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Gero Hesse
Gero Hesse Founder SAATKORN & CEO EMBRACE

Organizational Performance: Joachim Rotzinger von Ingentis im Interview

Joachim Rotzinger Ingentis HR Tech WorkTech SAATKORN

Ich begleite Joachim Rotzinger und Ingentis auf SAATKORN bereits seit vielen Jahren. Was mich an Joachim und seinem Team begeistert: Während viele im HR-Tech-Markt über Prozesse, Recruiting oder KI sprechen, denkt Ingentis konsequent Organisation weiter – datenbasiert, strategisch und mit einem klaren Blick auf den Unternehmenserfolg. Umso gespannter war ich auf den neuen Organizational Performance Report 2026. Im Interview sprechen wir darüber, warum gutes Organisationsdesign ein echter Wettbewerbsfaktor ist, weshalb Deutschland gegenüber den USA zurückliegt und welche Konsequenzen Unternehmen jetzt ziehen sollten.
Auf geht’s: 

SAATKORN: Joachim, bitte stelle Dich den wenigen SAATKORN Leser:innen, die Dich nicht kennen, einmal kurz vor.

Gerne. Mein Name ist Joachim Rotzinger, ich bin CEO des Softwareanbieters Ingentis. Seit mehr als 20 Jahren beschäftige ich mich mit HR-Tech und der Frage, wie Unternehmen ihre Organisationen zukunftsfähig gestalten können. Bei Ingentis unterstützen wir Unternehmen dabei, ihre Organizational Performance nachhaltig zu steigern, also Organisationen leistungsfähiger, anpassungsfähiger und zukunftssicher aufzustellen. Dafür verbinden wir Organizational Analytics, Organizational Design und Strategic Workforce Planning auf einer integrierten Plattform. Unsere Lösungen machen Unternehmensstrukturen und Workforce-Daten transparent, ermöglichen umfassende Analysen zum Strategie-Fit der unternehmerischen Aufstellung. Darauf aufbauend ermöglichen wir datengestützte Simulationen zukünftiger Szenarien und helfen Unternehmen so, bessere organisationale Entscheidungen zu treffen. Mehr als 2.000 mittelständische und Enterprise-Unternehmen weltweit in über 50 Ländern nutzen unsere Plattform bereits, und wir freuen uns über konstantes globales Wachstum.

Warum Organizational Performance jetzt auf die Agenda gehört

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SAATKORN: Vor einigen Wochen ist der Organizational Performance Report 2026 erschienen. Warum braucht es diese Studie und wer wurde hier befragt?

Wir erleben, dass Unternehmen viel Energie in Talente, Führung und Kultur investieren. Die Gestaltung der Organisation selbst wird dagegen häufig noch unterschätzt. Dabei entscheidet gerade sie darüber, ob Menschen ihr Bestes geben können: Dave Ulrich hat gezeigt, dass Organisationsdesign einen rund viermal größeren Einfluss auf den Geschäftserfolg haben als individuelles Talent allein. Der „State of Organizations Report“ von McKinsey hat das Thema international stärker ins Blickfeld gerückt. Dennoch fehlten bislang Antworten auf einige zentrale Fragen. Nämlich: Wie trägt gute Organisation zur Leistungsfähigkeit von Unternehmen bei, was wirkt auf diese Performance ein und wie steht es darum in unseren Unternehmen? Also haben wir mit Professor Dr. Stephan Fischer von der Hochschule Pforzheim im Frühjahr dazu gut 1.200 Beschäftigte in deutschen und amerikanischen Unternehmen mit mehr als tausend Mitarbeitenden online befragt. In den USA waren es 605, in Deutschland 621. Darunter waren 110 Führungskräfte dreier Hierarchiestufen in Deutschland und 101 in den USA.

SAATKORN: Wie definiert Ihr “Organizational Performance”?

Vereinfacht gesagt verstehen wir darunter den Beitrag zum Geschäftserfolg, der sich durch die Gestaltung einer Organisation erklären lässt – also durch Strukturen, Verantwortlichkeiten, Zusammenarbeit, Entscheidungswege und die Art, wie Menschen organisatorisch zusammenwirken. Das Modell, das Stephan Fischer seinen Berechnungen zugrunde legt, ist demgegenüber etwas komplexer. Es greift zurück auf Studien zu „High Performance Work Systems“ und definiert Organisationale Performanz als Zusammenspiel von vier Treibern, nämlich Effizienz, Zielorientierung, Innovationsförderlichkeit und Anpassungsfähigkeit der Organisation, sowie drei Effektdimensionen, nämlich personale, produktive und finanzielle Leistungsfähigkeit.

Deutschland verliert den Anschluss

SAATKORN: Was sind die Kernergebnisse des Reports?

Das wichtigste Ergebnis: Weder amerikanische noch deutsche Unternehmen realisieren ihr Potenzial an Organizational Performance zufriedenstellend. Gemäß unserer Befragung gelingt das in den USA nur zu 70 Prozent, in Deutschland – einem Land, das sich mal als Organisationsweltmeister verstand – sogar nur zu 60 Prozent. In fast allen Treibern und Effektdimensionen liegen die Deutschen deutlich hinter US-Befragten zurück. Diese Lücke zu den USA erklärt sich besonders dadurch, dass die befragten Deutschen weniger Bewusstsein und Wertschätzung für die Organisationsthematik per se zeigen, erkennbare Defizite bei Change- und Reorganisationsfähigkeit sehen sowie datenbasierte Methoden der Visualisierung, Analyse und Gestaltung von Organisationsaspekten weniger schätzen und nutzen als ihre transatlantischen Peers.

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SAATKORN: Welche Ergebnisse haben Dich besonders überrascht?

Da gibt es wirklich ein paar Details, die ich ausgesprochen alarmierend finde. Zum Beispiel, dass nur knapp 17 % der befragten Deutschen Reorganisationen als erfolgreich erleben, dass fast jeder zweite Befragte in Deutschland angibt, Reorganisationen verliefen mühsam und zäh und nur jeder dritte die Bedeutung erkennt, die das Organisationsdesign für den Geschäftserfolg der Zukunft hat. Zum Vergleich: In den USA sehen diese Bedeutung immerhin knapp 56 Prozent der Befragten. Und was daran das Erschreckendste ist: Diese Schwächen drücken nicht nur auf den Geschäftserfolg, sondern auch auf die Stimmung! Die Zufriedenheits- und Zuversichtswerte sind in den USA um knapp zehn Prozentpunkte höher als in Deutschland.  Und sie korrelieren direkt mit dem Organisationsvermögen und dem Erfolg von Reorganisationen. Da verschenken wir wirklich enormes Potenzial, das wir ohne äußere Einflüsse heben könnten – indem wir einfach besser organisieren und reorganisieren.

Drei konkrete Empfehlungen für Unternehmen

SAATKORN: Welche strategischen Handlungsempfehlungen ergeben sich auf Basis des Reports für Unternehmen, insbesondere in Deutschland?

Erstens: Organisation als Leistungs- und Zufriedenheitsbooster verstehen! Anpassungsfähige, zielorientierte, innovationsförderliche und effiziente Strukturen und Abläufe sind ein Wettbewerbsfaktor.

Zweitens: Organisations- und Workforce-Aspekte zusammendenken! Was nützen die richtigen Talente zur richtigen Zeit am richtigen Ort, wenn sie dort nicht den Rahmen vorfinden, in dem sie ihr Bestes geben können?

Drittens: Datenbasiert entscheiden und gestalten! Wir haben alle nötigen Daten in unseren Unternehmen, um Organisationen und Belegschaften leistungsförderlich aufzustellen. Wir nutzen sie nur zu wenig oder, wie die Studie auch zeigt, im falschen Mindset: Gerade die Deutschen nutzen Daten noch stark zum Dokumentieren, Planen, Fortschreiben. Die US-Befragten legen demgegenüber eine transformativere Haltung an den Tag. Sie nutzen ihre Daten etwas häufiger zum Vorausschauen, Simulieren und Umbauen.

Download-Link für den Report

SAATKORN: Wo kann man den Report downloaden?

Das geht auf unserer Webseite . Wir freuen uns über alle, die das Potenzial ihrer Organisation besser verstehen und gezielt heben möchten. Dafür liefert der Report hoffentlich viele hilfreiche Impulse.

SAATKORN: Joachim, herzlichen Dank für das Interview und weiterhin viel Spaß und Erfolg mit Ingentis!

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