Indeed Corona Studie Teil 2: Psychische Gesundheit

Im heutigen zweiten Teil zur Indeed Corona Studie geht es um den Themenbereich psychische Gesundheit. Was können Arbeitgeber:innen tun, um ihre Mitarbeiter:innen in diesen Zeiten aufzufangen? Wie sehen die > 12.800 Befragten ihre psychische Gesundheit in diesen Zeiten ein? – Darüber konnte ich mit Lisa Lenz von Korian und Christiane Büring von Indeed sprechen. Auf geht’s: 

SAATKORN: Lisa, bitte stelle Dich den SAATKORN Leser:innen doch kurz vor. 

Lisa: Meine Name ist Lisa Lenz und ich bin seit 2016 bei KORIAN. Seitdem habe ich verschiedene Stationen im Bereich HR durchlaufen. Vor Kurzem habe ich die Position der Teamleitung HR Service & Partnering für den Bereich Nursing Homes & Service übernommen. Gemeinsam mit meinen Kolleg*innen unterstütze und berate ich Führungskräfte bei allen Fragen rund um die Themenschwerpunkte Mitarbeiterführung, Arbeitsrecht, Coaching und HR-Prozesse.

SAATKORN: Inwiefern wirkt sich die Corona-Situation auf die psychische Gesundheit von Arbeitnehmer*innen aus?

Christiane: Die psychische Gesundheit ist die größte Sorge überhaupt im Kontext der Corona-Pandemie und sollte von Berufstätigen und von Arbeitgebern daher ernst genommen werden. Mehr als 34 Prozent der Befragten in unserer Studie wählten diesen Aspekt aus. Danach folgt die Sorge um finanzielle Einbußen mit 32 Prozent und am dritthäufigsten wurden Ängste angegeben, dem Wandel der Arbeitswelt nicht mehr gewachsen zu sein.

INDEED CORONA STUDIE SAATKORN Psychische Gesundheit
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SAATKORN: Inwiefern ist das Thema „psychische Gesundheit“ für Euch als Arbeitgeber bei Korian Deutschland ein Thema?

Lisa: Die Corona-Krise verlangt unseren Mitarbeitern physisch und psychisch sehr viel ab. Solange keine Herdenimmunität eingetreten ist, werden wir alle weiter mit Einschränkungen leben und arbeiten müssen. Auch für unsere Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen heißt es weiter Abstand halten, Masken tragen und körperlichen Kontakt, soweit möglich, vermeiden. Dennoch möchten wir unseren Bewohner*innen ein Zuhause-Gefühl geben, was unter diesen Umständen nicht einfach ist. Hinzu kommt, dass Besuche von Familie und Freunden nur eingeschränkt möglich sind und bisweilen aufgrund von Quarantäne sogar unmöglich waren. Das schlägt verständlicherweise auf die Gesamtstimmung in den Einrichtungen.

Wie jeder andere haben auch unsere Mitarbeiter*innen private Sorgen und Ängste, mit denen sie sich in den letzten Monaten auseinandersetzen mussten: Stecke ich mich vielleicht an und infiziere meine Familie, Bewohner*innen oder Kolleg*innen? Soll ich mich impfen lassen? Trotz eigener persönlicher Sorgen waren und sind sie stets für unsere Bewohner*innen da und hören ihnen zu. Dieser Spagat kann bisweilen sehr belastend sein.

Leider haben auch wir trotz sehr strenger Abstands-, Schutz- und Hygienemaßnahmen Bewohner*innen an das Virus verloren. Die Verbindung zwischen Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen ist sehr eng und deshalb ist natürlich jeder Verlust mit Trauer verbunden – das muss zusätzlich erst einmal verarbeitet werden.

SAATKORN: Mit welchen Maßnahmen versucht Ihr in Corona-Zeiten Moral und Gesundheit bei Euch im Unternehmen oben zu halten?

Lisa: Zum Schutz unserer Bewohner*innen, Angehörigen und Mitarbeiter*innen haben wir bereits sehr früh, zusätzlich zu den vorgeschriebenen Hygiene- und Schutzmaßnahmen, einen Mehrstufenplan erstellt, der in allen Einrichtungen umgesetzt worden ist.

Zur Kommunikation und Koordination der Maßnahmen haben wir ein zentrales Krisenteam eingerichtet und auf regionaler Ebene wurden Ansprechpartner sowohl vor Ort als auch für die Gesamtregion festgelegt, die jederzeit erreichbar sind. Dank dem außerordentlichen Einsatz von Experten aus allen Bereichen des Unternehmens können wir die Einrichtungen täglich über die aktuellen Informationen des RKI sowie länderspezifischen Regelungen versorgen und unser Einkauf sorgt stets für ausreichend Schutzausrüstung in jeder Einrichtung. Doch genauso wichtig wie die körperliche Gesundheit unserer Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen, ist die Moral in den Einrichtungen.

Über unsere Social-Media-Kanäle erfahren die Mitarbeiter*innen, was in unseren anderen Einrichtungen passiert. Denn selbst wenn es manchmal in der eigenen Einrichtung gerade schwierig ist, machen die positiven Botschaften aus anderen Häusern wieder Mut und stärken das Zugehörigkeitsgefühl.

Auch wenn wir alle in diesen Zeiten näher zusammen gerückt sind, stehen die Führungskräfte vor Ort unter einer besonders hohen Belastung. Deshalb haben wir eine Telefonhotline eingerichtet, an die sich Mitarbeiter*innen mit ihren Sorgen und Ängsten wenden können. Zudem haben wir das Programm der Korian Akademie zu den Themen Stressbewältigung und Supervision erweitert.

Weitere Angebote waren z.B. Fahrdienste oder Kinderbetreuung, wenn das öffentliche Leben zum Erliegen kam. In einer zusammen mit der Korian Stiftung für Pflege und würdevolles Altern durchgeführten Studie fanden wir heraus, dass es noch viele Ängste und Unklarheiten rund um das Thema „Impfung“ gibt. Aus diesem Grund bieten unsere Betriebsärzte bspw. Online-Informationsschulungen für alle Mitarbeiter*innen an. Auch wenn derzeit auf wohnbereichsübergreifende Gruppenaktivitäten verzichtet werden muss, finden nach wie vor Beschäftigungsangebote für die Bewohner*innen statt – in kleinerem Rahmen oder in Einzelbetreuung. Zu ihren Freunden und Verwandten können die Bewohner*innen mit (Video-)Telefonaten Kontakt halten. Die Mitarbeiter*innen unterstützen bei Bedarf gerne und auch Besuche sind nach vorheriger Anmeldung möglich. Unsere Schutz- und Hygienekonzepte beinhalten regelmäßige Schnelltests von Bewohner*innen, Mitarbeiter*innen und Besucher*innen.

Obwohl wir von zentraler Seite viel Unterstützung angeboten haben – die größte Leistung haben die Einrichtungen selbst erbracht. Der Zusammenhalt in den Teams ist durch die Krise weiter gestiegen und alle Bereiche, egal, ob Pflege, Reinigung, Küche, Haustechnik oder Verwaltung, arbeiten Hand in Hand. Sie haben sich vor Ort immer wieder neu motiviert, sich gegenseitig aufgebaut und waren füreinander da. Das ist eine Leistung, auf die wir als Unternehmen sehr stolz sind.

SAATKORN: Gibt es eigentlich gender-spezifische Unterschiede in der Wahrnehmung der Corona-Situation? Worüber sorgen sich Männer, worüber Frauen auf Basis der Indeed Corona Studie?

Christiane: Frauen sorgen sich im Vergleich zu Männern ein wenig mehr um die psychische Gesundheit als um die finanzielle Situation. Wir sehen auch, dass Frauen sich eher um die Kinderbetreuung in Lockdown-Zeiten den Kopf zerbrechen. In vielen Bereichen sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern aber gar nicht so groß.

Indeed Corona Studie SAATKORN Psychische Gesundheit Bedenken

SAATKORN: Was sind Eure Handlungsempfehlungen Richtung HR-Abteilungen in diesen Zeiten im Kontext Psychische Gesundheit?

Christiane: Es ist wichtig, das Thema psychische Belastung anzusprechen. Psychisches Wohlbefinden als wichtiger Faktor wird generell immer noch nicht ausreichend wahrgenommen. Es ist ein weicher Faktor, der aber hohen ökonomischen Einfluss hat. Eine gesunde Psyche ist der Kern für gute Leistungen und hohe Motivation.

Christiane Büring SAATKORN Indeed Corona Studie
Christiane Büring von Indeed

Unsere Personalabteilung hat etwa viele Ressourcen zur Verfügung gestellt, um die Mitarbeiter*innen zu unterstützen. Dazu gehört eine Beratungshotline oder auch Leitfäden für Eltern im Home-Office. Zudem hat Indeed den YOU-DAY eingeführt. Das ist ein monatlicher Indeed-Feiertag, an dem wir uns von den psychischen Strapazen, die die aktuelle Situation mit sich bringt, erholen können.

Wir sehen auch in unserer Studie, dass die jüngere Generation ein gesunde Work-Life-Balance anstrebt. Diese steht natürlich auch in Beziehung zur psychischen Gesundheit. Eine angemessene Trennung von Beruf und Privatleben sollte auch im Home-Office von den Führungskräften vorgelebt werden. Zudem wäre es sinnvoll, sich einen Arbeitsplatz einzurichten, der nicht in der Küche oder im Wohnzimmer ist. Das ist rein platzmäßig oft nicht möglich, aber eine Unterstützung durch den Arbeitgeber hinsichtlich einer adäquaten Infrastruktur ist hier essentiell.

SAATKORN: Vielen DANK für diese weiteren Einblicke in die Indeed Corona Studie!

Den ersten Teil dieser Serie rund um die Indeed Corona Studie findest Du hier.

Die Studie selbst kannst Du hier downloaden.

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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