Blind Applying: Interview mit Deutsche Telekom und Potentialpark

Blind Applying: Interview mit Deutsche Telekom und Potentialpark

Eine spannende Initiative: 18 Unternehmen bieten Praktika in einer gemeinsamen, innovativen Aktion. Das ist Grund genug, einmal bei den Initiatoren, Sabine Burmeister (duale Masterstudentin im Personalmarketing bei Deutsche Telekom) und Julian Ziesing (Partner bei Potentialpark und Entrypark), nachzufragen. Auf geht’s: 

saatkorn.: Um was geht es bei der Initiative „Blind Applying“?
Sabine:
Blind Applying ist eine neue globale Studentenkampagne unter dem Motto „Jump into a career adventure you will never forget“. 18 Top-Arbeitgeber diverser Branchen, darunter Accenture, Allianz, BASF, Bayer, Bertelsmann, Daimler, Deutsche Post/DHL, Deutsche Telekom, EMC², Ernst & Young, Evonik, Fresenius, Gebr. Heinemann, Merck, Munich Re, Orange, Rohde & Schwarz sowie ThyssenKrupp, bieten 18 verschiedene Praktika an 18 verschiedenen Standorten weltweit an. Die jeweilige Kombination für den Studenten bleibt jedoch ein Geheimnis bis zum Vorstellungsgespräch im Dezember. Die dreimonatigen Praktika starten jeweils im April 2014. Die Studenten haben dabei die Chance, den Arbeitgeber in „Real-Life“ zu erleben, d.h. die Aufgabengebiete, Arbeitszeiten und Vergütung gelten pro Unternehmen. Da es einen Studenten mit unserer Kampagne jedoch auch an das andere Ende der Welt verschlagen kann, ist für alle 18 Praktikanten für einen Reise- und Mietzuschuss gesorgt. Bewerben kann man sich hierfür in weniger als fünf Minuten über www.blindapplying.com – der Upload des Lebenslaufes auf Englisch genügt. Wir verzichten für die Studenten und auch für uns auf lästige Phrasen und aufwendig erstellte Motivationsschreiben – wir sind auf die Qualifikationen und vor allem auf die Interessen der Bewerber gespannt.

 Julian: Wir bauen bei Blind Applying auf ein Bewerbungs-Modell für die Generation Y: Ich bewerbe mich einmal, und heraus kommt im besten Falle eine Stelle, die genau zu mir passt, die ich aber selber nie gefunden hätte. Ein Matching, bei dem ein Bewerber sein Profil eingibt und dann passende Empfehlungen bekommt, machen wir mit Entrypark seit 2007, doch Blind Applying geht viel weiter. Daher begeisterte uns die Idee des Gemeinschaftsprojekts von „Blind Applying“ auch sofort: Jedes Unternehmen garantiert einen Praktikumsplatz und zieht die besten Kandidaten am Ende noch für weitere Stellen in Betracht, so dass jeder Bewerber weiß, dass es wirklich um etwas geht.

Für die Arbeitgeber kommt dazu, dass sie ein breiteres Publikum ansprechen als sonst, vor allem außerhalb ihrer typischen „Fans und Freunde“. Wir kommunizieren die Kampagne weltweit über das International Career Book und Entryparks Partner-Hochschulen. Und am Ende kann jedes Unternehmen auf alle Kandidaten zugreifen.

saatkorn.: Wie ist die Idee entstanden und welche Ziele werden mit dem Projekt verfolgt?
Sabine:
Ganz ehrlich? …beim Urlaubspläne-schmieden in der Kaffee-Pause. Ich konnte mich nicht entscheiden, wohin die nächste Reise gehen soll – Soooo viel Angebot, doch wer sagt mir, dass es mir tatsächlich dort gefällt? Was zu mir passt? Und…? Vielleicht gibt es ja noch mehr, von dem ich bisher gar nichts weiß? Am liebsten einfach einen Freund buchen lassen und nicht wissen, wohin es geht – Überraschung und dennoch auf meine Interessen abgestimmt. Wir sponnen diese Idee weiter Richtung Recruiting und erkannten dabei ähnliche Umweltfaktoren für den Studenten. Doch eines fehlte: das passende Angebot dazu. Wer sagt denn, dass das Bewerben immer nach dem 0-8-15-Prinzip verlaufen muss? Mit Blind Applying verbinden wir Abenteuer und Perspektive. Und für die Unternehmen ist auch jede Menge drin. Die Idee gefiel und gemeinsam mit meinem Vorgesetzten, Frank Staffler, Leiter Personalmarketing der Deutschen Telekom, präsentierten wir die erste Konzeptidee auf dem Future Forum von Potentialpark im Juni 2013.

Julian: Uns hat die Idee überzeugt, weil sie für alle einen echten Mehrwert hat. Als Sabine und Frank Blind Applying bei uns auf dem Future Forum präsentiert haben, haben die anderen Unternehmen sofort Feuer gefangen, aber auch viele gute Fragen gesammelt, die vor dem Start geklärt werden mussten. Wir haben uns der Aktion als Partner angeschlossen, der die Umsetzung, die weltweite Marketing-Kampagne über Entrypark und das Bewerber-Management beiträgt. Für uns ist es auch ein Abenteuer, und wir freuen uns, dass Sabine und Frank damit auf uns zugekommen sind, weil wir finden, Blind Applying und Entrypark passen perfekt zusammen, und hieraus kann noch viel entstehen.

Sabine: Wir freuen uns über das große Interesse und Vertrauen. Denn auch die Unternehmen überzeugte das Pilot-Projekt. Warum?

  1. Wir gehen auf die Bedürfnisse der Generation Y ein: Abenteuer und Perspektive vereint
  2. Wir übernehmen die Jobsuche für die Studenten und können dabei unsere Vielfältigkeit an Berufsfeldern zeigen – mehr als manche Studenten für die jeweiligen Branchen vermuten würden und
  3. gemeinsam erreichen wir mehr als alleine. Mit unserem Projekt-Team aus 18 Top-Arbeitgebern und Entrypark haben wir über 20 Köpfe mit jahrelanger Projekt-, Zielgruppen- und Kampagnen-Erfahrung. Die Lust neben dem Daily Business gemeinsam mit Kollegen der beteiligten Unternehmen länderübergreifend an einer neuen und ungewöhnlichen Idee zu arbeiten verbindet.

Eines unserer Ziele haben wir damit bereits erreicht: innerhalb von vier Monaten haben wir alle gemeinsam eine internationale Gemeinschaftskampagne geschaffen, bei der nur eines im Mittelpunkt steht – der Student.

saatkorn.: Gibt es schon irgendwelche (Test-)Ergebnisse, möglicherweise auch aus anderen Ländern, die Hinweise auf einen möglichen Erfolg der Initiative geben?
Sabine:
Wie gesagt, auch für uns 18 Unternehmen ist und bleibt es dieses Jahr ein großes Abenteuer. Für uns heißt es in der Bewerbungsphase bis 17. November zu beobachten: Wie kommt die Kampagne bei der Zielgruppe an? Treffen wir den Nerv, die Bedürfnisse? Und dann werden wir Mitte November weitersehen. Wir haben uns bemüht, alle aus Potentialparks OTaC-Studie bekannten Bedürfnisse zu integrieren, so zum Beispiel die gesicherte Antwort auf eine Bewerbung/Anfrage. Jeder Student erhält mit Blind Applying eine Antwort – egal ob er einer der 18 abenteuerlustigen Praktikanten wird oder für andere Karriere-Angebote der 18 Arbeitgeber interessant ist.

Julian: Wir wissen aus Potentialparks OTaC-Studien zudem, dass Jobsucher der GenY sich freuen, wenn sie nicht mehr suchen müssen, sondern gefunden werden. Sie möchten maßgeschneiderte Karriere-Möglichkeiten und personalisierte Informationen. Matching und Selbst-Identifikation sind auch etwas, auf das Blind Applying aufbaut. Dazu erfüllt es die Erwartungen, dass sich Arbeitgeber etwas einfallen lassen müssen, um aufzufallen, und gern auch mal Abenteuer anbieten dürfen. Wir glauben deshalb, dass die Kampagne in die Zeit passt.

saatkorn.: Wie wird das Thema bekannt gemacht? Welche Rolle spielt Social Media?
Sabine:
Der rote Faden unserer Gemeinschaftskampagne ist und bleibt das Abenteuer und Geheimnis. Auch unser Kampagnenauftakt reiht sich diesem ein. Für einen Tag tauschten die Unternehmen im Rahmen eines Posts die Facebook-Seiten untereinander und machten mit dem Slogan „WE WANT YOU“ in Verbindung mit den Logo des anderen Unternehmen auf unseren Schritt im War for Talents aufmerksam. Verwirrte Fans sowie fragende Kommentare waren die Folge: „Evonik macht Werbung für Merck – MERCKwürdig :-)“, „haben eure Agenturen das Logo vertauscht“, „kommt jetzt jedes Fahrzeug von euch mit kostenlosem LTE-Router von der Telekom?“, „need more information pls. Can not wait anymore“. Ok, am Dienstag um 10 Uhr lösen daraufhin alle Unternehmen das Rätsel auf: „WE ALL WANT YOU – Jetzt bewerben für Blind Applying“. Mit allen 18 Unternehmensseiten haben wir eine Community über 533.000 Fans. Neben der internationalen Vermarktung durch Entrypark nutzen wir Unternehmen unsere eigenen Online- und Print-Medien für Blind Applying.

Julian: Entryparks Career Book erreicht seit 2009 jeden Herbst mehrere hunderttausend Studenten über unser weltweites Hochschulnetzwerk, sowohl digital und über Social Media, als auch mit 100.000 Print-Ausgaben des Career Books. Dieses Jahr bewerben wir dabei Blind Applying als Haupt-Attraktion und wollen damit viele Studenten außerhalb der bestehenden Communitiy der teilnehmenden Arbeitgeber erreichen.

saatkorn.: Was war für die Deutsche Telekom der Grund, „Blind Applying“ zu initiieren?
Sabine:
Nun, wir hatten einfach Lust auf etwas Neues – anders und quer zu denken -, wir hatten eine Idee – 18 Unternehmen gemeinsam für Studenten -, wir hatten eine Chance und diese haben wir genutzt. In meinen Augen stehen viele Unternehmen vor ähnlichen Herausforderungen: Ob es ein festverankertes Unternehmensimage oder die fehlende Bekanntheit in den Köpfen der Studenten ist, der Talent-Pool oft aus den gleichen Kandidaten-Profilen besteht etc. Es gibt für jedes Unternehmen individuelle Gründe. Mit Blind Applying möchten wir einen weiteren Schritt auf die Studenten und die „Hidden Talents“ zugehen. Mit abenteuerlustigen Studenten in direkten Kontakt treten und weitere spannende Persönlichkeiten kennen lernen. Das gleiche möchten wir andersherum aber auch den Studenten anbieten: Lernt uns direkt und persönlich kennen: Wer wir sind. Was uns ausmacht. Und wie es ist, mit uns gemeinsam an der digitalen Welt der Zukunft zu arbeiten.

Ich denke, jedes der teilnehmenden Unternehmen bringt seinen individuellen Überraschungseffekt aus den Arbeitsbereichen mit. Wer sagt, dass Bayer, BASF nur Chemiker suchen? Orange und Telekom nur Techniker? Oder Allianz nur Versicherungsvertreter? Lasst Euch überraschen.

Wir danken allen teilnehmenden Unternehmen und Unterstützern für den Einsatz und die Realisierung unseres gemeinsamen Pilot-Projekts. Jeder hat alles in Bewegung gesetzt, um die Idee Wirklichkeit werden zu lassen: ThyssenKrupp, Orange, Fresenius, BASF und Gebr. Heinemann, Munich Re und Potentialpark planten von Anfang an mit uns und sprudelten mit Ideen. Gemeinsam mit Bayer wirbelten wir noch einmal die Werbetrommel im Queb-Verband – erfolgreich! Heute haben wir 18 Arbeitgeber, Entrypark als Partner, 18 geniale Praktika-Stellen, tausend weitere Ideen – Jetzt bleibt nur noch die Frage, wie es bei den Studenten ankommt.

Julian: Und es wirkt: Innerhalb von zwei Tagen können wir bereits über 300 Teilnahmen an der Kampagne verbuchen und zählen über 600 Fans unserer Facebook-Webseite – We like!

saatkorn.: Dann vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit der Initiative!

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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