Studie zum Thema Stress am Arbeitsplatz

Passend zur Adventszeit heute mal das Thema Stress am Arbeitsplatz auf saatkorn. 😉 Dazu ist just eine interessante Studie erschienen. Ich hatte Gelegenheit, mit einem der Initiatoren, Enno Kuntze, zu sprechen. Auf geht’s:

saatkorn.: Bitte stellen Sie sich den saatkorn. LeserInnen doch kurz vor.

Enno Kuntze von massagio

Mein Name ist Enno Kuntze. Mein Mitgründer Alexander Freitag und ich haben massagio 2015 gegründet. Wir sind ein deutschlandweiter Onlineservice (aktiv in mehr als 20 deutschen Großstädten) für mobile Massage und Gesundheitsdienstleistungen. Mit nur wenigen Klicks buchen Kunden online ihren Wunschtermin an einen Ort der Wahl. Unsere Plattform ermittelt dann anhand der Kundenbedürfnisse und des Ortes automatisiert in kürzester Zeit den besten Therapeuten. massagio ist dabei so flexibel, wie die Kunden es sich wünschen. Einer unserer rund 500 qualitätsgeprüften, professionellen Massagetherapeuten ist in weniger als zwei Stunden beim Kunden. Das Beste: wir stehen täglich von 8 bis 22 Uhr zur Verfügung – 365 Tage im Jahr. Einer spontanen Entspannung an dem Ort Ihrer Wahl steht also ab heute nichts mehr im Wege.

Neben dem Angebot für Privatkunden hat massagio sich auch auf Firmenkunden spezialisiert. Unser Kundenkreis reicht dabei vom DAX-Konzern, über innovative Mittelständler bis hin zu jungen Internet Startups. Wir machen klar die Beobachtung, dass es immer mehr Unternehmen gibt, welche die Bedeutung von Gesundheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz verstehen und diese in die Unternehmensabläufe integrieren – ob zur Steigerung der Produktivität, Reduzierung von z.B. stressbedingten Krankheitstagen, als Differenzierungsmerkmal im “War for Talents” oder einfach nur als kleine Aufmerksamkeit für die Mitarbeiter. Durch unser großes Therapeutennetzwerk, das breit gefächerte Know-How und gestützt durch unsere innovative Kalenderlösung zielen wir auf eine langfristige, nachhaltig erfolgreiche Zusammenarbeit mit unseren Kunden.

saatkorn.: Ganz aktuell haben Sie eine große Studie zum Thema Stress am Arbeitsplatz veröffentlicht. Wer wurde wann befragt, was war das Setting der Studie?
Es handelt sich bei der Studie Stress am Arbeitsplatz um eine repräsentative Umfrage unter deutschen Arbeitnehmern, die wir mit Hilfe des Marktfoschungsinstituts Dr. Grieger & Cie. Marktforschung durchgeführt haben. Dabei wurden 1.005 Personen im Alter von 25 bis 60 Jahren, die in Voll- oder Teilzeit einer Bürotätigkeit nachgehen, befragt. Die Stichprobe wurde Bevölkerungsrepräsentativ quotiert für Alter, Geschlecht, Bundesland und Branche. Die Erhebung fand zwischen dem 14. und 20. Oktober 2016 statt.

Stress am Arbeitsplatz: 85 % der Arbeitnehmer fühlen sich gestresst

saatkorn.: Was sind die wesentlichen Ergebnisse der Studie Stress am Arbeitsplatz?
Das wohl wichtigste Ergebnis ist, dass 85 Prozent der Arbeitnehmer sich durch ihre Arbeit gestresst fühlen. Hier herrscht anscheinend eine massive Diskrepanz zur Wahrnehmung der Arbeitgeber. Lediglich 20 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Arbeitgeber Erholungsangebote zur Stressreduzierung anbietet.

Entscheidend hierbei ist aus unserer Erfahrung die Frage, welche Erholungsangeboten wirklich Effekte zeigen. Letztlich ist es natürlich nie nur 1 Maßnahme, sondern eine Kombination aus Beratung sowie aktiven und passiven Angeboten. Folgt man hierbei den Antworten der befragten Arbeitnehmer, sagen 80 Prozent, dass ihre eigene Leistungsfähigkeit durch ebensolche Maßnahmen gesteigert werden kann. Auch die Frage, ob Erholungsangebote die Arbeitsatmosphäre im Unternehmen beeinflussen, wird von 78 Prozent der Befragten als zutreffend beantwortet. Zu guter Letzt sind auch einige regionale und branchenspezifische Unterschiede aufgefallen. Arbeitnehmer aus Baden-Württemberg und Berlin gaben am häufigsten an, bei der Arbeit gestresst zu sein. Vor allem Befragte aus dem Bereich der Kreativwirtschaft, der Pharmaindustrie, der IT-Branche, dem Rechtswesen und der Telekommunikationsbranche sind stark durch Stress belastet.

Produktivitätsfresser Stress am Arbeitsplatz

saatkorn.: Gibt es etwas, was Sie persönlich an den Ergebnissen überrascht hat?
Was uns vor allem überrascht hat, ist das mit der hohen Stressbelastung zwischen 3 und 6 stressbedingte Fehltage pro Arbeitnehmer einhergehen. Selbst wenn man nur das untere Ende des Spektrums als Richtwert nimmt, ist Stress am Arbeitsplatz ein volkswirtschaftlicher Produktivitätsfresser, der aus Sicht der Befragten von den Arbeitgebern nicht wirklich ernst genommen wird. Das sieht man daran, wie viele Arbeitnehmer heutzutage unzufrieden sind mit den Angeboten der Arbeitgeber und dass entsprechende Angebote sogar die Auswahl eines Arbeitgebers signifikant beeinflussen können. Hier glauben wir, ist ein großflächiges Umdenken unter Arbeitgebern notwendig. Wir leben in einer Wissensgesellschaft und in dieser sind gesunde und kompetente Mitarbeiter die wichtigste Ressource. Je fließender die Grenzen zwischen Privatleben und Berufsleben werden, und das tun sie mehr und mehr in den letzten Jahren, desto größer wird auch die Bedeutung von für die Mitarbeiter passenden Angeboten. Überraschend ist, dass dieser Prozess relativ langsam voranschreitet. Wir hoffen mit der Studie einen Beitrag zu leisten, sodass nicht nur Menschen aus den HR-Abteilungen, sondern auch stark datengetriebene Geschäftsführer den Mehrwert von psychisch und physisch gesunden Mitarbeitern verstehen.

saatkorn.: Was sind Ihre Empfehlungen Richtung Personalabteilung, Firmenleitung und Mitarbeiter?
Unserer Meinung nach ist es wichtig, dass alle Beteiligten in einem engen Austausch stehen (z.B. regelmäßige Workshops), wenn es um Stressprävention oder auch generell Gesundheit am Arbeitsplatz geht. Das Thema “Gesundheit” muss ein integraler Bestandteil des Selbstverständnisses und der Strategie von Unternehmen sein. Oftmals unterscheiden sich die Vorstellungen erheblich und die Personalabteilung kommt häufig in die Situation die Einführung von Gesundheitsmaßnahmen verteidigen zu müssen. Die Firmenleitung achtet naturgemäß eher auf direkt zurechenbaren Erträge und Kosten. Leider generieren Gesundheitsmaßnahmen zunächst Kosten und erst mittelfristig bringen diese Investitionen Erträge in Form von höherer Produktivität, weniger Krankheitstagen oder einem Vorteil im “War for Talents”.

Was wir konkret empfehlen:

  1. Bedarfserhebung => Was genau brauchen/wünschen sich die Mitarbeiter?
  2. Zieldefinition => Was will der Arbeitgeber mit den Gesundheitsmaßnahmen erreichen?
  3. Auswahl der Maßnahmen => Welche Maßnahmen haben die größte Schnittmenge zwischen den Bedürfnissen der Mitarbeiter und Zielen des Arbeitgebers?
  4. Auswahl des Dienstleisters => Welcher professionelle Dienstleister passt zu den Ansprüchen des Unternehmens?
  5. Erfolgsmessung => Wie lassen sich die Effekte der Maßnahmen messen?

Wenn Mitarbeiter merken, dass sie vom Arbeitgeber wertschätzt werden, zahlen sie dies in der Regel hundertfach zurück.

saatkorn.: Herzlichen Dank für das Interview!

Die Studie kann man sich HIER downloaden.

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

2 Gedanken zu „Studie zum Thema Stress am Arbeitsplatz

  • Pingback: Unkrig Personalcoaching

  • 20. Dezember 2016 um 18:47
    Permalink

    Sehr interessante Studie.
    Generell bin ich inzwischen der Meinung sich nicht in jedem Fall gegen den Stress zu stellen, sondern die entstandene Energie positiv für sich zu nutzen. Eine Methode, die relativ neu ist, aber in Teilen sehr gut funktioniert.

    Antwort

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