Orientierung mit der One Week Experience

One Week Experience?! – Was ist das denn? – Vor einiger Zeit hatte ich Gelegenheit, mit Gründerin Svanja Kleemann über ihre spannende Idee zu sprechen. Um was es sich bei der One Week Experience handelt, erzählt die quirlige Gründerin im saatkorn.Interview selbst. Auf geht’s:

saatkorn.: Svanja, bitte stelle Dich den saatkorn. LeserInnen doch kurz vor.

One Week Experience Gründerin Svanja Kleemann
One Week Experience Gründerin Svanja Kleemann

Hallo liebe saatkorn. LeserInnen! Ihr habt nicht falsch gelesen und es ist auch kein Tippfehler (wie viele denken), sondern ich heiße tatsächlich Svanja. Ich komme ursprünglich aus der Sonnenstadt Freiburg, mein Herz schlägt mittlerweile jedoch für Berlin. Abgesehen davon, dass ich leidenschaftliche Gründerin und Geschäftsführerin des Social Startups One Week Experience bin, habe ich eine große Passion für Sport, Sprachen und Lateinamerika.
Mit meinem Team aus sechs Mitarbeitenden sowie einer Praktikantin und einem Ehrenamtlichen arbeiten wir intensiv daran, Jugendlichen eine bessere Zukunftsorientierung zu ermöglichen. Unsere Vision ist es, dass alle Jugendlichen, unabhängig von ihrer Herkunft, einen Zukunftsweg einschlagen, der sie glücklich macht. Wir sind überzeugt, dass dieser Weg mit den eigenen Interessen und Talenten im Einklang sein muss und jeder selbst herausfinden muss, ob dem so ist.

saatkorn.: Wie bist Du auf die Idee zur One Week Experience gekommen?
Als ich selbst kurz vor dem Abitur stand und mitbekam, wie viele Absolventinnen nach dem Abitur keine Ahnung hatten, was sie machen möchten, hatte ich nur noch ein Ziel: Vor dem Abitur noch herauszufinden, welcher Studiengang am besten zu mir passt und welchen Zukunftsweg ich einschlagen möchte. Leider war das alles andere als einfach. Weder Online-Recherchen, Abimessen, Tage der offenen Tür, noch Orientierungstests oder das BiZ konnten mich wesentlich weiter bringen – ich hatte immer das Gefühl der Unsicherheit, insbesondere, weil ich mir hinter der Beschreibung der Studiengängen nicht viel bzw. genug vorstellen konnte. Schließlich drehte ich den Spieß um und überlegte, wo ich arbeiten möchte – damals wollte ich in einer internationalen Organisation wie der EU oder UNO arbeiten und dachte, dass dafür ein Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaften die beste Wahl sei. Nachdem ich anfing zu studieren wurde mir schnell klar, dass ich alles hätte studieren können, um dort zu landen und ich mich anders entscheiden hätte, wenn ich diesen Einblick zuvor erhalten hätte. Wenn ich schon nicht die Möglichkeit hatte, so wollte ich sie von nun an allen anderen geben, indem ich One Week Student gründete. Ich wollte Schülernnen einen authentischen Einblick geben und sah die beste Lösung darin, sie direkt in das Studentenleben eintauchen zu lassen, indem sie einen Woche lang der Schatten eines Studierenden werden und auch bei diesem wohnen. So können die Jugendlichen den Studiengang und das Studentenleben mit all seinen Facetten kennenlernen und eine Entscheidung basierend auf eigenen Erfahrungen treffen.

saatkorn.: Wie funktioniert das One Week Experience Prinzip in der Praxis? – Welche Beispiele gibt es bereits für SchülerInnen?
Die One Week Experience gibt es inzwischen doppelt: mittlerweile haben wir zu One Week Student ein zweites Programm hinzu gegründet: One Week Azubi, ein Projekt von One Week Experience und der Prof. Otto Beisheim Stiftung.

Sowohl One Week Student als auch One Week Azubi funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Über unsere Plattform können Jugendliche mit Studierenden oder Auszubildenden Schnupperwochen vereinbaren und diese offline eine Woche lang durch ihren Alltag begleiten.

One Week Experience Plattform
One Week Experience Plattform

Um Jugendliche zu erreichen stellen wir die Studiengänge und Ausbildungsberufe der teilnehmenden Unternehmen direkt in Schulen und über alle online Kanäle vor. Für die Teilnahme an One Week Azubi gibt es eine motivationsbasierte Bewerbung, die wir dann für Unternehmen vorselektieren. Die gastgebenden Studierenden und Auszubildenden bekommen für ihr ehrenamtliches Engagement ein Zertifikat, welches mit den Logos der Bundesagentur für Arbeit und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, unter dessen Schirmherrschaft wir stehen, versehen ist.

Außerdem öffnen wir unserer engagierten Community den Zugang zu potentiellen Arbeitgebern. Unternehmen haben bei uns die Möglichkeit, sich bei den SchülerInnen als attraktiven Ausbildungsbetrieb oder bei unseren proaktiven Studierenden als attraktiven Arbeitgeber darzustellen. Ersteres ist durch die Mitgliedschaft bei One Week Azubi sowie durch One Minute Azubi-Videos möglich, letzteres durch zielgruppenspezifische Veranstaltungen. Außerdem können Unternehmen durch One Week Azubi-Stipendien ausgewählte Geflüchtete als potentielle Azubis kennenlernen oder durch One Week Student-Stipendien gezielten Nachwuchs bestimmter Studiengänge fördern, so vergibt z.B. die SAP SE aktuell 25 One Week Student-IT-Stipendien für strukturell benachteiligte Jugendliche – natürlich sind daran auch 25 hoch engagierte IT-Studierenden gebunden.

saatkorn.: Die Idee der One Week Experience lässt sich ja auch sehr gut auf andere Zielgruppen übertragen, beispielsweise AbsolventInnen oder sogar Professionals. Gibt es dazu auch bereits Erfahrungen?
Das ist vollkommen richtig. Hier spielen wir seit einer Weile mit dem Gedanken des „One Week Employee“: Ausgewählte Studierende begleiten Mitarbeitenden eine Woche lang durch ihren Alltag, um dadurch ihren potentiellen Job kennen zu lernen. Auf der anderen Seite kann der Arbeitgeber dadurch potentielle Mitarbeitende kennenlernen. Wir sind dazu gerade in Gesprächen mit einigen Unternehmen, um das Potential eines solchen Programms bzw. Stipendiums zu eruieren.

saatkorn.: Die Idee der One Week Experience finde ich ja super. Aber ich stelle es mir nicht leicht vor, Unternehmen für eine One Week Experience zu gewinnen. Denn die zahlen doch eher drauf, oder? – Wie sind Eure Erfahrungen mit den Personalabteilungen?
Aktuell arbeiten wir mit über 40 Unternehmen verschiedenster Branchen und Größen zusammen – von KMUs bis zu internationalen Konzernen. Unternehmen sind ein wichtiger Bestandteil von One Week Azubi und die Teilnahme lohnt sich für jede Personalabteilung. So sehen es auch unsere Partnerunternehmen: 94 % der Personalabteilungen empfehlen die Teilnahme an One Week Azubi. Wie eines unserer Partnerunternehmen sagt: „One Week Azubi macht unsere Ausbildungsplätze für Schüler zu lebendigen Stellenanzeigen. Kein Marketing ist authentischer als ein Azubi, der auf Augenhöhe seinen Ausbildungsberuf vorstellt.“

Über die Teilnahme an One Week Azubi können Ausbildungsberufe und –betriebe bei der Zielgruppe authentisch bekannt gemacht und Ausbildungskandidaten gewonnen werden. Wir machen die Ausbildungsberufe und –betriebe sowohl offline in Schulen und über unsere Partnernetzwerken als auch online über unsere Plattform und Social Media-Kanäle bekannt. Dadurch, dass der Azubi den Schüler betreut, wächst auch die Motivation des gastgebenden Auszubildenden und es werden weniger Kapazitäten seitens Festangestellter benötigt. Neben dem der Leistung des online sowie offline Ausbildungs- und Arbeitgeber-Marketings, nehmen wir den Personalabteilungen Arbeit hinsichtlich des Bewerbungsmanagements sowie der Betreuung ab. Das schätzen unsere Partnerunternehmen sehr. Auch unsere One Minute Azubi-Videos, bei denen gastgebende Auszubildende in einer Minute ihren Ausbildungsberuf und ihr Unternehmen authentisch vorstellen, kommen sehr gut bei den Jugendlichen, den Azubis, Unternehmen sowie bei den Schulen an. Da großes Interesse seitens einiger Unternehmen an One Week Azubi-Stipendien für passende Geflüchtete, sprich ein Add-On zu dem One Week Azubi-Programm, aufkam, arbeiten wir aktuell an dessen Ausgestaltung.

Mit den ehrenamtlich engagierten Studierenden und Studieninteressierte wiederum können Unternehmen über One Week Student-Stipendien, die eine Reisekostenpauschale und ein gemeinsames Taschengeld für SchülerIn und Studierenden beinhaltet, in Kontakt treten. Unternehmen können dafür ganz gezielt bestimmte One Week Student-Schnupperwochen, wie z.B. in IT- oder MINT-Studiengängen, sowie Zielgruppen, wie z.B. Mädchen, fördern. Dadurch ist es ohne Aufwand möglich, frühzeitig seine Employer Brand zu etablieren, sich sozial zu engagieren und sehr targetiert die relevanten Zielgruppen anzusprechen. Die aktuell laufenden One Week Student-IT-Stipendien der SAP SE wurden z.B. zu 50% an Arbeiterkinder vergeben, die eine Affinität zu IT haben. Wir haben dafür hervorragende Bewerbungen von den Jugendlichen erhalten. Die 25 gastgebenden Studierenden setzt sich aus weiblichen sowie männlichen engagierten IT-Studierenden aus ganz Deutschland zusammen. Wir sind sehr begeistert von der Wirkung der Stipendien und dem ehrenamtlichen Engagement der Studierenden.

Unsere Erfahrung ist, dass wir mit unseren Programmen One Week Student und One Week Azubi, insbesondere mit den Stipendien, die Zielgruppen sehr genau erreichen können und wir den Personalabteilungen wichtige (bürokratische) Aufgabe abnehmen können. Die Zeitersparnis und targetierte Bekanntheitssteigerung als Arbeitgeber ist den meisten Unternehmen viel wert.

saatkorn.: Svanja, was ist Dein mittelfristiges Ziel? – Wo willst Du in 2-3 Jahren mit der One Week Experience stehen?
Wir wollen natürlich erst noch innerhalb Deutschlands weiter wachsen und die derzeitig knapp 10.000 registrierten User vervielfachen. Über Kooperationen mit Multiplikatoren wie z.B. der Bundesagentur für Arbeit, sollen mittelfristig alle Jugendlichen von unseren Programmen erfahren und über Schnupperwoche die für sie passende Ausbildung, Hochschule und das für sie passende Unternehmen finden. Damit wollen wir aktiv den hohen Ausbildung- und Studien-Abbruchquoten entgegenwirken.
Sobald wir in Deutschland etabliert sind, soll es natürlich ins Ausland gehen – denn auch dort gibt es eine große Nachfrage und die Internationalisierung sowie der interkulturelle Austausch bieten große zusätzliche Mehrwerte.

saatkorn.: Svanja, herzlichen Dank für das Interview – und weiterhin viel Erfolg mit der One Week Experience!

Gero Hesse

Gero Hesse

Ich bin Gero Hesse, Macher, Berater und Blogger in den Themenfeldern Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting, Social Media und New Work. Mehr Infos über Gero Hesse.

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