Benefits Studie von voiio: Interview mit Kerstin Michels

Benefits Studie von voiio. Interview mit Kerstin Michels

Benefits sind ein riesiges Thema. voiio hat nun eine spannende Benefits Studie veröffentlicht. Ich hatte Gelegenheit, ausführlich mit Co-Founderin und COO Kerstin Michels zu sprechen. Auf geht’s: 

SAATKORN: Kerstin – wir haben hier auf SAATKORN schon mehrfach über voiio berichtet. Wie geht es euch und welche Pläne verfolgt ihr gerade?

Uns geht es gut. Wir sind gerade in einer spannenden Phase bei voiio und sind intensiv dabei, unser Portfolio noch weiter auszubauen. Unser Ziel ist es, den Menschen und sein Wohlbefinden stärker in den Fokus zu rücken und so aktiv die Arbeitswelt von morgen zu ändern. Wir sind überzeugt: Zuallererst muss es den Menschen gut gehen, damit es auch dem Unternehmen gut gehen kann. Deshalb erweitern wir unsere Angebotspalette gerade um Themen wie Diversität, Nachhaltigkeit, mentale und physische Gesundheit, ein Employee Assistance Programm (EAP) und viele mehr.

Benefits Studie von voiio

SAATKORN: Ihr habt eine neue, sehr umfangreiche Studie zum Thema Mitarbeitendenbenefits veröffentlicht. Was war denn der Ausgangspunkt der Studie?

Ich glaube, alle Unternehmen wissen längst, dass Corona unsere Arbeitswelt nachhaltig verändert hat. Wir bei voiio sind der Meinung, dass sich auch die angebotenen Benefits ändern müssen – hin zu Vorteilen, die auch im Homeoffice oder Remote funktionieren. Wenn der Großteil der Arbeitszeit nicht mehr im Büro stattfindet, sind viele Benefits wie Dienstwagen, Jobtickets,  Vor-Ort-Sportangebote oder Obstkörbe einfach nicht mehr zeitgemäß und attraktiv.

Zugleich wissen wir, dass Mitarbeitendenbenefits wichtige Attraktivitätsmerkmale von Arbeitgebenden darstellen und für viele Menschen bewerbungsrelevant sind. Daher wollten wir verstehen, was genau die Mitarbeitenden eigentlich wollen.

1.500 Arbeitnehmende und 100 Unternehmen wurden befragt

SAATKORN: Wie ist das Setting der Studie und was habt ihr genau analysiert?

Wir haben gemeinsam mit einem Marktforschungsinstitut untersucht, welche Benefits sich Mitarbeitende wünschen und welche tatsächlich in ihrem Unternehmen angeboten werden.

Dazu haben wir insgesamt 1.500 Arbeitnehmende und über 100 Unternehmen befragt. Der Befragungszeitraum beider Erhebungen lag im Januar 2022. Die Ergebnisse, die wir daraus nun ermittelt haben, sind also ziemlich aktuell.

Klassische Benefits: am Bedarf vorbei

SAATKORN: Was sind denn die derzeit am meisten angebotenen Benefits für Mitarbeitende?

Anhand unserer Studienergebnisse sehen wir, dass derzeit vor allem klassische Benefits dominieren. Die betriebliche Altersvorsorge ist nach wie vor die gängigste Zusatzleistung in deutschen Unternehmen und wurde von mehr als der Hälfte als Benefit angegeben. Auf dem zweiten Platz (38,5%) folgen etwas überraschend Impfangebote an die Mitarbeitenden. Das ist eine neue Entwicklung, die erst in den letzten zwei Jahren zum Tragen kam.

Auf den nächsten Plätzen folgen schließlich weitere gewöhnliche Angebote, wie eine betriebliche Kantine, die 34% nannten sowie Mitarbeitendenrabatte und Jobtickets, die beide auf 27% kamen. Immerhin 26% nannten dazu den unvermeidlichen Obstkorb, den wir alle ja zur Genüge aus dem „Wir bieten“-Abschnitt in Stellenanzeigen kennen. Im Fazit muss man allerdings klar sagen: Diese konventionellen Angebote gehen völlig am Bedarf der Beschäftigten vorbei.

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Relevant für Arbeitgeberzufriedenheit: Work Life Balance

SAATKORN: Was wünschen sich die Mitarbeitenden genau?

Statt klassischer Benefits wünschen sich Mitarbeitende ganz andere Unterstützung von ihren Unternehmen. Da liefert unsere Studie klare Ergebnisse. In einem Ranking, inwieweit welche Benefits sich auf ihre Arbeitgeberzufriedenheit auswirken, setzt fast jeder zweite Teilnehmende Zusatzleistungen für Familie und Work-Life-Balance auf Platz 1 – mit Abstand das höchste Votum in dieser Hinsicht.

Das Problem daran: Gerade solche Angebote sind leider nur in den wenigsten Unternehmen ein echter Standard, was das jeweilige Benefit-Paket betrifft. Denn nur 11,8% der Mitarbeitenden profitieren aktuell von Zusatzleistungen im familiären Kontext. Ein Beispiel: Gerade einmal jeder zehnte Angestellte wird in der Pflege von Angehörigen unterstützt. In den Genuss von sogenannten Concierge-Serviceleistungen wie zum Beispiel Umzugshilfen oder Support bei alltäglichen Haushaltsdienstleistungen kommen gerade einmal 3,4% der in unserer Studie Befragten.

Homeoffice-fähige Benefits gefragt!

SAATKORN: Zwei Jahre Pandemie haben die Arbeitswelt enorm verändert. Das Homeoffice ist zum festen Arbeitsort geworden, an dem ein anderer Arbeitsalltag die Regel ist, als wir das aus aus den Unternehmensstandorten kennen. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf Zusatzleistungen? 

Da sprichst du genau den richtigen Punkt an. Die Arbeitswelt der Zukunft wird hybrid, wenn nicht sogar ganz im Homeoffice stattfinden. Unsere Studie liefert auch dazu wertvolle Ergebnisse und die zeigen sehr deutlich, dass Beschäftigte Homeoffice-fähige Benefits vermissen. Mehr als die Hälfte, nämlich 51%, sind derzeit der Auffassung, dass ihr Unternehmen in dieser Hinsicht keine geeigneten Angebote im Portfolio hat. Diese Sichtweise ist für die Unternehmen vor allem deswegen heikel, weil Fachkräfte bei ihrer Jobauswahl jetzt schon genau darauf achten, ob potenzielle Arbeitgebende Zusatzleistungen anbieten, die auch unabhängig des Unternehmensstandortes wirken.

Fast zwei Drittel (63%) von ihnen geben an, dies bei ihrer Jobsuche im Blick zu haben. Gleichzeitig gehen die Arbeitgebenden selbst fälschlicherweise davon aus, dass ihr gegenwärtiges Angebot an Homeoffice-Benefits absolut ausreicht. 88% von ihnen sind der Meinung, dass sie genügend derartige Zusatzleistungen im Angebot haben – laut Studienergebnissen eine fatale Fehleinschätzung.

Individuelle Passung relevant

SAATKORN: Der unvermeidliche Obstkorb am Empfang, Zuschüsse zu Fitnesskursen, ein eigener Barista im Unternehmen sind Beispiele für neue Wohlfühl-Benefits. Die vermögenswirksamen Leistungen oder Zuschüsse zur Altersvorsorge dagegen sind Beispiele für traditionelle Zusatzleistungen, die die Zeit scheinbar überdauern. Wie seht ihr die Zukunft der Benefit-Leistungen im New Work?

Der New-Work-Begriff bezieht sich ja unter anderem auf die Entfaltungsmöglichkeiten von Mitarbeitenden in einem Arbeitsmarkt, in dem sie zunehmend selbst die Spielregeln bestimmen. Das heißt: Arbeitgebende sind gut beraten, jetzt Benefits zu entwickeln, die deren Arbeitswirklichkeit und Bedürfnisse aufgreifen.

Was sie sich wünschen, zeigt unsere Studie an einem Beispiel sehr schön. So haben wir die Teilnehmenden gebeten, ein Benefit-Budget von 1.000 Euro selbst zu verteilen. Hintergrund: Statistische Erhebungen besagen, dass Unternehmen in Deutschland ungefähr diesen monetären Rahmen in Zusatzleistungen investieren. Die Ergebnisse waren sehr spannend, weil sie zeigen, wie die Mitarbeitenden selbst die Zukunft von Zusatzleistungen im New-Work-Umfeld sehen.

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Den Löwenanteil von 293 Euro (29,3%) würden sie für die Kategorie „Familie und Work-Life-Balance“ ausgeben, knapp 15% für Gesundheitsprogramme sowie 13% für Angebote zur Mobilität. Für den Bereich „Finanzen und Recht“, dem zum Beispiel betriebliche Altersvorsorge oder vermögenswirksame Leistungen zugeordnet werden, würden sie dagegen nur 9% des Budgets locker machen. Die parallele Unternehmensbefragung ergab indes eine tatsächliche Praxis, die dem Wunschbild der Belegschaften völlig entgegensteht. Denn mehr als die Hälfte der Unternehmen investiert tatsächlich weniger als 5% des Budgets in familienfreundliche Zusatzleistungen.

Benefits werden für Jobentscheidung wichtiger

SAATKORN: Etwas provokanter gefragt: Sind Benefits überhaupt zentrale Argumente für Bewerbende, wenn die nach einem neuen Job suchen?

Da sprechen die Zahlen der Arbeitgebenden-Bewertungsplattform und unseres Studienpartners kununu eine sehr deutliche Sprache. Dort wurden mehr als 5 Millionen Bewertungen auf Mitarbeitenden-Feedback zu Benefits analysiert. Im Zentrum stand die Frage, welche Rolle Benefits in den Erfahrungsberichten der Mitarbeitenden und Bewerbenden spielten.

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Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Anzahl an Bewertungen, in denen auch Zusatzleistungen bewertet wurden, stieg in den letzten drei Jahren um satte 62% an. Wir sehen hier also: Menschen haben Benefits absolut auf dem Schirm und die Tendenz diesbezüglich ist steigend. Unternehmen, die hier nicht mit neuen und modernen Angeboten überzeugen, verschwinden schnell aus dem Blickfeld der Jobsuchenden.

voiio Studie: Benefits neu denken!

SAATKORN: Was ratet ihr Unternehmen auf Basis der Ergebnisse eurer Studie? Auf welche Benefits sollten sie zukünftig bauen und auf welche eher verzichten?

Zunächst einmal gilt es, Benefits neu zu denken, um in einem Kandidatenmarkt überhaupt bestehen zu können. Bei dieser Neuorientierung sollten wie gesagt die Wünsche der Mitarbeitenden berücksichtigt werden. Unsere Studie macht deutlich: Die Benefits der Zukunft sind familienfreundlich und fördern eher die Work-Life-Integration von Mitarbeitenden, als dass sie die Altersvorsorge um ein paar Cent aufstocken.

Zum Wohlbefinden beitragen

SAATKORN: Was bedeutet das konkret?

Arbeitgebende, die für gefragte Fachkräfte attraktiv bleiben wollen, sollten einen neuen Mix an Zusatzleistungen anbieten. Das heißt nicht, dass morgen der Obstkorb aus dem Empfang verschwinden oder die betriebliche Altersvorsorge eingestampft werden muss. Allerdings sollte den Unternehmen klar sein, dass sie mit diesen Angeboten kaum noch Retention erzielen. Den Unterschied im Wettbewerb um die besten Talente machen in Zukunft Benefits, die die Menschen emotional außerhalb der Arbeitswelt abholen und dort ihre Work-Life-Integration verbessern.

Ziel der Unternehmen muss es sein, zu ihrem Wohlbefinden beizutragen. Konkret kann das vieles sein. Gemeinschaftliche Familienerlebnisse gesponsert vom Arbeitgebenden sind ein Ansatz. Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen, etwa bei der Pflege von Angehörigen, kann ein anderer sein.

Jetzt als Arbeitgeber handeln!

SAATKORN: Wann ist dafür der richtige Zeitpunkt? Wie viel Zeit bleibt Arbeitgebern, um solche Programme zu entwickeln?

Grundsätzlich ist der Zeitpunkt jetzt der genau richtige, um neue Benefits zu entwickeln. Die Arbeitswelt startet in eine neue Zeit – einen besseren Ausgangspunkt, neue Ideen zu schaffen, gibt es nicht. Voiio helfen übrigens auch gerne dabei.

SAATKORN: Wo kann man denn die gesamte Studie bekommen?

Die Studie könnt Ihr Euch kostenlos HIER downloaden.

SAATKORN: Kerstin, herzlichen Dank für das Interview. Und weiterhin viel Spaß und Erfolg mit und bei voiio!

voiio auf dem #RC22 Festival

voiio kannst Du übrigens auf dem #RC22 Festival live erleben. HIER gibt’s noch letzte Tickets. Schnell sein lohnt sich, wir werden vermutlich in den nächsten Tagen ausverkauft sein.

 

 

 

 

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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