CLUBHOUSE – ist der Hype gerechtfertigt?

CLUBHOUSE – Yo, seit dem Wochenende gibt es einen regelrechten Hype um die neue Social Media Audio Plattform. Inzwischen dürfte ja jede/r drin sein 😉
Von daher heute im Rahmen der SAATKORN HR TECH Serie ein Gastbeitrag von HR TEC Night Founder Robindro Ullah. Auf geht’s: 

Zwei Cent zu CLUBHOUSE – dem neuen Hype in der Social Media Welt

Wer hätte es gedacht, nach Bild nach Video nach Virtual Reality is the next big thing …. Trommelwirbel … VOICE .. und übrigens nur Voice. Wer hätte das im vergangenen Jahr vorhergesehen. Während die Speerspitzen der Innovativen Gedanken schon bei Hologrammen waren und der Einbindung in die Personalarbeit, kommt Clubhouse mit einer Underdog Technologie: Audio daher. So einfach wie auch überraschend genial.

Die neue App, die im März 2020 an den Start ging, wurde in den vergangenen Tagen in Deutschland heiß diskutiert. Man hätte schon theoretisch seit Wochen einsteigen können, doch die Explosion fand erst am letzten Wochenende in Deutschland statt. Der Grund hierfür: das Registrierungsverfahren. Die Gründer der App nutzen die Invites-Only Mechanik mit einem pfiffigen Trick. Jede(r) der/ die hinein kam, durfte zwei weitere Personen einladen. Somit fand in jedem Einladungsiterationsschritt eine Verdoppelung der zuvor genutzten Einladungen statt. Na wer kennt das 😉 Um etwaige Deadends auszugleichen, bekommen besonders aktive Nutzer_innen weitere Invites, die sie an Freunde und bekannte verteilen können. Auch wieder schlichtweg: mega genial. Man könnte fast sagen eine hervorragende Blaupause für ein „Mitarbeitende werben Mitarbeitende“ Programm.

Da seit Samstag die Blogposts über die Funktionalitäten und Zukunftsaussichten von Clubhouse das „deutsche“ Internet fluten, soll die Kolumne eher einen technischen bis mechanischen Blick auf die App werfen. Denn unter all den Next-Big-Thing Posts geht das Revolutionäre etwas flöten. Natürlich treffen die Betreiber den Nerv der Zeit mit einem Audio Format. Den Aufwind, den Podcasts mit der Pandemie bekommen haben, legt nahe, sich mit diesem Medium zu beschäftigen. Was aus meiner Sicht allerdings mehr als genial ist, ist die neue Interpretation von Objekten in meinem Newsfeed. Der klassische Newsfeed ist mit Objekten bestückt, die in der Regel produziert werden, bevor ich sie in meiner Timeline sehe. Das kann Text sein, Sprachnachrichten, Videos, Fotos etc. Erst kürzlich hatte Twitter die Sprachnachricht für Tweets ins Leben gerufen.

Vor etlichen Jahren folgte dann die LIVE Funktion. Inspiriert durch Netzwerke wie YouNOW oder Periscope übernahmen die Social Network Riesen diese Funktion und heute hab ich fast überall die Möglichkeit Live-Videos zu streamen. Dabei haben wir hier sehr häufig einen 1 to many Ansatz, der auf das Selbstdarstellenden-Internet einzahlt. Ein Account streamt, alle anderen schauen zu. Durch das Live Element bekommt die Funktion einen enormen Anreiz. Zuschauende können direkt mit den Streamenden interagieren. Was Clubhouse nun bewerkstelligt hat, ist absolut genial meiner Meinung nach! Sie haben mehrere Streamende thematisch Gruppiert und stellen diese Gruppierung den Newsfeeds als Objekt zur Verfügung. Natürlich ist das Next Level Shit! Also nochmal etwas detaillierter beschrieben: der Newsfeed von Teilnehmenden auf Clubhouse besteht aus lauter kleinen Live-Konferenzen, in denen sich zum einen mehrere Personen zusammengetan haben, um ein Thema zu diskutieren und zum anderen beliebig viele weitere Nutzer_innen dabei zuhören.
Die Frage, ob das das Ende der Podcasts ist, mag berechtig sein, aber ist aus meiner Sicht mit Nein zu beantworten. Rein von der Mechanik betrachtet man da zwei völlig unterschiedliche Formate, die zufälliger Weise den Transportweg „Audio“ gemeinsam haben.

CLUBHOUSE und HR?!

Nun blicken wir mal auf das Thema HR, um die Kolumne abzurunden. Aus Sicht HR haben wir hier einen neuen Player im Learning Bereich. Es kann durchaus mehr als Sinn machen, Mitarbeitenden den einen oder anderen Club zu empfehlen, in dem sich Expert_innen über neue Errungenschaften der Wissenschaft austauschen oder die besten Marketing Tricks etc. Im Punkto Rekrutierung bin ich persönlich aktuell noch etwas vorsichtiger. Lassen wir die Zielgruppe einmal ausser acht und blicke nur auf die technischen Möglichkeiten von Clubhouse, so wäre mein Ansatz, hier Themen zu platzieren, die mir in der Phase ab Bewerbung helfen. So wie WhatsApp beispielsweise während der Bewerbungsphase als Fragekanal dienen kann, könnte man auch regelmäßig stattfindende Clubs auf der Karriereseite promoten, in denen ich Informationen zum Bewerbungsprozess erhalte oder aber bereits Job-Einblicke durch Fachbereichsinterviews geben kann. Was den Erstkontakt angeht und damit meist Themen, die klassischer Weise in den Bereich Employer Branding fallen, bin ich zurückhaltender, da mir hier die Möglichkeiten „viral“ zu gehen, noch zu gering sind. Da kann ich andere Wege gehen und deutlich mehr Personen erreichen. Die Gründe hierfür werden sich sukzessive auflösen, doch man sollte sich dessen bewusst sein, dass beispielsweise die Invites-Only Policy ebenso ein Hindernis ist, wie auch fehlenden Teil und Like Funktionen.

Insgesamt kann ich aber nur dringend dazu raten, sich dieses Netzwerk anzusehen und auszuprobieren. Nicht weil es gerade hypt oder dauerhaft überleben wird – nein, weil hier eine neue Form von Newsfeed Objekten entwickelt wurde, die sehr wahrscheinlich bald auch in anderen Netzwerken zu finden sein wird. Hoffen wir mal nicht, dass eine solche Innovationskraft nicht durch plumpes vom Markt-Weg-kopieren zu Nichte gemacht wird.

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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