Azubi Recruiting Trends 2018: Snapchat? Nein Danke!

Gastbeitrag zu den AZUBI RECRUITING TRENDS 2018
von Felicia Ullrich und Prof. Dr. Christoph Beck

2018 erscheint die Studie „Azubi-Recruiting Trends“ zum neunten Mal. Anfang Januar ging die entsprechende Umfrage online. Seit Beginn des Jahres haben schon rund 3.800 Auszubildende, Schüler und Ausbildungsverantwortliche an Deutschlands größter doppelperspektivischer Untersuchung zum Azubi-Marketing und -Recruiting teilgenommen. Die Umfrage läuft zwar noch bis Ende März. Wir können den Lesern des saatkorn-Blogs aber schon heute exklusiv erste Einblicke in die Azubi Recruiting Trends 2018 geben.

Azubis haben die Wahl

Zur Erinnerung: 2017 haben über 3.500 Schüler, Auszubildende und Ausbildungsverantwortliche an der bundesweiten Umfrage teil. Die Azubi Recruiting Trends Studie sorgte in den vergangenen Jahren immer wieder für Überraschungen und löste ein starkes Medienecho aus, berichtet haben neben saatkorn und anderen HR-Fachmedien unter anderem die Online-Magazine WiWo, stern.de und SPIEGEL online. 2017 konnten wir zeigen, dass sich ein Großteil der Azubi-Bewerber heute die Ausbildung aus mehreren Angeboten auswählen kann. Die ersten 2018er Ergebnisse scheinen diesen Befund zu bestätigen:

  • Deutlich mehr als die Hälfte der Azubis erhält heute mehr als ein Angebot für einen Ausbildungsplatz und hat damit die Wahl.
  • In Bewerbungsgesprächen würden die meisten Azubis und Schüler gerne danach gefragt werden, wie das Arbeitsumfeld gestaltet werden muss, damit ihnen die Arbeit Spaß macht.

Frei nach dem Motto „holt mich ab, denn hier geht es um mich“, zeigt dieser Befund, dass sich der Ausbildungsmarkt gedreht hat und einem Großteil der Bewerber die geänderten Marktverhältnisse in Fleisch und Blut übergegangen sind.

Nichtanpassung an einen geänderten Markt

Die Azubi Recruiting Trends 2018 zeigen, dass sich viele Ausbildungsbetriebe noch nicht auf die geänderte Marktsituation eingestellt haben. Sie halten an Gewohnheiten aus der Zeit fest, als Ausbildungsbetriebe noch in der bequemen Lage waren, sich „Ihre Azubis“ aus einer Fülle von Bewerbungen auszusuchen. Dazu ein Beispiel:

  • In Stellenanzeigen werden die Anforderungen an die Azubis nach wie vor von den Ausbildungsbetrieben am höchsten priorisiert – deutlich höher als etwa entsprechende Verkaufsargumente, die für den Ausbildungsbetrieb sprechen.
  • Eine große Mehrheit der Azubis wünschen sich in Stellenausschreibungen deutlich mehr Informationen darüber, welche Möglichkeiten sie nach der Ausbildung im Betrieb haben.

In Bewerbungsgesprächen zählen für die Azubis übrigens vor allem Nettigkeit und Sympathie auf Seiten ihrer Gesprächspartner. Aber sehr viele Ausbildungsbetriebe sehen die Gespräche vorrangig immer noch als Teil eines Auswahlverfahrens, nicht als Gelegenheit, bei der sie gegenüber den Bewerbern Punkte machen müssen. Die Kunst besteht heute nicht darin, Auswahlgespräche als erweiterte Prüfung zu gestalten, sondern Auswahlgespräche mit Erkenntnisgewinne für beide Seiten zu führen. Am Ende sollten Bewerber das Gefühl haben, eine Einladung anzunehmen.


Snapchchat? Nein Danke!

Eine absolute Überraschung der Azubi Recruiting Trends 2018 stellt für uns das Medienverhalten der Azubis dar. Unter Kennern gilt es erstens als ausgemacht, dass jüngeren Bewerberzielgruppen die E-Mail als Kommunikationsmedium so fremd ist wie Fünfzigjährigen das Grammophon als Endgerät des Alltags, mit dem sie Musik hören. Zweitens wird der Ruf laut, doch stärker auf „junge“ Netzwerke und Tools in der Azubi-Kommunikation zu setzen.

Demgegenüber zeigt eine erste Auswertung der Azubi-Recruiting Trends 2018: Zum einen ist der Gebrauch von E-Mails in der jungen Generation höher als gedacht, zum anderen legen die Azubi-Bewerber dem Gebrauch moderner Kommunikationskanäle wie WhatsApp oder Snapchat durch Ausbildungsbetriebe mehrheitlich eine ziemlich große Skepsis an den Tag. „Würdest Du einem potenziellen Arbeitgeber auf Snapchat folgen, um Dich über das Unternehmen zu informieren?“. Die meisten Antworten darauf fallen eindeutig negativ aus: „Nein, da Snapchat leider etwas sehr Kindisches hat, und das sollte lieber mit Freizeit und Freunden verbunden werden, als mit Arbeit“, schreibt ein Azubi-Teilnehmer.

Digitale Fitness der Azubis

Ein besonderes Augenmerk gilt in diesem Jahr der digitalen Fitness von Azubis und Ausbildungsbetrieben. Ist die Generation Azubi uneingeschränkt „digitalisierungskompetent“? Abweichungen im Selbst- und Fremdbild der Generation werfen hier einige Fragen auf. Nach unserem ersten Eindruck schätzen Ausbildungsverantwortliche die Azubis in mancher Hinsicht als digitalisierungskompetenter ein, als die Azubis das selbst tun. Beim Berichtsheft, das ja seit 2017 auch digital bei den IHKs eingereicht werden kann, neigen die Azubis mehrheitlich nicht zur rein digitalen Lösung. So möchte ein Großteil der Azubis das Berichtsheft zwar digital führen, es dann aber eher in gedruckter Form übergeben.

Jetzt teilnehmen!
Die endgültigen und vollständigen Ergebnisse der Azubi Recruiting Trends 2018 Studie werden ab Mai 2018 veröffentlicht. Noch bis Ende März können Ausbildungsverantwortliche unter www.testsysteme.de/studie an der Studie teilnehmen. Unter diesem Link sind auch weitere Informationen zur Studie sowie die älteren Ausgaben verfügbar. Azubis und Schüler nehmen unter www.ausbildungsstudie.de an der Studie teil.

Felicia Ullrich ist Initiatorin der jährlich durchgeführten Studie Azubi-Recruiting Trends und Geschäftsführerin des Solinger Ausbildungsspezialisten u-form Testsysteme. Ullrich hat sich den vergangenen Jahren als Keynotespeakerin für Ausbildungsthemen deutschlandweit einen Namen gemacht.

Prof. Dr. Christoph Beck (Hochschule Koblenz) ist für die wissenschaftliche Begleitung der Studie verantwortlich. Beck, einer der führenden Experten für Recruiting und Employer Branding in Deutschland, begleitete die Untersuchung auch schon in den zurückliegenden Jahren wissenschaftlich.

 

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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