OFFICE PIONEERS – Interview mit Dr. Robert Nehring + Buchverlosung

Wie sieht eigentlich das Büro 2030 aus? – OFFICE PIONEERS: Ausblicke auf das Büro 2030, Band 2 ist gerade erschienen. Ich hatte Gelegenheit, dazu mit Dr. Robert Nehring zu sprechen. Und er hat dankenswerterweise gleich 3 Bücher in die SAATKORN Lostrommel gepackt, dazu später mehr. Jetzt aber erstmal auf in’s Interview:

SAATKORN: Herr Dr. Nehring, bitte stellen Sie sich den SAATKORN Leser*innen doch kurz vor.

1974 in Ostberlin geboren gehöre ich sowohl zur Generation X als auch zur dritten Generation Ost. Habe, ach, Philosophie studiert und mit einer Promotion über den gesunden Menschenverstand abgeschlossen. Den Common Sense halte ich – richtig verstanden – noch immer für eine großartige, stark unterschätzte Sache. Seit 1997 bin ich für den heutigen PRIMA VIER Nehring Verlag tätig, seit 2016 als geschäftsführender Gesellschafter. Ich bin Chefredakteur der Magazine OFFICE ROXX und Modern Office sowie der Blogs OFFICE ROXX und OFFICE DEALZZ. Außerdem leite ich das Deutsche Institut für moderne Büroarbeit DIMBA und bin Gründer und Sprecher der Initiativen „Bewegung im Büro“, „Quiet please! Die Akustikaktion“ sowie „PrimaBüroKlima“, welche wie alle Projekte des Verlages das Ziel verfolgen, die Büroarbeit besser zu machen.

SAATKORN: Gerade haben Sie ein spannendes Buch herausgebracht: „OFFICE PIONEERS: Ausblicke auf das Büro 2030, Band 2“. Wie ist die Idee zu diesen Sammelbänden entstanden, Herr Dr. Robert Nehring?

Niemand kennt die Zukunft. Aber durch unsere geistige Vorwegnahme bereiten wir uns auf sie vor, und durch unser bewusstes Handeln gestalten wir sie. Das war unsere Grundüberlegung. Hinzu kommt, dass das Future Office regelmäßig in unseren Medien Thema ist. Daraus entstand 2019 die Idee, einmal renommierte Experten gesammelt am Stück schildern zu lassen, wie sie sich Büros und Büroarbeit in Zukunft vorstellen. Was wird dann wohl wichtiger sein, was weniger? Innerhalb kürzester Zeit hatten wir dann 2020 Zusagen von 60 großartigen Autoren für unseren ersten Sammelband der OFFICE PIONEERS. Dass unsere Idee so gut ankommt, hätten wir niemals gedacht. Auch die Nachfrage war dann sehr positiv. Nach nur drei Monaten musste die zweite Auflage gedruckt werden. Und Ende August 2021 haben wir nun sogar einen zweiten Band mit weiteren 68 Autoren veröffentlichen können.

SAATKORN: Das Timing war aus Ihrer Sicht offenbar perfekt, denn seit Corona ticken die Uhren ja bekanntlich anders. Mobiles Arbeiten wurde zum Standard und vermutlich ändert sich die Funktion des Büros nun deutlich schneller als ohne die Pandemie, oder?

Ehrlich gesagt hatten wir 2020 zunächst große Sorge, dass die Zusagen nicht eingehalten werden. Die Beiträge für Band eins waren im zweiten Quartal 2020 zu schreiben. Aber da hatten viele ganz andere Sorgen. Außerdem war es für die Autoren alles andere als leicht, aus einem Ausnahmezustand heraus in die Zukunft zu blicken. Die Entwicklungen von März bis Juni 2020 haben auch erkennbaren Einfluss auf viele Beiträge. Allerdings ging niemand so weit zu behaupten, dass nach der Krise alles gänzlich anders sein werde. Die meisten Beiträge für Band zwei wurden im ersten Quartal 2021 verfasst. Die Autoren haben hier keine fundamental andere Sichtweise entwickelt als die des ersten Bandes. In einigen Punkten scheint sich jedoch die längere Erfahrung mit der Pandemie und ihren Auswirkungen bemerkbar zu machen. Viel deutlicher wird hier zum Beispiel die Warnung vor dem Homeoffice als Dauerlösung. Mit Beginn der Pandemie herrschte noch Euphorie darüber, dass die Heimarbeit viel besser funktioniert als gedacht. Nach einigen Monaten zeigte sich aber auch die Schattenseite, zu der für viele Vereinsamung, Produktivitätsverlust, Motivationsmangel etc. zählen.

SAATKORN: Was sind denn – abgesehen von Corona – aus Ihrer Sicht, Herr Dr. Robert Nehring, die wesentlichen Aspekte, die ohnehin zu einer Veränderung von Büros geführt hätten, nur vielleicht etwas langsamer?

Die Bürowelt befindet sich seit etwa 25 Jahren in einem grundlegenden Wandel, dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Dieser Wandel hat sich durch die Corona-Krise beschleunigt. In den Beiträgen unserer Office Pioneers zeichnen sich vier Aspekte ab, die die Büros und die Büroarbeit in zehn Jahren prägen könnten. Ich habe ihnen 2020 auch ein E-Book gewidmet. Büros und Büroarbeit werden voraussichtlich und hoffentlich digitaler, menschengerechter, ökologisch nachhaltiger und gesünder sein. Die Trends Smart Office, Human Office, Green Office und Healthy Office zeichnen sich bereits heute deutlich ab. Sicher werden sie entscheidenden Einfluss auf die Büroarbeitswelt 2030 haben.

SAATKORN: Womit rechnen Sie in den nächsten Jahren in Deutschland: Massive Leerstände von gewerblichen Immobilien, weil viele Unternehmen ihre Büroflächen aufgrund hybrider Arbeitsmodelle deutlich einschränken, oder fallen wir zurück in die Zeiten vor Corona?

Ich glaube weder an das Ende der Büros noch der Bürotürme. Beides wurde 2020 ja recht schnell von einigen Medien getitelt. Eine vollständige Rückkehr zur Vor-Corona-Normalität kann ich mir allerdings auch nicht vorstellen. Sicher wird künftig mehr Homeoffice bzw. multilokale Arbeit praktiziert. Manche Unternehmen mögen auch ihre teuren Büroflächen in den Citys verkleinern. Auf der anderen Seite wächst aber auch der Bedarf an mehr Fläche für Kollaboration, Kommunikation, Kreativität. Das Firmenbüro als „Lagerfeuer“ braucht Platz. Die Nachfrage nach Büroflächen ist heute noch immer hoch und es wird auch dann noch mehr Abstand zwischen den Arbeitsplätzen gefragt sein, wenn wir Covid-19 besser im Griff haben. Am Ende können wir wahrscheinlich froh sein, wenn die Büromieten endlich nicht mehr so stark steigen wie in den letzten Jahren.

SAATKORN: Herr Dr. Robert Nehring, was glauben Sie ganz persönlich: Wie sieht Ihr eigenes Büro 2030 aus?

Seit über 20 Jahren arbeite ich an einem Sitz-Steh-Schreibtisch. Das regelmäßige Auf und Ab möchte ich auch 2030 sicher nicht missen. Seit etwa zehn Jahren genieße ich außerdem ein Einzelbüro. Das mag nicht sehr zeitgemäß sein, aber meine Arbeit besteht zu etwa 80 Prozent aus Deep Work. Ich hoffe, dass ich auch in zehn Jahren noch meine Ruhe für vollste Konzentration bekommen werde. Seit Pandemiebeginn ist mein Einzelbüro auch der Grund dafür, dass ich noch so oft in den Verlag fahre bzw. laufe. Das Infektionsrisiko ist hier gering. In zehn Jahren wird sich hoffentlich die Spracheingabe durchgesetzt haben, sodass wir nicht mehr so viel tippen müssen. Auch dann könnte ein Einzelbüro von großem Wert sein. Man stelle sich nur das künftige Stimmengewirr in einem Open Space vor. Also kurz: Mein Computer wird 2030 sicher noch mehr tolle Dinge können. Mein Büro aber sieht in zehn Jahren wahrscheinlich nicht wesentlich anders aus als heute oder vor zehn Jahren. Aber ich lasse mich auch gern überraschen.

SAATKORN: Ganz herzlichen Dank für das Interview – und weiterhin viel Spaß und Erfolg mit OFFICE PIONEERS!

Wer nun einen von drei druckfrischen „DAS BÜRO 2030“ Sammelbänden Teil 2 gewinnen möchte, sendet eine Email mit dem Betreff „OFFICE PIONEER“ an gewinne@saatkorn.com. Viel Glück!

Die Gewinner:innen werden in einem der nächsten SAATKORN Newsletter bekannt gegeben.

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.