den Tellerrandsowierelevante Impulse. Wir kuratieren Artikel aus internationalen Medien und ergänzen sie um exklusive Inhalte, größtenteils Interviews und Portraits.
Wir verstehen SAAL ZWEI als Plattform, die Vorbilder zeigt, die Mut macht und inspiriert – und die Frauen auf Augenhöhe anspricht. Unter dem Dach der SAAL ZWEI-Akademie sowie mit unseren SAAL ZWEI lokal-Abenden bieten wir Netzwerk-Veranstaltungen und Weiterbildungen für Frauen an. Wir möchten die Zielgruppe mit dem Wesentlichen verbinden – so lautet auch unser Claim.

saatkorn.: Inwiefern kann SAAL ZWEI für die saatkorn. LeserInnen, die sich vornehmlich für Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting interessieren, spannend sein?
Ihre weiblichen Leserinnen gehören zu unserer Kernzielgruppe: Wenn sie im mittleren bis gehobenen Management tätig sind, an Karrierethemen aus persönlicher Sicht als auch als Fach- und Führungskraft interessiert sind und Impulse aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Lifestyle schätzen– dann sind sie bei uns genau richtig. Aber auch viele männliche Entscheider schätzen unsere Sicht auf die Businesswelt: Sie sind interessiert an unseren Management-Themen, an unseren Exklusiv-Interviews, vielleicht wollen sie auch einfach mitkriegen, was ihre Kolleginnen gern lesen. Gut 15% unserer Leserschaft ist männlich – sie kommen meist aus den Bereichen Personal, Beratung und Medien.

Den konkreten Mehrwert, den SAAL ZWEI Ihren Lesern bietet: Eine exklusive weibliche Sichtweise aus dem Topmanagement durch unsere Interviews und durch die namhaften Gastautorinnen plus kuratierte, wertvolle News mit Nutzwert. Wer von den saatkorn-Lesern zudem verstärkt weibliches Personal sucht, wird regelmäßig mit neuen Namen und Role Models konfrontiert. Es lohnt sich, die Rubrik „Wer sich bewegt“ im Auge zu behalten  und vielleicht sogar eine eigene Zielkartei anzulegen.

saatkorn.: Was ist Ihre persönliche Sicht zum Thema „Frauenquote“?
Schwierig. Als wirtschaftsorientierte Gründerinnen liegt es uns sicherlich fern, etwas reglementieren zu wollen. Dennoch beweisen Studien, dass ein kultureller Wandel in Konzernstrukturen nur stattfinden kann, wenn auf den obersten Führungsebenen mehr als eine Alibi-Frau vertreten ist. Zeitgleich bescheinigen uns Frauen als auch Männer in Top-Entscheidungsfunktionen, die nun fast am Ende der Karriere stehen, dass der Wandel zu langsam geht und eine Quote für einen gewissen Zeitraum scheinbar doch sinnvoll ist. Von daher, die Quote in börsennotierten Unternehmen für einen gewissen Zeitraum einzuführen, kann den kulturellen Wandel beschleunigen.

saatkorn.: Kürzlich lief auf dem ZDF in der Reihe 37° ein Portrait von 3 Karrierefrauen mit dem schönen Untertitel „einsame Spitze“. Was ist Ihre Meinung, ist das Leben als weibliche Führungskraft wirklich so einsame Spitze?
Ein Beispiel: Geht der CEO mit seiner Tochter vormittags zum Kinderarzt und kommt später ins Büro, wird Respekt gezollt. Geht die CEO mir ihrer Tochter vormittags zum Kinderarzt, werden sogleich Kritiker laut. Nach dem Motto „Ob die es schafft, beides zu vereinbaren?“ Daher: Ja – viele Frauen lassen alleprivaten Worte in der Firma unter den Tisch fallen und im Privaten kriegen sie jobbedingt weniger aus dem Kreis der Familie und Freunde mit. Das kriegen wir häufig bescheinigt und führt dazu, dass sie sich am Ende häufig für die Selbstständigkeit entscheiden.

saatkorn.: Wie sieht es im Start Up Bereich aus? – Welche Beispiele von Frauen fallen Ihnen ein, die – vielleicht auch vermeintlich typisch – weibliche Ideen erfolgreich an den Start gebracht haben?
Astrid Schulte, die Geschäftsführende Gesellschafterin von Bellybutton, ist sicherlich ein Vorzeigefrau, die sich damals bewusst mit Bellybutton für ein „Start-up“ entschieden hat, weil sie die unflexiblen Strukturen in internationalen Luxuslabel-Konzernen nicht verträglich mit ihrer Rolle als Mutter sah. Schade für die großen Labels, aus heutiger Sicht: Gut für sie.

Ein anderes Beispiel sind Christine Margreiter und Sibylle Stolberg, die Wax-in-the-City-Gründerinnen, die das Thema Waxing salonfahig gemacht, einen neuen Markt geschaffen haben und mittlerweile mit 180 Mitarbeitern in Deutschland sehr erfolgreich sind. Am Anfang haben die Banken nicht an ihr Konzept geglaubt und kein Geld gegeben.

Und dann gibt es etwa die vielen Box-Gründerinnen, die seit kürzerer Zeit in Berlin aktiv sind, egal ob von Modomoto, Glossybox oder Tollabox.

saatkorn.: Haben Sie den Eindruck, dass Unternehmen in ihren Arbeitgeber-Kampagnen genügend Fokus auf die Zielgruppe Frau legen? – Haben Sie vielleicht sogar Beispiele von Kampagnen, die Sie besonders gut oder schlecht finden?
Oh ja, da fällt mir die Personalimagekampagne der Metro Group von vor 1-2 Jahrenals nicht so gelungenes Beispiel ein: Die dort abgebildeten  „Frauen in Führungsfunktionen“ sagten so etwas wie „Mein Kühlschrank ist xy qm2 groß“ oder „Mein Einkaufszettel ist xy lang“o.ä. – Die Frauen, die sich darauf beworben haben, waren sicherlich nicht die selbstbewussten Visionärinnen, die das Unternehmen benötigt.

saatkorn.: Wie sieht Ihre mittelfristige Planung für SAAL ZWEI aus? – Was müsste passieren, damit Sie sich zufrieden zurücklehnen und SAAL ZWEI aus Ihrer Sicht ein Riesenerfolg geworden ist?
Wenn SAAL ZWEI von den Frauen als DER vertrauensvolle Kompass für Job und Privates über alle crossmedialen Kanäle genutzt wird, die Plattform relevante Kontakte herstellen kann in dem Sinn, dass ein Mehrwert für alle Beteiligten entsteht, dann sind wir zufrieden. Dafür planen wir einen Karrierebereich, mehr Offline-Formate und mehr Content zu den Säulen Wirtschaft, Politik, Lifestyle. Die Zielgruppe wächst und wird gesamtwirtschaftlich  in Zukunft mehr und mehr an Einfluss gewinnen – ein spannendes Vorhaben also!

saatkorn.: Ganz herzlichen Dank für das Interview – und weiterhin viel Spaß und Erfolg mit SAAL ZWEI!

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

4 Gedanken zu „SAAL ZWEI: Interview mit Gründerin Nicole Mai

  • 8. Mai 2014 um 10:51
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    Schade.

    Das Online-Business-Magazin klang nach diesem Interview so vielversprechend. Und dann – dieses Werbebanner. Eine halbnackte, liegende Frau in engmaschigen Netzstrumpfhosen, die sich anschickt, die Beine breit zu machen. Aber obacht – sie trägt (Business-)Pumps!

    Spricht man so die karriereorientierte Frau im 21. Jh. an? „Falls Sie nicht die notwendige Durchsetzungkraft besitzen- kaufen Sie einfach einen „Strumpf-Klassiker mit Star-Faktor“, das zieht immer!“

    Oder ist das eine extrem schräge Form von Ironie, die ich einfach gerade nicht verstehe? Bitte um Aufklärung.

    Antwort
    • 8. Mai 2014 um 23:40
      Permalink

      Auch Mode gehört zum Intressensspektrum unserer Zielgruppe – daher freuen wir uns, dass ein Modelabel wie Wolford bei uns wirbt – die Motive wählt der Kunde.

      Antwort
      • 9. Mai 2014 um 09:58
        Permalink

        Danke für Ihre Antwort. Einerseits verständlich, aber ich finde es dennoch bedauernswert, dass die meisten Online Redaktionen aus finanziellen Gründen gezwungen sind, ihre (vorwiegend guten!) Inhalte durch solche Werbebotschaften zu konterkarieren..

        Antwort

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