Alles zum Universum Student Survey 2016

Der Universum Student Survey 2016 liegt vor. Und trotz Dieselgate brettern die Automobilhersteller in allen Rankings ganz nach vorn, sowohl bei Wiwis wie Ingenieuren, bei Männlein und Weiblein. Allerdings nicht alle Automobilhersteller…

Alljährlich befragt Universum Studenten nach Arbeitgebern, Treibern für Arbeitgeberattraktivität und langfristigen Karrierezielen. Ich hatte Gelegenheit mit Universum Country Manager Stefan Lake über die diesjährigen Ergebnisse zu sprechen. Auf geht’s:

saatkorn.: Die Ergebnisse des Universum Student Survey 2016 liegen vor. Eine erste Erkenntnis: der Siegeszug der Automobilbauer setzt sich fort, trotz Dieselgate. Wie erklären Sie sich das?
Die gesamte Branche der Automobilhersteller konnte sich trotz des Gegenwinds im Arbeitgeberranking behaupten. Dennoch ist es überraschend, dass Volkswagen – und dieses Unternehmen steht ja im Fokus des Abgasskandals – nicht weiter abgerutscht ist. Ein Verlust von 5 Prozentpunkten sowohl bei den Studierenden der Wirtschafts- als auch der Ingenieurwissenschaften ist zwar eine erhebliche Einbuße, aber im Ranking drückt sich das bei den Studierenden beider Fachbereiche nur in einem Verlust von zwei Positionen aus.

Die Automobilisten sind trotz Dieselgate extrem beliebt...
Die Automobilisten sind trotz Dieselgate extrem beliebt…

Ich hatte auch erwartet, dass die anderen Autobauer stärker einbrechen. Aber auch die haben nur wenige Prozentpunkte verloren und sind im Ranking nahezu unverändert. Eine Erklärung ist sicher, dass die gesamte Branche über die Jahre mit gutem Personalmarketing Vertrauenskapital aufgebaut hat. Aber Vertrauen baut sich langsam auf und schwindet schnell. Wenn Volkswagen und die anderen Automobilhersteller das verlorene Vertrauenskapital nicht schnell wieder zurückgewinnen ist ein Absturz im Ansehen als Arbeitgeber nahezu unvermeidlich.

saatkorn.: Aber unterstützt das letztlich nicht ein großes Vorurteil den Arbeitgeber-Rankings gegenüber: beurteilen hier nicht Personen, die eigentlich gar keine Ahnung von den Arbeitgebern an sich haben? Werden möglicherweise nicht ganz andere Imagefaktoren, als die Arbeitgeberattraktivität belohnt?
Arbeitgeber-Rankings sind Imagerankings. Der Einwand, dass hier Personen, die den Arbeitgeber im Detail gar nicht kennen, einen Arbeitgeber bewerten, zielt in die falsche Richtung. Arbeitgeber werden unter einer Vielzahl von Aspekten betrachtet. Um herauszufinden, was jungen Talenten bei den Unternehmen besonders wichtig ist, hat Universum ein Rahmenwerk der Treiber der Arbeitgeberattraktivität entwickelt. Es bezieht sich auf Aspekte, die das Ansehen und Image des Arbeitgebers betreffen, auf Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten, auf das soziale Umfeld und Eigenschaften des Arbeitsplatzes sowie auf die Anforderungen des Jobs. Dieser Analyserahmen erlaubt uns herauszufinden, welche Aspekte ein Unternehmen für Studierende und junge Berufstätige besonders attraktiv machen. Unsere Umfragen zeigen, dass die Autobauer die Erwartungen der jungen Talente an einen attraktiven Arbeitgeber nach wie vor erfüllen.

Automobilbranche für beide Geschlechter attraktiv

saatkorn.: Gibt es eigentlich Unterschiede in der Beurteilung von Männlein und Weiblein? – Wie sieht es mit dem Gender Gap im Universum Student Survey 2016 aus?
Die Automobilhersteller sind für Männlein und Weiblein gleichermaßen attraktiv, aber bei einigen Unternehmen gibt es durchaus einen Gender Gap. Lufthansa liegt bei den Wirtschafts- und Betriebswissenschaftlerinnen zum Beispiel auf dem zweiten Platz, bei den Männern auf Platz neun. Und ProSiebenSat1. Media schafft es bei den Wirtschafts- und Betriebswissenschaftlerinnen auf den achten Platz, bei den Männern aber mit Platz 29 gerade mal in die Top 30.

Auch bei den Studierenden der Ingenieurwissenschaften gibt es solche geschlechtsspezifischen Unterschiede: HOCHTIEF liegt bei den Frauen auf Platz neun, bei den Männern auf Platz 17. Und wie in früheren Jahren stellen wir auch dieses Jahr wieder einen Gender Pay Gap fest – in diesem Fall auf das erwartete Jahresgehalt bezogen. Während über alle Fachbereiche hinweg weibliche Studierende ein durchschnittliches Jahresgehalt von 38 585 Euro erwarten, gehen die Männer von 45 537 Euro aus: ein Unterschied von nahezu 7000 Euro!

Deutsche Bank und Deutsche Börse verlieren

saatkorn.: Welche Branchen befinden sich auf Basis des Universum Student Survey 2016 im Aufwärts-, welche im Abwärtstrend?
Die Automobilhersteller sind für die Studierenden der Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften weiterhin die attraktivsten Arbeitgeber. Wie im Vorjahr liegen Audi, BMW, Porsche und Daimler/Mercedes-Benz auf den ersten Plätzen. Für die Nachwuchsökonomen sind auch die Unternehmens- und Strategieberatungen weiterhin attraktiv. So kann zum Beispiel McKinsey den im Vorjahr errungenen achten Platz halten und PwC rückt um eine Position auf Platz zwölf vor. Auch bei den Informatikern und den Naturwissenschaftlern sind die Unternehmensberatungen als Arbeitgeber attraktiv und unter den Top-Ten-Branchen vertreten. Während sich internationale Banken wie Goldman Sachs und J.P. Morgen leicht verbessern können, hält bei den inländischen Finanzinstitutionen der Abwärtstrend an. Die Deutsche Bank verliert im Vergleich zum Vorjahr noch einmal vier Positionen und liegt in der aktuellen Umfrage auf Platz 25. Auch die Deutsche Börse sinkt im Ranking ab – von Platz 41 im Vorjahr auf Platz 48 im aktuellen Ranking.

saatkorn.: In den vergangenen Jahren war für Studenten stets eine Mischung aus attraktivem Grundgehalt, vielfältigen Aufgaben und freundlichem Arbeitsumfeld relevant. So auch im Universum Student Survey 2016. Gibt es eigentlich überhaupt Veränderungen in den Arbeitgeberattraktivitätstreibern?
Der wichtigste Treiber der Arbeitgeberattraktivität – ein attraktives Grundgehalt – erweist sich als erstaunlich stabil und zwar quer über die Fachbereiche hinweg. Das ist ein echter Dauerbrenner, ebenso wie „vielfältige Arbeitsaufgaben“, „ein freundliches Arbeitsumfeld“, „ein hohes Einkommen in der Zukunft“ sowie „ein sicherer und beständiger Arbeitsplatz“.

Die wichtigsten Treiber von Arbeitgeberattraktivität
Die wichtigsten Treiber von Arbeitgeberattraktivität

Allerdings lohnt es sich durchaus, sich genau anzusehen, wie weibliche und männliche Studierende die Treiber der Arbeitgeberattraktivität beurteilen. Da zeigen sich nämlich erhebliche Unterschiede: So sind beispielsweise Frauen Aspekte, die sich auf monetäre Vergütung und Zusatzleistungen beziehen, besonders wichtig. Männer nennen dagegen häufiger Aspekte, die sich auf Ansehen und Image des Arbeitgebers beziehen. Für die Frauen ist es auch wichtig, dass der Arbeitgeber eine gute Referenz für die zukünftige Karriere ist, rasche Beförderung sowie ein hohes Gehalt in der Zukunft bietet. Männer nennen dagegen häufiger als die Frauen, dass attraktive Produkte und Dienstleistungen sowie der Aspekt der Innovation für sie eine wichtige Rolle bei der Beurteilung der Attraktivität des Arbeitgebers spielen.

Langfristiges top 1 Karriereziel: Work Life Balance

saatkorn.: Kommen wir zum Dauerbrenner Work Life Balance. Welche Rolle spielt dieses Thema im Universum Student Survey 2016?
Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben – also die Work-Life-Balance – ist schon seit einigen Jahren das wichtigste langfristige Karriereziel der jungen Talente. Auch im Universum Student Survey 2016 nimmt die Work-Life-Balance den ersten Platz ein.

Work Life Balance: das wichtigste langfristige "Karriereziel" ;-)
Work Life Balance: das wichtigste langfristige „Karriereziel“ 😉

Es folgen Jobsicherheit, intellektuelle Herausforderung, der Wunsch, eine Führungskraft in leitender Position und im Job unternehmerisch und kreativ zu sein. Wenn man die Studierenden fragt, was sie mit Work-Life-Balance verbinden, lauten die Antworten: ein positives Arbeitsklima, finanzielle Stabilität und dass sich Familien- und Karriereplanung nicht stören.

saatkorn.: Gibt es im Universum Student Survey 2016 Ergebnisse, die Sie persönlich überrascht haben?
Am meisten überrascht hat mich, dass sich die Automobilhersteller trotz des Abgasskandals so gut im Arbeitgeberranking behaupten konnten. Ein weiteres Ergebnis unserer Umfrage, das mich allerdings jedes Jahr aufs Neue überrascht, ist der sogenannte Gender Pay Gap – also Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei den Erwartungen an das Gehalt.

Gender Pay Gap: auch noch im Jahr 2016...
Gender Pay Gap: auch noch im Jahr 2016…

Dass dieser Gender Pay Gap bereits zu beobachten ist, noch bevor der erste Job überhaupt angetreten wird, ist durchaus überraschend. Von den weiblichen jungen Talenten hätte ich erwartet, dass sie bei der Frage nach dem Gehalt ebenso selbstbewusst auftreten wie ihre männlichen Pendants.

saatkorn.: Herr Lake, vielen Dank für das Interview.

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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