Bundeswehr Personalmarketing: die Gegenkampagne

Das hat es im Bundeswehr Personalmarketing noch nicht gegeben: eine Gegenkampagne mit gleichen Stilmitteln und auf den ersten Blick absolut verwechselbarer Website. Der neue Bundeswehr Auftritt mit dem Claim „Mach was wirklich zählt“ ist – meiner Meinung nach verständlich – schon an anderer Stelle deutlich kritisiert worden. Philipp Fisch ist mit seiner Initiative „Mach was zählt“ gleich ein paar Schritte weiter gegangen und hat eine Gegenkampagne zum Bundeswehr Personalmarketing gestartet. Was es genau damit auf sich hat, erläutert Philipp im saatkorn. Interview. Bühne frei:

Bundeswehr Personalmarketing: die Gegenkampagne

saatkorn.: Philipp, bitte stell Dich den saatkorn. LeserInnen doch kurz vor. 
Mein Name ist Philipp Fisch und ich bin Mitkoordinator und Pressesprecher der Kampagne www.machwaszaehlt.de


saatkorn.: Wer verbirgt sich hinter Peng! oder den Populistinnen, der Agentur für Zivilgesellschaft?
Peng! ist ein 2013 gegründetes Aktivist_innenkollektiv aus Berlin und Leipzig. Die Populistinnen sind eine Kooperation von Peng! mit dem Theater Dortmund, die vor Kurzem gestartet ist und die nächsten zwei Jahre andauern wird.

saatkorn.: Was sind Eure Ziele?
Mit Peng! wollen wir ein Gegengewicht schaffen zur geldschweren Werbe- und Lobbyindustrie, die den politischen Diskurs beeinflussen. Außerdem wollen wir Menschen und Organisationen ermutigen, mit Kreativität und zivilem Ungehorsam neue Formen des Protests abseits von Massendemonstrationen und Petitionen auszuprobieren, die mit wenig Budget viel erreichen können.

saatkorn.: Eine Bundeswehr Personalmarketing Gegenkampagne – so etwas gab es meiner Erfahrung nach noch nie. Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, die aktuelle Bundeswehr Kampagne „Mach was wirklich zählt“ zu „kapern“?
Die Idee kam sehr spontan. Die Kampagne der Bundeswehr ist optisch ansprechend und inhaltlich manipulativ, weil sie bestimmte Aspekte des Soldat/innenjobs unter den Tisch fallen lässt. Das wollten wir so nicht stehen lassen und machten uns sofort daran, eine Antwortseite zu bauen, die die Schattenseiten einer Karriere bei der Bundeswehr beleuchtet.

saatkorn.: Eure Microsite ist super gemacht und wirkt auf den ersten Blick täuschend echt. Habt Ihr Angst vor Rechtstreitigkeiten mit der Bundeswehr?
Nein. Unser Markenzeichen ist es, die visuellen und sprachlichen Codes unseres Gegners zu übernehmen und sie mit unseren eigenen Messages zu belegen. Man spricht dabei von Culture Jamming und das ist in Deutschland als eine Form von Satire durch die Meinungs- und Kunstfreiheit geschützt. Abgesehen davon sagt die Bundeswehr in ihrer neuen Kampagne: „Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst.“ Wer so ein Plakat druckt, muss Kritik wie unsere aushalten können.

saatkorn.: Darüber hinaus ist Euer Auftritt durchaus informativ. Durch zahlreiche Quellen belegt erfährt man beispielsweise, wieviele Suizide es bei der Bundeswehr gibt oder wie viele Frauen sexuell belästigt werden. Ganz aktuell auch das Thema Rechtsextremismus in der Bundeswehr. Was ist Euer Ziel mit der Gegenkampagne?
Wir wollen besonders junge Menschen erreichen, für die eine Karriere bei der Bundeswehr eine echte Option ist. Wir wollen sie informieren und zeigen, dass zu dem Job eben auch andere Dinge gehören als Kameradschaft, Abenteuer und Selbstoptimierung. Zum Beispiel Töten.

Bundeswehr Personalmarketing Gegenfacts

saatkorn.: Wie sorgt Ihr dafür, dass Eure Gegenkampagne auch wahrgenommen wird? Rein viral oder seid Ihr auch auf Social Media Plattformen mit Werbebudget unterwegs?
Wir haben kein Werbebudget genutzt und noch nicht einmal eine Pressemitteilung rausgegeben. Die Seite hat sich wie von allein auf Twitter und Facebook verbreitet, wir hatten innerhalb von zwei Tagen über 100.000 Klicks auf die Seite. Das hat uns ehrlich gesagt selbst überrascht.

saatkorn.: Habt Ihr bereits andere derartige Aktionen gestartet?
Nicht direkt. Diese Kampagne ist super spontan entstanden. Sie funktioniert nur als Antwort auf die aktuelle Werbeoffensive der Bundeswehr und musste entsprechend sehr schnell entwickelt werden. Unsere bisherigen Aktionen wurden meistens langfristiger geplant.

saatkorn.: Zum Schluß eine persönliche Frage: Philipp, was ist Deine persönliche Einstellung zur Bundeswehr? – Gerade aktuell könnte man anhand der Terrorbedrohung ja auch ganz anders zur Bundeswehr stehen…
Ich bin der Meinung, dass man Terror effektiver bekämpfen kann, indem man Bildung in die Regionen bringt und Armut bekämpft . Und wenn davon gesprochen wird, dass Deutschland mehr Verantwortung in der Welt übernehmen soll, dann bedeutet das für mich: Rüstungsexporte in Krisenregionen stoppen, wirtschaftliche Ausbeutung des globalen Südens beenden und legale Einreisewege für Asylsuchende schaffen.

Bundeswehr Personalmarketing Gegenberufe

saatkorn.: Es lebe die Meinungsfreiheit! – Philipp, vielen Dank für das Interview.

P.S.: Was Bundeswehrmitglieder zur aktuellen Bundeswehrkampagne denken, kann man HIER lesen.

 

 

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

4 Gedanken zu „Bundeswehr Personalmarketing: die Gegenkampagne

  • Pingback: Rückblick Recruiting 2015 - zu guter letzt

  • 13. Dezember 2015 um 17:19
    Permalink

    Hallo Gero,

    wir freuen uns, wenn du unsere mit Meinungen von Berufsoffizieren gefütterte Bewertung der Bw-Kampagne auch aufnehmen würdest: http://www.employer-branding-now.de/bundeswehr-im-recruiting-irrflug-eine-ernsthafte-gefahr

    Spannend sind die Diskussionen, in denen Nicolas gerade steht. Es gibt Soldaten, die die Kampagne befürworten, aber eine gefühlt größere Menge an Kritikern.

    Beste Grüße nach Gütersloh
    das Team von Employer Branding now

    Antwort
  • 7. Dezember 2015 um 12:53
    Permalink

    Hey, das ist echt ne super Initiative! Gibt es in Werbeagenturen eigentlich Budgets um solche Gruppen wie Peng zu fördern? Oder würden Werbeagenturen selber sowas machen, eventuell über Peng – da sie keine Kunden verlieren wollen? Das kann doch nicht sein, dass so eine wichtige Arbeit ohne Budget gemacht wird!

    Antwort
    • Gero Hesse
      8. Dezember 2015 um 05:40
      Permalink

      Hallo Hans, das hängt wohl ganz von der Agentur ab. Gibt ja durchaus Agenturen, die im politischen Bereich unterwegs sind.

      Antwort

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